Solides Fantasybuch. Der Weltenaufbau ist sehr gelungen, Charaktere könnten noch etwas ausgebaut werden.
Wenn der Glaube zu bröckeln anfängt ... Titel: Der Herr des Feuers Autor: Adrian Leschek Jahr: 2016 Genre: Fantasy Verlag: Blanvalet Inhalt: Dolch ist ein Assassine und er tötet im Names des Gottkaisers, dem mächtigsten Mann von Arakand. Von ihm bekommt er den Auftrag, eine Bruderschaft von Mönchen, den sogenannten "Wissenden Brüdern" zu ermorden, da diese ketzerische Gedanken in der Stadt verbreiten, die der Macht des Gottkaisers gefährlich werden können. Dolch vollführt seinen Auftrag, doch in der Bruderschaft gibt es einen Mann - einen Krüppel - der kaum lebensfähig erscheint, doch Dolch alleine durch seinen Willen dazu bringt, ihn am Leben zu lassen. Dolch willigt ein, da sein Assassinenkodex im besagt: "Töte nichts, was von allein stirbt." So überlässt er dem Krüppel im Haus der Wissenden Brüder seinem Schicksal, doch das sollte sein größter Fehler werden. Denn kurz darauf entkommt der gelähmte Monch mithilfe von Dieben und Schleusern aus der Stadt. Dolch muss ihn dringend finden und bekommt dabei die Hilfe des Söldners Kellorn, um zu verhindern, dass sich die ketzerischen Gedanken in der Welt verbreiten. Doch schon bald fängt selbst Dolch an, an seinem Glauben zu zweifeln. Die Welt: Der Weltenaufbau ist wirklich sehr originell, aber auch schwierig zu verstehen. Anhand der Beschreibung habe ich mir die Welt so vorgestellt, dass es eine Landmasse gibt, die ähnlich einem Gürtel um die Erdkugel gespannt ist und den Ozean in Nord und Süd einteilt. Ebenso gibt es ein schwarzes "Band", dass den Himmel durchläuft und auch ihn in zwei Hälften teilt. In dieser Welt gibt es zwei Sonnen, eine normale, ähnlich wie in unserer Welt und eine Sonne, die ihre Laufbahn ändert und der Erde oft gefährlich nahe kommt. Auf dieser Sonne basiert auch der Glauben, der in Arakand vorherrscht. Denn der Gottkaiser muss zur richtigen Zeit ein Ritual durchführen, dass diese große Sonne wieder zurück auf ihre Laufbahn verbannt, um die Welt vor der Verbrennung zu retten. Und ebendieser Glauben kommt in der Geschichte ins Schwanken. Da dieser Weltenaufbau doch sehr einzigartig ist, hätte ich mir gerne eine Karte der Welt gewünschht oder ein Anschauungsbild, dass man sich diese natürlichen Begebenheiten besser vor Augen führen kann. Charaktere: Dolch ist ein Assassine. Er hat sich als Kind in den Straßen von Arakand herumgeschlagen, bis er in die Assassinenbruderschaft aufgenommen wurde. Da er ein hervorragender Meister seines Fachs ist und sein Glaube an den Gottkaiser unerschütterlich ist, bekommt er den Auftrag, die Wissenden Brüder zu töten. Außerdem ist er ein Wechsler, das heißt, niemand kann ihm ins Gesicht blicken, ohne dass er eine Person darin erblickt, der er einmal Leid oder Unrecht angetan hat. Baladus ist ein Mönch bei der Bruderschaft der Wissenden Brüder, doch sein gesamter Körper ist von Geburt an gelähmt. Er wurde von den Brüdern gepflegt, bis sie alle von Dolch ermordet wurden. Er vermag zwar seinen Körper nicht zu bewegen, doch sein Wille ist stark und sein Geist hochintelligent. Er vertritt unten den Brüdern den Glauben, dass die Laufbahnen der zweiten Sonne berechenbar sind und es keinen Gottkaiser bedarf, um den Feuerball wieder fortzuschicken. Für diese Gedanken mussten seine Brüder sterben, doch kann er Dolch durch seine Überzeugungskraft davon abhalten, auch ihn zu töten. Kellorn ist ein ehemaliger Barbar, der aus einem der Rebellenlager desertiert ist, um nun in die Stadtwache von Arakand einzutreten. Er ist ein außerordentlich guter Kämpfer, der es versteht, mit allen Waffen umzugehen, doch leider scheint er das Unglück magisch anzuziehen. Er glaubt an die alten Götter seines Volkes, doch er versucht diese schnell zu vergessen, da dies in Arakand Ketzerei ist. Im Großen und Ganzen sind die Charaktere also recht gut gelungen. Jedoch hätte ich mir an mancher Stelle ein bisschen mehr Tiefe gewünscht, sodass man noch ein bisschen mehr von deren Lebensgeschichte erfahren hätte. Bei Dolch zum Beispiel wurde sein Aussehen überhaupt nicht beschrieben, was aber - wenn ich es im Nachhinein bedenke - vielleicht so sein sollte, da man sich in durch seine Wechslergestalt vielleicht individuell vorstellen sollte. Die Gedanken waren jedenfalls sehr gut geschildert, immerhin hatte jeder von ihnen einen anderen Glauben, und der war ja für das Buch essenziell. Die Helden sind nicht perfekt und fehlbar, was für mich immer ein wichtiger Punkt ist. Leider ist mir bei Baladus ein Logikfehler untergekommen. Denn im Buch heißt es, sein Gesicht ist gelähmt und er kann kaum ein Lächeln zustande bringen, dennoch redet er mitunter seitenweise daher, um anderen seinen Willen aufzuzwingen. Wenn ich mich nicht irre, sind auch für das Sprechen durchaus Gesichtsmuskeln vonnöten, sodass er eigentlich entweder Lachen könnte oder aber er gar nichts sprechen düfte. Schreibstil: Den Schreibstil würde ich als "normal" bezeichen. Er war nicht außerdordentlich überragend, aber auch nicht schlecht. An manchen Stellen hätte ich mir noch etwas mehr Plastizität gewünscht, denn ich hatte doch Probleme, mir Arakand bildlich vorzustellen. Auch wäre es schön gewesen, wenn an einigen Stellen noch etwas mehr Gefühl hinzugekommen wäre, denn so waren Höhe- und Tiefpunkte nicht so dramatisch, wie sie vielleicht hätten erscheinen sollen. Überhaupt gab es sehr wenige oder kaum Höhepunkte, die mich vom Hocker gehauen hätten. Fazit: Ein solides Fantasybuch mit einer interessanten Welt und doch einzigartigen Charakteren, die aber noch ausbaufähig sind. Durch die wenigen Höhepunkte war die Geschichte leider nicht so fesselnd, wie sie hätte sein sollen, aber durchaus interessant. Leider hat mir auch die Karte zu der Welt gefehlt. Wer aber auf Assassinen-Fantasy steht, von denen es ja mittlerweile durchaus einige gibt, der macht mit dem Buch hier garantiert nichts falsch. Ein gelungenes Fantasydebüt. Ich würde mich trotzdem freuen, mehr von dem Autor zu lesen.
