Muss man sacken lassen
Kurz nach der Wende. Madeleine lebt mit ihrer Mutter und der jüngeren Schwester Ronja auf einem baufälligen Hof ohne ein richtiges Bad oder Heizung. Die älteren Geschwister sind, genauso wie der Vater, bereits ausgezogen. Ersetzt wurden sie durch eine Vielzahl von Tieren (Hunde, Katzen, Wildschweine…), die sich nicht nur im Garten, sondern auch im Haus breit machen. Und während sich die Mutter ihren Traum vom antikapitalistischen Traum erfüllt, merkt diese gar nicht, wie ihre Familie auseinander zu brechen droht. »Tiere, vor denen man Angst haben muss« von Alina Herbing ist wirklich kein Kuschelbuch. Die ganze Zeit hatte ich beim Lesen ein so bedrückendes und unheilvolles Gefühl. Ständig habe ich auf den großen Knall gewartet, der natürlich auch kam. Aber mit DIESEM Ausgang habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Ich war so verwirrt und ungläubig, dass ich das Ende gleich zweimal lesen musste. Und mehr als einmal habe mir nur gedacht: »Warum zur Hölle macht die Mutter das alles?!« Ich hatte echt den Eindruck, dass sie ihre Tiere mehr liebt, als ihre eigenen Kinder, deren Sorgen und Bedürfnissen sie immer wieder regelrecht ignoriert und sogar nach dem Motto »Stell dich nicht so an« herunterspielt. Madeleine und Ronja gehen unterschiedlich mit ihrer Familien- und Wohnsituation um. Während Madeleine schon eher Widerworte gibt und ihren Unmut zum Ausdruck bringt, ist Ronja die liebe kleine Tochter, die so ziemlich zu allem Ja sagt. Also ich hätte auch Angst, wenn ich jeden Morgen aus dem eisig kalten Bett muss und dann mir erstmal meinen Weg durch eine Herde wilder Tiere freimachen muss, nur um zum Plumpsklo in den Garten zu kommen.






































