14. Apr.
Rating:5

Als Kind habe ich die Anime-Serie geliebt und unbeschreiblich mitgelebt und mitgelitten. Endlich hab ich jetzt das Buch dazu gelesen. Die Ausgabe enthält "Heidis Lehr- und Wanderjahre" und "Heidi kann brauchen, was es gelernt hat" und auch einige Bilder. Die Naturbeschreibungen sind wunderschön, die Sprache ist total niedlich und die Geschichten sind einfach bezaubernd und wurden in der Serie tatsächlich sehr gut umgesetzt. Natürlich ist alles ein bisschen zu idyllisch, aber solche Kinderbücher soll es bitte geben dürfen.

Heidi
Heidiby Johanna SpyriGS-Verlag Basel
8. Mai
Rating:3.5

Ein Stück Kindheit

Als ich nach vielen Jahren wieder zu Heidi griff, war es, als würde ich ein altes, längst verblasstes Bild neu entdecken – ein Buch voller klarer Bergluft, kindlicher Unschuld und zeitloser Naturverbundenheit. Die Erinnerungen an Almhütten, Almöhi und Ziegen schienen unverwüstlich – ein Stück Kindheit, das auch heute noch tief in mir wurzelt. Doch zu meiner Überraschung musste ich feststellen, dass die Romanversion deutlich mehr religiöse Bezüge enthält, als meine Erinnerung es zuließ. Gotteslob und Frömmigkeit durchziehen den Text so intensiv, dass es mein Leseerlebnis deutlich verschlechtert hat. Diese Passagen wirken oft moralisch überfrachtet und nehmen dem sonst so unbeschwerten Charme der Geschichte etwas die Leichtigkeit. Und dann war da noch ein weiteres kleines Manko: Der Hund, der in meiner Kindheitserinnerung so lebendig durch die Bergwiesen tobte, fehlte mir hier. Vielleicht ein Produkt der vielen Verfilmungen oder eine Erinnerung, die sich über die Jahre verselbständigt hat – aber ich habe seinen treuen, tapsigen Charakter schmerzlich vermisst. Abgesehen davon bleibt Heidi jedoch ein eindrucksvolles Zeugnis einer längst vergangenen Zeit – mit all ihren Idealen, Werten und Bildern. Die geschwollene, altertümliche Sprache mag heute manchmal sperrig erscheinen, doch gerade das verleiht dem Text auch eine gewisse Würde. Es ist ein Buch, das nicht nur Kinder verzaubert, sondern auch Erwachsene daran erinnert, wie wertvoll und prägend die einfachen Freuden des Lebens sein können. Ein zeitloser Klassiker – mit kleinen Makeln, aber großem Herz.

Heidi
Heidiby Johanna SpyriGS-Verlag Basel
15. Juli
Unsere Heidi
Rating:5

Unsere Heidi

Optisch nicht das gleiche Buch, aber es gibt ja soviele Auflagen von Heidi. Zufällig wollte es das Schicksal, dass ich genau beim lesen die Chance hatte das Heididorf in der Schweiz zu besuchen. Achtung Spoiler! Die Geschichte selbst ist hinreichend bekannt, ich kenne Heidi vor allem durch den Anime der 1977 bei uns das erste Mal im Fernsehen lief. Den Anime findet man in vielen Stellen im Buch, bei der Umsetzung hat man sich durchaus und teilweise fast 1:1 an dem Werk von Johanna Spyri orientiert. Es gibt aber auch Unterschiede, an vielen Stellen erzählt der Anime etwas mehr, Joseph und Piep gibt es im Buch nicht auch die Fahrt ins Grüne in Frankfurt oder den Weg gemeinsam mit der Großmutter in die Berge findet man im Buch nicht und Klara lernt das gehen hier verhältnismäßig schnell und ohne viel Aufsehens. Im Buch selbst steht der christliche Glaube oft sehr im Mittelpunkt und über den Besuch in der Kirche söhnt sich der Alp Öhi hier auch mit den Bewohnern vom Dörfli wieder aus, wir erfahren im Buch auch mehr über seine Vergangenheit. Peter versteht sich bis zuletzt nicht gut mit Klara und ist Eifersüchtig, zerstört auch den Rollstuhl, dieser Konflikt wurde im Anime deutlich geschwächt, Fräulein Rottenmaier erleben wir hier auch nicht auf der Alm, mit kommt nur die Großmutter. Interessant fand ich auch das Ende, anders als der Anime macht sich Johanna Spyri durchaus Gedanken was mit Heidi passiert wenn der Großvater einmal sterben sollte. So versichert Herr Sesemann, dass sie immer seine volle Unterstützung haben wird und der Doktor, der im Buch seine geliebte Tochter verloren hat, zieht gegen Ende ins Dörfli und richtet das verfallene Herrenhaus her, dass im Buch sowie im Anime dem Öhi und der Heidi als Winterquartier dient. Mit dem Öhi verbindet ihn bald eine tiefe Freundschaft und auch er will sich um Heidi kümmern, sollte der Großvater einmal nicht mehr sein. Dante Dete wird in diesem Zusammenhang nochmal erwähnt, man möchte ihr Heidi eher nicht überlassen, das sie wohl nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht ist. Ich persönlich mochte das Buch, es ist eine schöne Erzählung, hier und da hätte es ruhig noch ausführlicher sein dürfen, Klara bleibt für mich charakterlich auch etwas flach aber alles in allem sollte man Heidi wenigstens einmal gelesen haben. :-)

Heidi
Heidiby Johanna SpyriGS-Verlag Basel