Musste leider feststellen: Fabeln sind nicht so ganz meins. Wie Kurzgeschichten. Sehr schade, denn sprachlich und bildlich ist dieser Text sicherlich eine Wucht. Nur eben nicht so sehr meins.
Für mich ein sprachlich extrem intensives Buch. Ich brauchte wirklich eine Weile bis ich in der Geschichte war, aber als ich drin war, hat sie mich nicht losgelassen. Wenn man dieses Buch zur Hand nimmt, muss man sich einlassen. Einlassen auf einen intensiven Schreibstil. Man sollte vermutlich annehmen, dass man nicht jeden Moment verstehen wird und nicht jeder Handlung exakt folgen kann. Es gibt hier immer wieder Traumsequenzen und manchmal nehmen Tiere menschliche Züge an oder Menschen werden leicht animalisch. Ich wurde trotzdem in diese Sprachgewalt hineingesogen. Ich habe mit diesem Buch meine Komfortzone verlassen und hatte die Vorstellung, dass Kafka vermutlich ähnlich geschrieben hat. Ich habe zwar noch kein Buch von ihm gelesen, aber so ähnlich stelle ich mir seinen Schreibstil vor. Es ist gut, dass ich „Die Verwandlung“ hier habe. Mit Sicherheit werde ich Kafka nun ziemlich bald entdecken. Zumindest hat mir Moster irgendwie Lust darauf gemacht. Generell mochte ich die Art, wie der Autor das Bergdorf beschrieben hat. Dieser Fremde, der wahrlich jeden Stein umdreht und somit die Welt, die Veränderung in das Dorf und die Menschen bringt, die in so dermaßen festen Strukturen leben, dass es unweigerlich zur Implosion derselbigen kommen muss. Die Beschreibung der Mädchengruppe, die sich Halt gibt, versucht, sich von ihren gewalttätigen Vätern zu befreien, hat mich ebenso wahnsinnig berührt. Die Ordnung im Dorf, in dem die Männer herrschen reißt ein und macht etwas hellem Platz. Ich kann es nicht genau greifen, aber für mich fühlte sich das Buch an wie ein Aufbruch aus der Dunkelheit. Ein Buch, was man mit Sicherheit nicht nur einmal lesen kann bzw. sollte. Es bietet sich an, hier die Lektüre mehrmals zu entdecken und ich bin mir sicher, dass der Genuss mit jedem Lesen größer wird . Für mich persönlich ist dieses Buch eine wundervolle literarische Entdeckung und Erfahrung gewesen. Ich bin froh, es gelesen zu haben.

Wortgewaltig.
📌 "Ein Tag, tausend Tage. Sie fließen ineinander wie dunkles, flüssiges Brot, verkleben zu einer zähen Masse, aus der nichts herausragt, keine Erinnerung, nichts, wonach man greifen könnte, ein dunkler, zäher Strom, in den ich vor langer Zeit gefallen bin und nicht mehr herauskomme." (S. 37) Ein abgelegenes Dorf. Die wenigen Menschen abhängig von der Arbeit im Kalksteinbruch. Männer, die schuften, Frauen, die die Männer umsorgen. Durchgetaktete Strukturen, feste Rollenverteilungen. Mittendrin 5 junge Mädchen und ein Fremder. Argwöhnisch und neugierig wird er beäugt. Gehofft, dass er die Freiheit bringt. Dieses schmale Buch ist so wortgewaltig, dass man sich ihm vollends zuwenden muss, um Zugang zu finden. Gelingt einem dies, ist es großartig.


