22. Sept.
Rating:4

Das nächste Mal sollte "Die Hoffnung aller ehrlichen Männer" diesen Ort anderthalb Jahre später aufsuchen, allerdings ganz und gar inoffiziell und über Gebirgspfade, als er nach seiner Niederlage auf einem lahmen Maultier floh und von Nostromo nur knapp vor einem schmählichen Tod durch die Hände des Mobs bewahrt wurde. Es war ein Ereignis ganz anderer Art, über das Kapitän Mitchell hinterher sagte: "Es war historisch - historisch, Sir! Und mein guter Mann, Nostromo, mittendrin, wissen Sie? Hat wirklich Geschichte geschrieben, Sir." - Zitat, Seite 125 Zum 100. Todestag des Schriftstellers Joseph Conrad gönnt der Manesse Verlag der Leserschaft eine Neuübersetzung des 1904 erstmals erschienenen "Meisterwerk der Moderne" mit Nachwort von Robert Menasse. Das Buch selbst erscheint solide und liegt im klassischen Hardcover mit Lesebändchen vor. Leider wurde die "Vorbemerkung des Autors" hier im Nachgang des Romans abgedruckt, weil es sich laut Nachwort um eine "langatmige Selbsterklärung" handele, "die von der Lektüre des Romans eher abschrecke". Dies kann persönlich überhaupt nicht nachvollzogen werden. Denn zu jeder guten Geschichte gehört doch der passende Gründungsmythos, der Funke, der im Autorenhirn die Synapsen zum Tanzen brachte, um die Feder übers Papier führen zu können. Außerdem erfahren wir, dass Conrad sich bei der Gestaltung einer der wichtigen Frauenfiguren von seiner ersten großen Liebe inspirieren ließ - also schon zwei Gründe, das Vorwort unbedingt vor der Lektüre zu entdecken! Und um was geht es bei Nostromo? Die Geschichte führt uns auf den südamerikanischen Kontinent, der vom Kolonialismus geprägt ist und verschiedene Arten von Menschen anzieht: Abenteurer, Schatzsucher, Auswanderer, Vertriebene, Seeleute, Handelsvertreter, Glücksspieler, Verbrecher und Politiker. In dem Spiel um Macht, Einfluss und Geld, hat ein Mann in dem gefährlichen Ränkespiel mit Raub und Revolte eine zentrale Position inne, der titelgebende Nostromo ("Nostro Uomo", unser Mann). Wie das Eingangszitat zeigt, wird diese schicksalhafte Figur zum Mythos in der Geschichte. Zunächst von Dritten beschrieben, rücken wir dem zweifelhaften Helden gegen Ende immer enger näher an die Pelle und stellen uns die drängende Frage: ist dies nicht eine klassische Tragödie? Joseph Conrad hat ein Talent, dramatische Szenen zu inszenieren. Auch die langen Monologe mit komplexen Inhalten erinnern an die großen Theaterstücke und es ist unübersehbar, dass Conrad sich von Shakespeare inspirieren ließ. Auch die Interaktionen der Figuren, die Dialoge sind auf den Punkt genau gesetzt. Zudem macht er keinen Hehl, ob seiner oft radikalen Ansichten und seiner Kritik an Gesellschaft und Politik, die er in sein Werk einfließen lässt. Gerade weil es sich bei dem Roman um Fiktion handelt, bietet diese vielfältige Möglichkeiten der Darstellung, aber auch der Interpretation durch den Leser. Gleichzeitig macht es diese komplexe Struktur gerade anfangs schwer, in den Lesefluss zu kommen. Der Autor nimmt sich viel Zeit, die Romanwelt mit Land und Leuten vorzustellen. Hier ist Geduld gefragt. Ab dem Geschehnis mit dem Silberraub nimmt die Handlung Fahrt auf und auch das Notizbuch füllt sich mit philosophischen Zitaten. FAZIT Als Einstieg in das Werk von Joseph Conrad eher weniger geeignet. Hier bietet sich das auch komplexe, aber kürzere "Herz der Finsternis" an. Lob und Dank an die Übersetzer Julian Haefs und Gisbert Haefs, welche die Worte und oft komplizierten Satzstrukturen von Joseph Conrad einfühlsam und mit Respekt vor Autor und Werk wiedergeben. Ein Leseschatz für Conrad Fans!

Nostromo
Nostromoby Joseph ConradManesse
17. Aug.
Rating:4

Eine sehr schöne Ausgabe - aber nicht mein Lieblingswerk Conrads

Ich habe bis anhin jedes Werk Conrads aufs Äusserste genossen. Dieses jedoch nicht. Der Einstieg in die Geschichte ist sehr zäh. Das liegt einerseits an den vielen Ortswechseln und den zahlreichen südamerikanischen Ausdrücken und vermeintlich bekannten Namen. Zwar sind einige Davon über Fussnoten am Ende des Buches erklärt, es sind aber zu wenige und das Nachschauen stört den Lesefluss. Andererseits ist die Geschichte auch etwas wirr erzählt, mit vielen Rückblenden und teilweise sehr umständlichen Satzbildungen. Vieles ist in der indirekten Rede erzählt, weniges über Dialoge, was den Fluss auch nicht gerade fördert. Nach etwa 150 Seiten bessert sich das und die Geschichte beginnt einer mehr oder weniger stringenten Handlung zu folgen. Brauchte verhältnismässig lange um das Buch zu lesen, und musste mich manchmal zwingen weiterzulesen. Aber nicht falsch verstehen; es ist ein beeindruckendes Werk über einen fiktiven südamerikanischen Staat namens Costaguana und den allseits beliebten Nostromo, der den reichen Herren des Landes treu dient, um dann selbst in den Bann des Silbers aus der örtlichen Mine zu gelangen. Es kann als beispielhafte Geschichte angesehen werden, die aufzeigt wie es wohl vielen Staaten dieser Region erging, die die Last der Kolonialisierung abwerfen und die Verantwortung einen neuen Staat aufzubauen meistern wollten. Die Genialität des Autors und sein Verständnis für gesellschaftliche Thematiken seiner Zeit sind beeindruckend. Ich glaube aber, dass er hier etwas zu viel wollte. Wäre das Werk 200 Seiten kürzer, wäre es meiner Meinung nach besser. Wer aber Conrad mag und eine Herausforderung sucht ist hier richtig.

Nostromo
Nostromoby Joseph ConradManesse
15. Jan.
Rating:3

I really don't know how to rate this book because it took me so long to like it but then I really liked it. But how do I judge a book that(for 2 month) made me fall asleep after 30 pages everytime I picked it up until I came to the last 150 (approx) pages which I read in less than 3 days? I really liked the last part and especially the ending, but the story as a whole was a bit too boring and long and varied.

Nostromo
Nostromoby Joseph ConradManesse