15. Juni
Rating:3

Der Roman verbindet zunächst geschickt ein Zeitbild des Berlins des beginnenden 20. Jahrhunderts mit der Kolonialzeit im damaligen "Deutsch-Südwest". Das Bindeglied ist Jella, die gerade als Jahrgangsbeste ihr Abitur gemacht hat, was im deutschen Kaiserreich bemerkenswert und ein Zeichen für ihre besondere Intelligenz wie auch für ihr Selbstbewusstsein und ihre Zielstrebigkeit ist. Das erwünschte Medizinstudium bleibt ihr dennoch verwehrt. Der renommierte Mediziner Robert Koch nimmt sie jedoch unter seine Fittiche und ermöglicht ihr eine Ausbildung zur Krankenschwester wie auch die Teilnahme an seinen Vorlesungen. Nach der Lossagung vom herrischen und intriganten Großvater lebt sie mit ihrer Mutter in ärmlichsten Verhältnissen. Ihren Vater hat sie nach dessen Auswanderung nach Afrika nie kennengelernt. Nach dem Tod ihrer Mutter nimmt sie der bekannte Zeichner Heinrich Zille in seine Familie auf und ermöglicht ihr die Überfahrt nach Afrika, wo Jella sich auf die Suche nach ihrem Vater begibt. Von hier ab spielt das Buch in "Deutsch-Südwest". Der Autorin gelingt es zunächst sehr einfühlsam und mit viel Sympathie für die einheimische Bevölkerung die Problematik der Kolonialisierung darzustellen. Das ist das Hauptverdienst des Buchs. Abstriche in der Bewertung mache ich aber aus zwei Gründen. Da ist zum einen der Versuch, die afrikanische Mystik in die Handlung einzubauen. Mein rationaler Hintergrund tut sich schwer damit, z.B. die "Seelenverwandtschaft" zwischen Jella und der Buschfrau Nashemi nachzuvollziehen, die die Handlung in der Endphase des Buchs entscheidend beeinflusst. Apropos Endphase: Hier werden doch allzu viel Zufälle miteinander kombiniert, um das gewünschte Ende zu erzwingen.

Der Ruf der Kalahari
Der Ruf der Kalahariby Patricia MennenBlanvalet