
Beklemmend, verstörend…real
Mit „Nein“ trifft Winnie M Li mitten ins Herz. Auf die verstörendste Art und Weise. Weil sie über ein entsetzliches Verbrechen schreibt. Aus Sicht des Opfers – und des Täters. Nicht etwa, weil sie im Kopf plötzlich die Idee für einen Thriller hatte. Nein! Sondern weil dieses Verbrechen an ihr begangen wurde. Winnie M Li beschönigt in dem Buch nichts. Als Leserin soll und muss man genau fühlen, was in ihr vorging, als sie auf einer Wanderung von einem Wildfremden v*** wurde (ich weiß nicht, ob Reado es zulässt, das Wort auszuschreiben). Und das tut man als Leser. Die Gefühle von Angst, Wut, Trauer, Ekel … sind allgegenwärtig. Genauso wie die über allem schwirrende Frage: Wie gehe ich damit um, auch gegenüber Freunden? Was erzähle ich? Wie viel können sie aushalten (welch Ironie eigentlich)? Das Buch ist so real geschrieben, weil es das auch ist. Und mein Herz brach mehr als einmal für die Autorin alias die Betroffene. Vor allem die Verhandlung und die Fragen des Verteidigers vom Täter haben mich einfach fassungslos gemacht. Es war beklemmend, beängstigend und das soll – muss – es auch sein. Denn es wäre nicht richtig und wahrscheinlich für ein Opfer auch nicht möglich, ein so schlimmes Erlebnis vereinfacht darzustellen. Aber: Winnie M Li, was für eine starke Frau du doch bist. Den Mut zu haben all das Schreckliche so schonungslos, ehrlich und verletzlich aufzuschreiben…das ist bemerkenswert. Noch dazu, sich in den Täter hineinzuversetzen und zu versuchen, ihn auf gewisse Weise zu verstehen… Der Mut der Autorin, die unglaublich authentische Darstellung, die wirklich nichts für schwache Gemüter ist, der sehr gute Schreibstil und dass es leider Realität für so viele Menschen ist, machen das Buch für mich zu einem Must Read. Auch wenn es alles andere als leicht (soll und darf es auch nicht sein) und grausamer als so mancher Psychothriller ist, den ich gelesen habe.
















