
Zu wenig Tiefe bei zu vielen sensiblen Themen. Dieses Buch wurde auf Bookstagram so, so sehr gehyped, dass ich es unbedingt lesen musste und wahrscheinlich habe ich dadurch einfach etwas zu viel erwartet, denn "Making Faces" hat mich nicht einmal annähernd so sehr bewegt wie ich zuvor angenommen hatte. Amy Harmon erzählt hier eine tieftraurige, tragische und hoch emotionale Geschichte, was ich persönlich sehr liebe, jedoch fehlte mir an vielen Stellen die entsprechende Tiefe. Die Geschichte hat mich durchaus berührt, aber eben weil sie so dramatisch und traurig ist und nicht etwa, weil die Autorin mit ihren Worten wahrhaftig Emotionen in mir zum Leben erweckt hätte. Für so viele deartig sensible Inhalte und ernste Themen hat dieses Buch schlicht und ergreifend viel zu wenig in mir ausgelöst. Ich habe beim Lesen zwar ein paar Tränen vergossen, war aber nicht ansatzweise so sehr am Boden zerstört wie ich es bei einer Geschichte wie dieser meiner Meinung nach hätte sein müssen und ehrlich auch gerne gewesen wäre. Zu großen Teilen wird das wohl an den Charakteren gelegen haben, mit denen ich leider einfach nicht warm wurde. Ihre Schicksale gingen mir zwar durchaus nahe, aber ich habe nicht einmal annähernd so sehr mit ihnen mitgefühlt und gelitten wie ich es in Anbetracht der Geschehnisse hätte tun müssen und auch tun wollte. Mir fehlte es an überschäumenden Emotionen, unerträglicher Gefühlsintensität und Nahbarkeit - Letzteres wurde durch die eher unpersönliche und damit auch Distanz fördernde Erzählperspektive in der dritten Person Singular noch verstärkt. Die Innensicht in die Gedanken- und Gefühlswelten der Charaktere blieb hier wirklich ausbaufähig. Außerdem habe ich die einzelnen Figuren als eindimensional, blass und irgendwie konstruiert empfunden. Ein paar Klischees stören mich nicht, aber hier nahmen sie Überhand. Ich mochte die typische und hier leider eindeutig überrepräsentierte Rollenverteilung der Charaktere nicht und dass sie darüber hinaus keine interessanten Persönlichkeitsmerkmale mitbrachten, keine Alleinstellungsmerkmale. Sie waren nicht einzigartig, sondern vielmehr leicht austauschbar und noch dazu übertrieben gezeichnet. In ihnen war zu wenig Leben und Gefühl - Zumindest meinem Empfinden nach. Darüber hinaus gab es innerhalb dieser Geschichte für meinen Geschmack viel zu viele unterschiedliche Handlungsstränge zu vieler verschiedener Personen, wodurch das Buch auf mich im Gesamten unstrukturiert und überladen wirkte. Der rote Faden fehlte, sodass die Geschichte einer Patchworkdecke mit bunten Flicken bestehend aus sensiblen Themen glich, welche dadurch wiederum viel zu schnell und unzureichend abgefertigt wurden, was ihrer Ernsthaftigkeit und Bedeutungsschwere nicht gerecht wurde. Die zentrale Message des Buches ist an sich gut, aber ich mochte nicht, wie sie hier inszeniert wurde. Einige Szenen stießen mir bitter auf und ließen mich während des Lesens unwohl fühlen. Amy Harmon hat in meinen Augen einen sehr schönen poetischen und metaphorischen Schreibstil, der mir unheimlich gut gefallen hat, bei dieser Geschichte aber auch nicht mehr viel retten konnte. "Making Faces" war einfach nicht mein Buch, es wurde mir viel zu lieblos erzählt und hat trotz mehrer Rückblenden kaum Tiefe und vor allem auch keine tiefschürfenden Entwicklungen möglich gemacht, auf die ich aber so sehr gebaut hatte. Gerade diese Oberflächlichkeit hat mir hier wirklich missfallen. Ich hoffe sehr, dass euch dieses Buch besser gefällt als mir, bin aber zuversichtlich, da es ja so viele lieben. Gerne hätte ich dazugehört, aber es kann einem schließlich auch nicht jedes Buch gefallen und so behalte ich eben die anderen Bücher der Autorin gut in Erinnerung. 2/ 5 Sterne ⭐️

















































