Zäh, langatmig und vorhersehbar
DS George Cross ist ein mehr als ungewöhnlicher Ermittler, nicht immer wohlgelitten bei Vorgesetzten und Kollegen, dafür mit einer überragenden Aufklärungsquote. Seine ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden sorgen dann auch dafür, dass der Mord an einem Obdachlosen nicht so schnell zu den Akten gelegt wird … Puh, wisst ihr, was noch schlimmer ist, als ein langweiliges Buch? Ein langweiliger Krimi. Und da ist ‚Der Kriminalist‘ einer von der ganz langweiligen Sorte. Dabei ist die Idee erst mal wirklich gut - ein Ermittler mit Asperger Syndrom, der auf unkonventionelle Art seine Fälle löst. Da bekommt man doch gleich so ein bisschen ‚Monk‘-Vibes, nicht wahr? Tja, das war aber wohl nix. Vor allem, weil Tim Sullivan seinen Leserinnen und Lesern wohl mal so gar keinen eigenständigen Gedanken zutraut. Jede, wirklich JEDE, Handlung und jeder einzelne Gedankengang wird in epischer Breite erklärt, jede Eigenart von Cross erst mal ausführlich beschrieben, jede Handlung von Cross im Vorfeld erst mal lang und breit an den Leser herangetragen, nur dass sich der Polizist am Schluss dann häufig doch ganz ‚normal‘ verhält. Leider geht Cross‘ Verhalten nämlich nur ganz selten über wortkarge Schroffheit hinaus, in den Vernehmungen ist dann nicht mal mehr davon was zu spüren. Die Szenen, in denen wirklich in Eins-zu-Eins-Situationen die Andersartigkeit des Protagonisten aufblitzt, kann man tatsächlich an einer Hand abzählen. Verwirrend ist auch, dass das Buch in der personalen Erzählweise geschrieben ist, diese allerdings ohne erkennbaren Bruch zwischen den Personen wechselt. Das ist handwerklich einfach schlecht gemacht und fördert ebenfalls weder die Spannung noch die Leselust. Und der Krimiteil? Na ja, ist ganz ok, aber nichts wirklich Neues und versierte Lesende werden recht bald wissen, wie der Hase läuft. Dabei hätte man die Story sicher noch mit der ein oder anderen falschen Fährte aufpeppen können, aber leider bleiben alle Nebenfiguren komplett blass und haben kaum Platz zwischen all den seitenlangen Beschreibungen von Cross‘ Innenleben. Für mich also definitiv keine Serie, die ich weiterlesen werde oder empfehlen könnte.







