24. Aug.
Rating:5

Sehr stimmungsvoll und informativ

Vieux-Chauvet ist hier ein sehr feinfühliger und informativer Roman gelungen. Die junge Marie-Ange kommt aus der Stadt auf das ländliche Gebirge Haitis, da ihre Mutter im Ausland arbeiten geht. Zunächst soll sie nur vorübergehend bei ihrer "Ahne" bleiben, um ihrer Mutter später zu folgen. Dabei gerät sie in eine ihr unbekannte Welt aus Armut, Brutalität und Vodou. Mit der Zeit ändert sich ihre anfängliche Verachtung und ihr Unverständnis gegenüber der armen Landbevölkerung in Interesse und Verständnis, und will ihnen helfen. Eine sehr vielschichtige Erzählung, die ein äusserst differenziertes Bild der Geschehnisse in den ländlichen Regionen Haitis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zeichnet. Dabei ist kaum jemand nur in der Opfer- oder Täterrolle - alle AkteurInnen, inklusive des Hauptcharakters, sind widersprüchlich in ihrem Handeln. Nebenbei lernt man - auch durch Anmerkungen - einiges über Vodou und Haiti im 20. Jahrhundert. Das Nachwort zeigt die Bedeutung und den historischen Kontext der Erzählung auf. Ein schönes Buch, das mir eine mir kaum bekannte Kultur etwas näherbringen konnte.

Wiedersehen in Fonds-des-Nègres
Wiedersehen in Fonds-des-Nègresby Marie Vieux-ChauvetManesse