16. Mai
Ein Kampf, den ich gern mehr geliebt hätte 🥀 Literarisch spannend.
Rating:2.5

Ein Kampf, den ich gern mehr geliebt hätte 🥀 Literarisch spannend.

Ich wollte dieses Buch wirklich mögen. Eigentlich bringt Hunger alles mit, was ich liebe. Ein kaputter Protagonist, psychischer Zerfall, verschwimmende Grenzen zwischen Realität und Wahn und dieses Gefühl, nie genau zu wissen, was gerade wirklich passiert und was nur in seinem Kopf entsteht. Und trotzdem hat mich dieses Buch teilweise komplett verloren. Schon relativ früh hatte ich das Gefühl, dass Realität, Fantasie und Gedankengänge permanent ineinanderlaufen. Der namenlose Protagonist zieht hungrig und völlig rastlos durch Kristiania, schreibt, lügt, steigert sich in Dinge hinein und schwankt die ganze Zeit zwischen Größenwahn, Scham und Verzweiflung. Genau solche Figuren mag ich normalerweise sehr gerne. Aber hier war es mir irgendwann einfach zu viel. Der Schreibstil war dabei eigentlich wirklich gut. Sehr trocken, nüchtern und distanziert. Man braucht gerade am Anfang einen Moment, um reinzukommen, vor allem in dieser älteren Sprache. Aber trotzdem merkt man total, warum dieses Buch so bedeutend geworden ist. Manche Szenen von Hunger, Scham und menschlicher Demütigung waren wirklich heftig und dafür, wann dieses Buch erschienen ist, auch ziemlich krass geschrieben. Gleichzeitig war genau dieser distanzierte Stil aber auch mein größtes Problem. Ich konnte den Protagonisten beobachten, aber nie wirklich fühlen. Und irgendwann war es mir ehrlich gesagt fast egal, was mit ihm passiert. Das klingt hart, aber genau dadurch wurde das Buch für mich irgendwann eher anstrengend als emotional intensiv. Die letzten hundert Seiten waren deshalb teilweise wirklich ein Kampf. Nicht mal unbedingt, weil das Buch schlecht ist, sondern weil mich dieses fiebrige, wirre und rastlose Erzählen irgendwann einfach nur noch erschöpft hat. Ich habe ganz oft gedacht: Hoffentlich ist es bald vorbei. Am meisten überrascht hat mich tatsächlich das Nachwort von Daniel Kehlmann. Das mochte ich fast am liebsten am ganzen Buch. Viele Gedanken, die ich während des Lesens hatte, wurden dort nochmal aufgegriffen und irgendwie verständlicher gemacht. Am Ende bleibt für mich ein literarisch wichtiges Buch mit wirklich starken Momenten, das mich persönlich aber leider nie ganz erreicht hat.

Hunger
Hungerby Knut HamsunManesse
24. Dez.
Rating:2

Habe diesen Klassiker gelesen, weil ich ihn in meinem Bücherregal gefunden habe und Hamsun eine Chance geben wollte. Es hat mir nicht gefallen. Mir sind die Menschen aus dieser Epoche, ihre Motivationen und Handlungen oft zu fremd, um mich gut in sie einzufühlen. Hamsuns Stil war literaturwissenschaftlich betrachtet sicherlich bahnbrechend (zumindest habe ich das so gelesen), aber aus heutiger Sicht ist das natürlich auch nichts besonderes... und da mich das Buch auch inhaltlich nicht besonders abgeholt hat, verbuche ich das hier mal unter dem Stichwort 'Versuch und Irrtum'.

Hunger
Hungerby Knut HamsunManesse
9. Aug.
Das Gegenteil einer leichten Lektüre…
Rating:2

Das Gegenteil einer leichten Lektüre…

Ich hab mich selten so gefreut, dass ich ein Buch abgeschlossen habe… Keine Kapitel, keine Dialogzeichen und teils umständlich zu lesen. Inhaltlich hat mir das Buch gefallen, also die Thematik, dass jemand quasi ums Überleben kämpft und eine schlechte Entscheidung nach der anderen trifft find ich großartig! Leider konnte mich das Buch trotzdem nicht überzeugen und deswegen leider nur 2 Sterne. Hätte nur einen Stern gegeben, aber ich denke bei älteren Büchern muss man ein bisschen das ursprüngliche Erscheinungsdatum berücksichtigen, in diesem Fall 1890 herum. Dass so ein Roman nicht mehr zur Gänze in unser modernes Gedankengut passt (vorallem hinsichtlich Darstellung und Beschreibung bestimmter Personen und Situationen) ist klar und wollte ich daher berücksichtigen.

Hunger
Hungerby Knut HamsunManesse
22. März
Hungrig in Oslo
Rating:4

Hungrig in Oslo

Hamsun Roman wirkt tatsächlich immer noch modern. Zum Teil sicher wegen der Neuübersetzung von Ulrich Sonnenberg, aber Form und Stoff sind auch einfach modern. Ich kann nachvollziehen, wie radikal das Buch bei seinem Erscheinen 1890 gewesen sein muss, so ohne viel äußere Handlung, ohne Richtung, ohne Moral und wild in der Erzählzeit herumspringend, und ich kann den Einfluss auf die Literatur sehen. Besonders angenehm zu lesen fand ich es aber nicht, obwohl es cool war, viele Stellen in Oslo zu erkennen. Aber man möchte die Hauptfigur schütteln, wenn man nicht fürchten müsste, ihr in ihrem hungergeschwächten Zustand dadurch den Rest zu geben. Denn eigentlich herrscht keine Hungersnot in Oslo, als Leser sieht man Möglichkeiten, wie der Protagonist zu Brot und Hilfe kommen könnte. Aber er ist stolz, auch im Wahnsinn meistens eher wollte er verhungern, als seine Prinzipien zu verraten. Würdig ist das, und große Kunst, aber keine leichte Kost.

Hunger
Hungerby Knut HamsunManesse
16. März
Rating:3.5

Schockierend und erbarmungslos beschreibt Knut Hamsun die Tücken der „brotlosen Kunst“

„Hunger“ von Knut Hamsun erzählt den Werdegang eines jungen Schriftstellers in Kristiana (heute Oslo). In der Ich-Perspektive begleiten wir den Namenlosen durch Hungersnöte, Kälte und kurzweilige Erfolgserlebnisse. Doch seine Lage verschlimmert sich immer mehr und durch die Hungersnot verliert der Schriftsteller sich immer mehr in Wahnvorstellungen. Literaturnobelpreisträger Hamsun schrieb das Buch in eigener Erinnerung seiner Zeit in Kristiana, wo er selbst arbeitslos war und Hunger litt. Mit seiner radikalen Art zu schreiben erweckte Hamsun schnell Interesse und inspirierte andere Schriftsteller, wie Hemingway, Mann oder Kafka, mit seinem Stil. Knut Hamsuns Ruhm wird beschattet durch sein aktives Mitwirken im Nationalsozialismus. Dies wirft eine klassische Frage auf, die ich mir oft nicht zufriedenstellend beantworten kann: Kann man Kunst und Künstler getrennt von einander betrachten?

Hunger
Hungerby Knut HamsunManesse
15. Mai
Rating:0.5

Problematischer Autor und ein Buch ohne Triggerwarnung…

Anfangs bin ich ganz ok in das Buch reingekommen, mit der Zeit dann aber ganz gut und selbst die langen Kapitel bzw. Abschnitte haben mir nichts mehr ausgemacht (obwohl ich lange Kapitel eigentlich hasse). Die Erzählungen über das Gefühl und Thema Hunger haben mich so in den Bann gezogen und ich konnte selbst vieles nachempfinden (Thema Essstörung) und habe mich in einigen Zitaten selbst wiedergefunden. Allerdings kamen mir ein paar Dinge bereits am Anfang komisch vor und mit der Zeit bekam alles einen komischen Beigeschmack: Spoiler ❗️❗️❗️ Bei dem anfänglichen Belästigen bleibt es nicht und es kommt zur Szene einer Fast-Vergewaltigung, die ich einfach nur abartig fand zu lesen. Keine TW hat mich am Anfang oder sonst wo darauf vorbereitet. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass sobald eine Frau erscheint, sexuelle Bezüge zu ihnen beschrieben werden. „Sein Gehirn war ganz *ausgebeult*; sein Körper war voller *Lust*; platzend vor *Begierde*; *Erregung* in der Brust - und so weiter. Hat mir nicht gefallen. Natürlich stellt sich die Große Frage: passiert das tatsächlich alles wirklich oder ist er nur verrückt und es geschieht in seinem Kopf? Im Endeffekt ist mir die Frage jedoch egal, da sie weder die schlechte Geschichte noch den problematischen Autoren rechtfertigt.

Hunger
Hungerby Knut HamsunManesse
1. Dez.
Rating:5

Schwer verdaulich, aber trotzdem lecker „Dichter sind Vagabundenseelen, verwandt mit Leierkastenmännern, wurzellose Landstreicher ohne Pass.“ (Knut Hamsun) Ähnlich „wurzellos“ gibt sich der namenlose Ich-Erzähler in Knut Hamsuns Erfolgsroman „Hunger“; erstmals veröffentlicht 1890. Die Neuausgabe des Manesse Verlags in der Übersetzung von Ulrich Sonnenberg und einem Nachwort von Felicitas Hoppe folgt der Erstausgabe. Spätere Ausgaben wurden vom Autor gekürzt; warum kann der kurzen editorischen Notiz entnommen werden. Meine Bewertung bezieht sich lediglich auf den vorliegenden Text und nicht auf die Person Knut Hamsun und seine spätere äußerst fragwürdige politische Gesinnung. Der Ich-Erzähler ist ein abgehalfterter und erfolgloser Journalist bzw. Autor, der in Kristiania (heute Oslo) „[…] umherging, dieser sonderbaren Stadt, die niemand verlässt, bevor er von ihr gezeichnet worden ist.“ (S. 5) Was es mit dieser kryptischen Andeutung auf sich hat, offenbart sich am (offenen) Ende der in vier Stücke angelegten Erzählung. Ich kann nicht behaupten, dass ich direkt mit der Erzählung klargekommen bin – zu sperrig erwies sich der Stoff, der sich durch inkonsequente Zeitform konsequent den Themen Hunger/ Durst und den dadurch hervorgerufenen „Nebenwirkungen“ befasst, zumal mir das Thema aus persönlichen Gründen sehr nahegeht. Aber irgendwann habe ich angefangen zu begreifen, mit welcher Präzision Hamsun hier zu Werke geht und vieles, was der Hunger beim Erzähler auslöst, kann ich in (abgeschwächter) Form bestätigen. Auch ist der Erzähler als Charakter nicht sonderlich sympathisch gezeichnet. Er ist auf der einen Seite eine sprichwörtlich gesehen arme Sau, auf der anderen Seite tut er wenig bis nichts, um seine Situation zu verbessern – im Gegenteil: durch kuriose und dem normalsterblichen Leser nicht nachvollziehbare Handlungen bringt er sich immer wieder in fast ausweglose Situationen und an mancher Stelle der Erzählung hat man Angst, dass jeden Moment der Geist des Erzählers die Geschichte zu Ende bringt *g*. Man sollte diesem Buch die nötige Zeit geben, sich zu entfalten und Wirkung zu zeigen. Auf keinen Fall darf die Erzählung zu schnell gelesen werden, da den geneigten Leserinnen und Lesern dann Details entgehen könnten, die im weiteren Verlauf noch einmal aufgegriffen werden. Darum habe ich auch 1 ½ Lesungen hinter mir (Stücke 3 und 4 habe ich doppelt gelesen) *g*. Und es wird wohl nicht dabeibleiben; dafür hat mich die Erzählung zu tief berührt. Einige Szenen sind so grotesk, dass ich der Aussage von Astrid Lindgren, dass „Hunger“ ein „[…] hinreißend lustiges Buch über den Hunger…“ (S. 233) ist, zwar nicht uneingeschränkt zustimmen würde, aber trotz aller Ernsthaftigkeit, die das Thema mit sich bringt, gibt es genug Stellen, über die man lachen oder zumindest breit grinsen kann. Von mir bekommt die Erzählung 5* und eine klare Leseempfehlung für Fans von Bewusstseinsströmen á la Virginia Woolf etc.! ©kingofmusic

Hunger
Hungerby Knut HamsunManesse
2. Juni
Rating:5

A unique masterpiece of scandinavian fiction! A poor writer walks aimlessly around Kristiana (Oslo) while searching for food and meaning. Hamsun wrote something revolutionary... never have there been main characters of whom you didn't know their back stories, their motivation. You don't even know his real name. He seems untouchable, but still close. It is frightening because it deals with one of human's basic instinct: the search for food. You feel his despair, his anxiety. You understand why he is always one the brink of going crazy.

Hunger
Hungerby Knut HamsunManesse