20. Dez.
Rating:4

Yosano Akiko (1878-1942) war eine beeindruckende Frau, Lyrikerin und Aktivistin. Als Mutter von 11 Kindern und teilweise Haupternäherin der Grossfamilie, verfasste sie unzählige Gedichte - teilweise noch im Wochenbett - und engagierte sich für soziale und politische Themen, um Frauen politische Mitsprache und mehr Achtung zu erkämpfen. Das Buch ist hervorragend übersetzt und liest sich sehr flüssig. Die Auszüge aus Essays zu vier Themen (Persönliches, Soziales, Politisches, Gesundheitliches) beleuchten Yosano und ihr Denken aus verschiedenen Winkeln und ermöglichen so einen umfassenden Eindruck von der Autorin und ihrem Denken. Die Auseinandersetzung mit Yosano wird durch das ausführliche Nachwort weiter vertieft. Zu 5 Sternen hat es nicht gereicht, weil mir der persönliche Teil zu wenig in die Tiefe ging und ich die Gedanken Yosanos zur Erziehung gerne ausgeführt gesehen hätte. Nichtsdestotrotz ist dieses Buch sehr empfehlenswert. Mehr zum Buch: https://youtu.be/N3Z0jbJdfGY

Männer und Frauen
Männer und Frauenby Yosano AkikoManesse
23. Sept.
Rating:5

Yosano Akiko (1878-1942), geboren als Hō Shō, war eine ungewöhnliche Frau. Sie brachte insgesamt 13 Kinder auf die Welt, von denen 2 noch als Säugling verstarben. Gleichzeitig setzte sie sich für die Gleichberechtigung der Frau ein und äußerte sich immer wieder politisch. Mit „Männer und Frauen“ gibt Manesse ihre Essays, Zeitungsartikel und Lieder zum ersten Mal auf Deutsch heraus. Die Dichterin wurde zu einer Zeit geboren, als in Japan Bildung vornehmlich Jungen vorbehalten war. Während die Brüder also auf erstklassige Schulen geschickt wurden, las sich Yosano Akiko aus eigenen Antrieb durch die Bibliothek des Vaters. Mit 22 Jahren verließ sie die Familie, um ihrem zu dem Zeitpunkt noch verheirateten Geliebten zu folgen, dem Dichter Yosano Tekkan – damals ein unfassbarer Skandal. Mit ihm hatte sie 11 Kinder, reiste aber auch nach Europa und veröffentlichte ihre Tanka-Gedichte, später auch Essays. In „Männer und Frauen“ stellt Eduard Klopfenstein diese späteren Texte nach Themengebieten zusammen. Den Anfang macht Persönliches über ihr Schreiben, aber auch die schmerzhafte Zeit im Wochenbett, die sie die „schwache Konstitution der Frau“ vehement in Frage stellen lässt. Weiter geht es mit überraschend feministischen Essays zur Gleichstellung der Frau. Die Dichterin fordert vor allem Bildung für die „neuen Frauen“, wie sie sie nennt. Denn ihrer Meinung nach sind Männer keinesfalls fähiger, sie haben nur die besseren Voraussetzungen. Darüber hinaus betont sie zwar auch die Bedeutung der Familie, das sollte im Hinblick auf die Zeit und vielleicht auch den Kulturkreis nicht verwundern. Im nächsten Kapitel sind politische Texte zusammengefasst, in denen Yosano Akiko die Regierung stark kritisiert und sich für eine Politik mit und für Frauen einsetzt. Sie lehnt arrangierte Ehen ab und befürwortet das gemeinsame Unterrichten von Jungen und Mädchen. Ergänzt wird die Sammlung durch zwei Texte über den Ausbruch der Spanischen Grippe, deren Lektüre so manchem Impfgegner nicht schaden würde. Fazit: Zu Unrecht geriet diese bemerkenswerte Frau in Vergessenheit, was sich hoffentlich mit dem vorliegenden Buch endlich ändert.

Männer und Frauen
Männer und Frauenby Yosano AkikoManesse