Dieses Buch las ich nur wegen Christian Kracht. Und dessen Jagd in einem seiner Bücher nach eben diesem Titel. Immer wieder fand sich die Erzählperson auf der Suche nach diesem Werk und musste sogar hören, dieses Buch sei nicht existent. Natürlich wurde dadurch meine Neugierde geweckt. Gibt es dieses Buch wirklich? Gibt es die Möglichkeit, dass sogar ich es lesen könnte? Ein paar Klicks später war das Buch bestellt. Alles nur wegen Christian Kracht. Der Text ist sehr interessant und regte mich zum Nachdenken an. Auch wenn sich der Autor sehr auf die Stellung des Schattens in der japanischen Gesellschaft bezieht, so geht es doch grundsätzlich darum, die kleinen Dinge wahrzunehmen. Was wäre zum Beispiel passiert, wenn eine japanische Person den Kugelschreiber erfunden hätte? Wie das Thema selbst lauert in diesem Werk der Schatten. Aber es ist ein angenehmer, eben jener, der hier angepriesen wird. So lernte ich nicht nur das Alltägliche und Praktische besser zu schätzen, sondern mir offenbarte sich auch ein bisher unbekannter Aspekt des japanischen Denkens. Die Abschnitte über die Frauen sind unterdessen hoffentlich veraltet (der Text erschien in den 30er-Jahren), leider fühlte es sich aber nicht so an, wenn ich mir die aktuelle Lage anschaue. Diese Zeilen waren die einzigen, die mir den Lesegenuss ein wenig versiegten. Die Ausgabe von Manesse ist, wie vom Verlag gewöhnt, hochwertig produziert, und ich überlege mir, noch weitere Essays des Autoren aus dieser Reihe zu lesen. Einerseits bieten sie viele neue Ansichten und Denkanstösse, andererseits sind die Büchlein ein schön anzusehender Schatz im Bücherregal.
21. Dez.Dec 21, 2024
Lob des Schattensby Jun'ichiro TanizakiManesse

