📚 Inhalt Annie steht kurz davor, ihr Leben im Jahr 1853 in den Fluten der eiskalten Themse zu beenden. Sie ist mittellos, lebt auf der Strasse und schwanger. Doch bevor sie sich zum Sprung durchringen kann, wird sie von einem erfolgreichen Künstler, Francis, angesprochen. Er möchte, dass die aussergewöhnlich schöne Annie seine Muse wird. Da jede Alternative besser ist, als der Freitod, beschliesst Annie, das Angebot von Francis anzunehmen und ihr Leben verändert sich über Nacht: Sie ist auf einmal der Star der Londoner Kunstszene, lebt im Luxus und Überfluss, trägt die schönsten Kleider zu Partys. Doch hinter Francis’ schillernder Fassade verbirgt sich ein dunkles Geheimnis. Und es gibt auch Menschen, die nicht vergessen haben, woher Annie kommt. 📖 Meinung Annie wirkt wie das klassische, gefallene Mädchen. Ich meine das nicht abwertend, denn zu dieser Zeit gab es viele Frauen in ähnlich ausweglosen Situationen und leider findet man diese auch heute noch. Nur durch die Gunst eines fremden, reichen und erfolgreichen Malers, gelingt ihr der soziale Aufstieg. Da Annie gelernt hat, den Menschen das zu geben, was sie erwarten, tut sie auch genau das: Sie gibt Francis das, was von ihr als Muse erwartet wird. Man lernt die Beziehungsdynamik der beiden sehr schnell sehr gut kennen, da sie als Muse und Künstler viel Zeit miteinander verbringen. Die Autorin macht unmissverständlich klar, dass die Beziehung in einem grossen Machtverhältnis steht, denn verliert Annie die Gunst von Francis, landet sie erneut auf der Strasse. Man bekommt immer wieder kleine Einblicke in Annies Vergangenheit und lernt sie, ihre Gedanken, Gefühle und Beweggründe dadurch gut kennen. Die Stimmung des Buches wirkt authentisch und man spürt beim Lesen immer die Bedrohungen der Geheimnisse. Dadurch legt sich über das ganze Buch die leise Vorahnung, dass etwas passieren wird. Für mich ist gerade bei historischen Romanen die Grenze zum Kitsch sehr schnell überschritten. Doch diese Grenze hat die Autorin fabelhaft im Griff, zu keiner Zeit wirkt der Roman auf mich wie ein Klischee oder eine vorhersehbare Geschichte. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und die Geschichte wirkt rund. Die Spannung ist über die Seiten greifbar und verdichtet sich zum Ende hin. Eine kleine Perle der historischen Romanen, die ohne Klischees und unnötiges Liebesgedöns auskommt.
Dieses Buch gehört wahrscheinlich zu den vielen, die ich irgendwann einmal als Mängelexemplar im Angebot bei irgendeinem Supermarkt gefunden habe. Und dementsprechend waren meine Erwartungen an die Geschichte nicht unbedingt hoch. Ich wurde allerdings positiv überrascht. Nachdem auch schon ihre Freundin Mary Jane tot an der Themse aufgefunden und dieser Vorfall wie viele andere als Selbstmord abgetan wird, beschließt Annie, die Protagonistin des Buchs, die wie ihre Freundin als Prostituierte gearbeitet hat, ihrem Leben an derselben Brücke ein Ende zu bereiten. Sie wird allerdings von dem Maler Francis davon abgehalten, und dieser bietet ihr fortan ein Leben abseits der Straße. Es ist jedoch gar nicht alles so schön und sicher, wie es für Annie vorerst zu sein scheint. Die Erzählung beginnt vorsichtig, doch je weiter man in der Geschichte voranschreitet, desto mehr gelangen die düsteren Geheimnisse der Figuren ans Licht. Dies wirkt zwischenzeitlich etwas langatmig – es lohnt sich jedoch, bis zum Ende zu lesen, weil dieses meiner Meinung nach besonders spannend geschrieben ist. Außerdem beginnt jedes Kapitel mit einem Abschnitt aus der Perspektive von Mary Jane, durch den man langsam erfährt, wie ihr Leben verlief und wie sie letztendlich gestorben ist.

