
Den Himmel berühren
In der fernen Zukunft scheinen die Menschen im Paradies zu wohnen. Doch der Schein trügt, denn auf dem Boden lauert eine tödliche Gefahr. Darum haben ihre Vorfahren ihnen Flügel geschenkt, sodass sie wild und frei in den Bäumen und mit der Natur in Einklang leben können. Viel wissen sie nicht mehr, über ihre Herkunft und ihre Geschichte und so stellt sich der junge Owen eines Tages eine verhängnisvolle Frage: Was verbringt sich jenseits der Wolken, die den Himmel allezeit bedecken? Und so nimmt er sich vor, eines Tages die Sterne zu sehen… Wer das Buch „Eines Menschen Flügel“ in die Hand nimmt, der fühlt sich womöglich etwas erschlagen von der Menge an Text, die ihn erwartet. Das Buch ist mit immerhin über 1200 Seiten ein richtiger Epos und hätte genauso gut eine Trilogie werden können. Man muss den Sprung ins kalte Wasser und in diese sehr lange Geschichte also wagen und sich an den Schreibstil des Autors gewöhnen. Dann allerdings erwartet einen eine unfassbar lebendige, liebevoll erdachte Welt voller Details und Geschichten, und eine Reise, die stellenweise auch an andere große Abenteuerklassiker erinnert. Der Einstieg ist etwas holprig, es braucht einige Kapitel, um mit dem Stil des Buchs warmzuwerden. Zunächst kann es schwierig sein, Zugang zu der Welt zu finden, denn erst nach und nach wird erklärt, wie sie funktioniert. Dennoch wird es recht schnell spannend. Die Geschichte beginnt mit Owen, der neugierig die Welt erkunden will, der beweisen will, dass er der beste Flieger ist und es tatsächlich schafft, den Himmel zu berühren. Doch damit setzt er eine lange Kette von Ereignissen in Gang, die die Zukunft seines Volkes für immer verändert. Tatsächlich ist das Buch nämlich ein Science-Fiction-Roman. Bis aber überhaupt mal die Rede von Sternen, Planeten und Raumschiffen ist, vergeht das halbe Buch. Bis dahin ist es eher eine Art Fantasy auf einem fremden Planeten, die Geschichte von Menschen, die wissen, dass ihre Vorfahren die Sterne bereist haben, die selbst aber noch nie eine Maschine gesehen haben. Nach und nach kommt dann die Haupthandlung ins Rollen, immer mehr Charaktere und Ereignisse spielen zusammen. Ein Glossar und eine Figurenübersicht hätten an der Stelle wirklich sehr geholfen, denn es gibt wirklich sehr, sehr viele Charaktere und Orte, die man auseinanderhalten muss. Man muss also aufmerksam lesen und darf sich nicht ablenken lassen, auch wenn die Perspektive immer wieder zu einem neuen Protagonisten springt, von dem man vorher noch nie gehört hat. Das ist der Stil des Autors: Er erzählt die ganze Geschichte, mit jedem Blickwinkel. Auch wenn das heißt, dass er den Leser an spannenden Stellen immer wieder sehr stark auf die Folter spannt, weil er an eine andere Stelle der Welt springt und einen neuen Charakter das ganze noch mal aus seiner Sicht Revue passieren lässt. Es lohnt sich also auch immer mal wieder, ein wenig Geduld für dieses Buch einzuplanen und offen für alle möglichen Wendungen zu sein. Dann kann dieses Abenteuer zwischen Steinzeit und Sternenfahrern richtig Spaß machen und auch langfristig fesseln, mit sehr durchdachtem Worldbuilding, vielen Geheimnissen und auch immer wieder ein paar klugen Gedanken. An manchen Stellen darf man über das eine oder andere Geschlechterklischee die Augenbrauen heben, doch im Großen und Ganzen bewegt sich das im akzeptablen Rahmen, sodass man auch mit einem Augenverdrehen darüber hinwegsehen kann und stattdessen diese unheimlich vielfältige Reise genießen darf, die immer wieder überraschen, fesseln und auf jeden Fall unterhalten kann.




















































