Es empfiehlt sich zwischen den Zeilen zu lesen
Sicherlich kein leichtes Werk, auch wenn die Sprache in der Ausgabe, die ich gelesen habe, noch relativ modern wirkte. Es ist jedoch gerade deshalb kein einfaches Buch, weil man die einzelnen Geschichten sehr genau lesen muss. Sie vermitteln durchaus eine Botschaft, aber es empfiehlt sich, diese in den jeweiligen Erzählungen genauer zu betrachten und zu hinterfragen. Wie dem auch sei: Manche Autoren liegen einem mehr, andere weniger. Wenn ich die Petersburger Novellen von Nikolai Gogol mit den Kurzgeschichten von Anton Tschechow vergleiche, würde ich sagen, dass Gogol mich insgesamt mehr abgeholt hat. Tschechow verwendet meiner Meinung nach einen sehr dramaturgischen Schreibstil, der mich zwar in einigen Geschichten überzeugen konnte – etwa in „Kummer“, „Kaschtanka“, „In der Verbannung“ und „Die Bauern“ – dennoch muss man sagen, dass es bei insgesamt 22 Geschichten eine eher magere Ausbeute ist, wenn mich nur vier wirklich angesprochen haben. Daher fällt mein Resümee mit 3,5 Sternen eher verhalten aus. Unbestritten ist, dass die russische Literatur zu den bedeutendsten der Welt gehört. Meiner Meinung nach ist sie jedoch auch stark geschmacksabhängig – und mein Geschmack wurde diesmal leider nicht ganz getroffen.


