Dieses Jugendbuch hat mich tief bewegt. Es behandelt unglaublich viele wichtige Themen wie Selbstfindung, Rassismus, erste Liebe, die Beziehung zwischen Teenager und Eltern und die Abnabelung, die damit einhergeht, aber auch noch viele andere.
Dass die Geschichte eigentlich aus zwei Geschichten besteht, die hier nebeneinander in verschiedenen Zeitsträngen erzählt wird, ist richtig toll umgesetzt. Auf der einen Zeitebene verfolgt man Angie auf der Suche nach der Wahrheit über ihren Vater und auf der anderen die Geschichte ihrer Mutter darüber wie sie und Angies Vater sich kennengelernt haben bis zu dem furchtbaren Moment als sie getrennt wurden. Durch den zweiten Zeitstrang hat man einen tollen Einblick in die Eltern, ihre Charaktere und ihre tiefe Verbundenheit und kann am Ende besser verstehen was passiert ist und warum Angies Mutter getan hat was aus ihrer Sicht das Beste war.
Und auch in Angies Zeitstrang sieht man wie viele Gefühle sie selbst auf ihrer Reise durchlebt. Was die fehlende Vaterfigur in ihrer Kindheit in ihr ausgelöst hat und wie die hier nach uns nach zu sich selbst findet.
Die Charaktere sind unglaublich authentisch und mich hat das Buch auch nach dem Lesen noch eine Weile beschäftigt.
Ich mochte das Buch sehr, vor allem die schöne Beschreibung der beiden Mutter-Tochter Beziehungen war sehr eindrucksvoll. Auch der Schreibstil ist positiv hervorzuheben, ich finde toll, dass beide Perspektiven dargestellt werden und man so schrittweise etwas über die Perspektive der Mama erfahrt. Allerdings war das Buch für mich zeitweise etwas langatmig und ich hätte mir da mehr Spannung gewünscht, aber so oder so ist es eine tragisch-schöne Geschichte!
Mir persönlich hat das erste Buch von Ava Dellaira (Love Letters To The Dead) besser gefallen, weil ich die träumerischen Aspekte geliebt habe. Nichts desto trotz war auch dieses Buch ein wirklich guter Read. Ava Dellaira scheint ihr ganzes Herzblut in ihre Projekte zu stecken und beschreibt Gefühle hautnah, ehrlich, menschlich. An der "schlimmsten" Stelle des Buchs sind mir wirklich die Tränen gekommen
Marilyn weiß genau, wie ihre Zukunft aussehen soll: Nach der Schule will sie einfach nur weit weg, an ihrer Wunsch-Uni studieren und Fotografin werden. Dann lernt sie James kennen, der sie in ihren Träumen unterstützt, ihr aber auch zeigt, dass es sich lohnt, im Hier und Jetzt zu leben. Bis sie vom Schicksal auseinandergerissen werden.
Angie hat keine Ahnung, was sie mit ihrem Leben anfangen will. Sie weiß nur, dass sie unbedingt in Erfahrung bringen muss, was wirklich mit ihrem Vater James passiert ist. Laut ihrer Mutter Marilyn ist er bereits vor ihrer Geburt bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Aber dann findet Angie Hinweise darauf, dass ihre Mutter nicht die ganze Wahrheit erzählt hat. Mit ihrem Exfreund macht sie sich auf den Weg nach L.A., um endlich herauszufinden, woher sie kommt und wer sie ist.
(Klappentext)
Vor einigen Jahren habe ich von der Autorin "Love Letters to the Death" gelesen und war total begeistert. Ich habe mich dann sehr gefreut, dass endlich etwas Neues von ihr erscheint.
Die Geschichte wird in zwei Zeitsträngen und zwei Perspektiven erzählt. Einmal von Marilyn, die vor 18 Jahren mit ihrer Mutter zusammen in Los Angeles gewohnt und nur davon geträumt hat, endlich weg ans College gehen zu können und auf einmal auf James trifft, den sie vom ersten Moment an mag und recht schnell für ihn schwärmt.
Und in der Gegenwart von Angie, die ohne ihren Vater aufgewachsen ist, und die Unwissenheit darüber, wer er war und ob er vielleicht noch lebt, keine Ruhe lässt und sich mit ihrem Ex-Freund Sam auf den Weg nach L.A. macht um Antworten ist zu finden.
Marilyn wohnte mit ihrer Mutter Sylvie zusammen in der Stadt der Engel. Von Sylvie wird sie ständig zu Castings für Werbespots und Ähnliches geschickt, weil sie will, dass ihre Tochter ein Star wird und dadurch dringend benötigtes Geld ins Haus bringt. Sie macht ihr Vorschriften, z.B. wie ihre Haut sein muss, und hat kein Verständnis dafür, dass Marilyn gerne auf ein renommiertes College gehen will und dafür viel lernt. Durch Geldsorgen ziehen die beiden zu Marilyns alkoholabhängigem, leicht reizbarem, herrischen und spielsüchtigen Onkel. Ihr Nachbarn ist James und seine Familie, sie verstehen sich direkt total gut und sie verbindet das gleiche Ziel vom Studieren und lernen so auch zusammen. Sie kommen sich näher, aber James will keine Beziehung, da sich ihre Wege nach ihrem Schulabschluss trennen werden.
Einige Jahre später findet Angie Erinnerungsstücke von ihrer Mutter Marilyn und ihrem Vater, von dem sie nur den Namen James weiß. Sie recherchiert und möchte unbedingt nach Los Angeles, gegen den Willen von Marilyn, und etwas widerwillig wird sie dabei von Sam begleitet.
Zitat Angie : "Und in diesem Moment kam ihr der Gedanke, dass sie, wenn sie ihren Dad fände, vielleicht endlich zu einem Mädchen werden würde, das Sam sagen konnte, dass es ihn liebte."
Die Stimmung zwischen den beiden ist frostig, obwohl sie sich doch immer noch irgendwie mögen. Vor allem ist Sam wütend auf Angie, wegen der Trennung, die von ihr ausging. Eigentlich wollte sie ihn nicht um Hilfe bitten, aber er ist der Einzige, den sie fragen konnte. In L.A. geht Angie allen möglichen Hinweisen nach, die sie näher zu ihrem Vater bringen könnten. Ihr größter Anhaltspunkt ist, dass er einen Bruder haben könnte, der in dieser Stadt lebt.
Mir hat es super gut gefallen, wie das Buch in größeren Abständen immer wieder zwischen den Vergangenheit und dem Heute gewechselt ist. Die zwei Zeitstränge und die Geschichten und Umstände von Angie und Marilyn sehr verschieden, aber jeweils auf ihre Art und Weise total spannend. Beide Protagonisten waren mir ziemlich sympathisch und ich habe mit ihnen mitgefühlt.
Insgesamt fand ich die Handlung richtig gut gemacht und überzeugend, welche Themen die Autorin angesprochen hat. Rassismus, Zukunftswünsche, Marilyns Leidenschaft für Fotografie, die Bedeutung vom Kolibri, Verlust und wie eine ganz bestimmte Reise, jemanden verändern kann.
Zitat Marilyn : "»Weil du dadurch selbst auf die Welt blickst, anstatt angeblickt zu werden. Weil du die Kontrolle hast.« »Ja.« Sie hätte es nicht so treffend ausdrücken können, aber er hat völlig recht."
Flüssig und berührend ist das Buch geschrieben und mir schöne Lesestunden beschert, definitiv eine Empfehlung von mir.
Fazit :
Super gelungenes herzergreifendes Buch über die jeweilige (Liebes-)Geschichte von Mutter und Tochter, in der Vergangenheit und Gegenwart.
Eine sehr schöne Mutter-Tochter-Liebesgeschichte. Ein Mädchen, das wissen möchte, was genau mit ihrem Vater passiert ist. Eine Mutter, die ihre Liebe nicht lieben durfte. Das Buch ist sehr angenehm zu lesen und in zwei Zeitzonen geschrieben, aus Sicht der Mutter und Sicht der Tochter.
Die Geschichte berührt mich sehr, stimmt einen nachdenklichen, da das Thema Rassismus eine Rolle spielt. Schön & traurig, einfühlsam & spannend zugleich. Kann ich nur empfehlen 😊
Das Cover ist ein Traum. Der schreibstil ist angenehm. Die Story ist eine herzliche Mutter Tochter Liebesgeschichte. Liebe, Freude und Verlust
Ein schönes Buch.
Inhalt:
Marilyn steckt voller Träume. Irgendwann möchte sie auf eine Uni gehen, um danach Fotografin zu werden. Ihre Mutter Sylvie hat ganz andere Pläne für sie. Marilyn soll als Modell groß rauskommen. Überall erzählt Sylvie herum, dass ihre Tochter Schauspielerin ist und für Werbeaufnahmen gecastet wird. Mit den Gagen ihrer Tochter möchte die Mutter der Armut entkommen, sich ein schönes Haus mit Pool kaufen und glücklich werden. Bis es soweit ist, zieht Sylvie mit ihrer Tochter nach L.A. zu Onkel Woody. Beim Ausräumen der Umzugskartons treffen sie auf James, der ebenfalls mit seinen Großeltern und seinem Bruder in dem Wohnkomplex beheimatet ist. Sylvie bittet den jungen Mann um Hilfe. Sie selbst zieht sich in das Haus zurück. Letztlich ist es Marilyn, die gemeinsam mit James den Einzug stemmt. Beide kommen sich bei dieser Gelegenheit näher und plötzlich ist geteiltes Leid doppelte Freude.
Jahre später: Marilyn hat ihre Pläne ein College zu besuchen, um Fotografin zu werden, aufgeben müsssen. Stattdessen hat sie ein zauberhaftes Kind bekommen. Die junge Frau versucht alles, um es ihrer Tochter Angie recht zu machen. Sie will Angie ein sorgenfreies Leben ermöglichen. Sie soll aufs College gehen können. Angie lässt jedoch der Gedanke an ihre Vaterlosigkeit nicht mehr los. Immer wieder wird sie auf ihre Hautfarbe angesprochen, die anders als die ihrer Mutter, dunkle Nuancen aufweist.
Marilyn hat ihr erzählt, dass James und sein Bruder bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Doch ein Musikvideo, welches von einem Justin Bell produziert wurde, weckt Angies Neugierde. Dieser Name triggert sie angesichts der Namensgleichheit des Produzenten mit ihrem Onkel. Lebenszeichen oder Zufall? Kurzerhand fährt Angie zu ihrem Ex-Freund. Sie bittet ihn, sie nach L.A. mitzunehmen. Sam ist nicht begeistert, denn er hat die Trennung von Angie noch lange nicht verkraftet. Dennoch willigt er ein. Es beginnt ein spektakuläres Abenteuer. Wird Angie in einer so großen Stadt wie L.A. mit diesen wenigen Hinweisen auf ihren Onkel Erfolg haben können?
Im Detail:
Ava Dellaira erzählt ihre Geschichte zweier Frauen auf der Suche. Der Leser begleitet zum einen die junge Marilyn, die voller Wünsche und Sehnsüchte steckt. Sie möchte irgendwann einmal Fotografin werden. Bis dahin bedient sie sich einer imaginären Kamera. Mit Zeigefinger und Daumen beider Hände, bildet sie ein Quadrat und versucht darin schöne Momente einzufangen; mit einem Blinzeln der Augen betätigt sie den Auslöser. Diese „Gedankenbilder“ versucht Marilyn fest in ihrem Kopf einzuspeichern und nicht mehr zu vergessen.
Marilyns Mutter sucht die Chance mit ihrer Tochter die Verwirklichung ihrer Träume zu wahren.
Sie träumt von einem Leben in einem Luxushaus. Die Tochter soll mit Werbefotografien das Geld dazu eintreiben. Sylvie und Marilyn wandern von einem Casting zum anderen. Die Tochter muss sich kalorienarm ernähren und ist nach einer Mahlzeit oft noch gar nicht richtig satt. Der Umzug zum Onkel macht alles nicht besser. Denn Woody ist der Spielsucht verfallen. Mit Onlinepoker und Kasinobesuchen verdient er sich seinen Lebensunterhalt. An schlechten Abenden greift er zum Alkohol und pöbelt herum. Es ist besser ihn an solchen Tagen zu meiden, das hat Marilyn schnell raus. Doch etwas Gutes hat dieser Umzug nach L.A. auch. Denn schon am ersten Tag lernt Marilyn den dunkelhäutigen James kennen.
James ist, im Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder Justin, eher verschlossen. Und dennoch kommen sich Marilyn und er näher. Sie verbringen Zeit miteinander und schaffen Erlebnisse. Marilyn fühlt sich in James Gegenwart wohl. Seine Familie ist so ganz anders als ihre eigene. Die Großeltern sind herzlich, ihre Tür steht immer offen für Marilyns spontane Besuche. Doch gerade in dem Moment, in dem James und Marilyn anfangen Pläne für die Zukunft zu schmieden, passiert etwas, was ihr Leben für immer verändern wird.
Der zweite Handlungsstrang der Geschichte beschäftigt sich mit Angie, Marilyns Tochter. Angie ist sich sicher, dass ihre Mutter ihr nicht die Wahrheit erzählt hat, was ihren Vater angeht. Kurzerhand beschließt sie eigene Recherchen anzustellen. Hierzu benötigt sie jedoch Hilfe. Leider ist Sam, ihr Ex-Freund, die einzige Option sie nach L.A. zu fahren.
Ava Dellaira verwebt in ihrem Werk die Geschichten zweier Frauen, die sich der Verfolgung ihrer sich selbst gesetzten Lebensziele verschrieben haben. Auch die Erfahrung mit dem latenten Rassismus der us-amerikanischen Gesellschaft ist ein Thema. Am Zusammenspiel der Figuren zeigt Ava Dellaira meisterhaft Alltagsrassismus. Dabei reduziert die Autorin ihre Darstellung auf die reine Präsentation und lässt sich zu keinerlei Kommentar hinreißen.
Die Autorin legt den Fokus jedoch nicht nur auf die Hauptfiguren. Geschickt haucht sie den Nebenfiguren Leben ein und lässt sie dem Leser ans Herz wachsen. Mein besonderer Liebling in der Geschichte war James Bruder, Justin, der mit seiner lebendigen Art nicht nur Marilyns Herz für sich gewinnen konnte. Aber auch James und Justins Großeltern hätte ich gerne einmal im realen Leben kennengelernt. Woody wiederum ist wie geboren zum Antihelden.
Fazit:
Eine Liebesgeschichte, die ein Echo im Herzen weckt. Ava Dellaira zeigt mit, „Auf der Suche nach dem Kolibri“, dass auch Liebesgeschichten spannend sein können. Denn wenn es um Liebe geht, ist Hass nicht fern. Der Roman beschäftigt sich mit zwei Frauen auf der Suche. Die eine mit Zukunftsvisionen, die andere auf der Suche nach Antworten in ihrer Vergangenheit.
Ohne erhobenen Zeigefinger und ohne Sendungsbewusstsein schreibt Dellaira von den Abgründen und Sonnenseiten menschlichen Seins. Um die Protagonistinnen ranken sich skurrile, liebenswerte und zum Teil vom Schmerz zerfressene Figuren.
Ein starkes Stück Literatur ist schließlich das Ende des Romans, das wie ein Paukenschlag erscheint und einen fast ratlos zurücklässt.
Von mir gibt es eine volle Leseempfehlung für dieses Buch.
Buchzitate:
Marilyn geht nicht mehr duschen an diesem Abend, sie will das Meer nicht abwaschen, jenen stummen Beweis, dass sie zumindest für einen Nachmittag einen Platz in der Welt hatte.
Er bietet ihr seinen Pulli an, und sie zieht ihn sich über den Kopf – er ist so groß, dass sie angenehm darin versinkt. Sie atmet seinen Duft ein, der sich mit der salzigen Meeresbrise mischt, und hat endlich das Gefühl, wieder Luft zu bekommen.