15. März
Rating:5

Ein sehr authentisches Buch über das Leben mit ADHS. Die Autorin schafft eine sehr schöne Atmosphäre, bei der der Leser in das Leben von Wally eintauchen darf. Mal von außen betrachtet und mal mit ihren inneren Konflikten. Ein Buch das gerade am Ende sehr aufklärend wirkt, sich selbst einmal Gedanken zu machen, wie es früher war und wie es heute ist. Ein Buch mit einem interessanten Schreibstil, der es besonders macht. Ein Lesevergnügen, welches mich dauerhaft gefesselt hat und zwischen Ernst und Humor auf eine gute Art und Weise wechselt!

Ich erzähle von meinen Beinen
Ich erzähle von meinen Beinenby Cornelia TravnicekPicus Verlag
10. März
Rating:4.5

Wild und verworren und weiblich und intensiv und gut und irgendwie alles zugleich.

Seit Langem hat mich kein Buch so erschöpft wie dieses. Aber das lag nicht etwa an der Sprache oder der Länge des Romans. Vielmehr ist die Erschöpfung der Ich-Erzählerin so spürbar, dass ich mich beim Lesen selbst manchmal miterschöpft fühlte. Ich war meinem Kopf zwischendurch richtig dankbar für all das, was er nicht denkt. Wallie hat da weniger Glück, ihre Gedanken wollen einfach nicht stillstehen. Immerzu ist irgendetwas zu räumen, zu suchen, zu putzen, eben zu erledigen und schon die Gedanken daran sind für Wallie erschöpfend. Nichts will ihr einfach mal so von der Hand gehen. Und mancher spontane Gedanke erweist sich im Nachhinein als besonders wenig hilfreich, z.B. die der Tochter verschriebenen ADHS-Medikamente selbst zu nehmen anstatt sie der Tochter zu geben. Die Geschichte, die sich hier entspinnt, ist wild und verworren und weiblich und intensiv und gut und irgendwie alles zugleich. Auch die Form hat mir sehr gut gefallen. Trotz der Ernsthaftigkeit des Themas schwingt immer wieder ein augenzwinkernder Ton mit. Die Ich-Erzählerin streut zudem kleine Spoiler ein, die eine Ahnung von einem künftigen dramatischen Geschehen erzeugen. Bestimmte Textpassagen werden durch eine veränderte Textausrichtung hervorgehoben. Mitunter besteht eine Seite sogar nur aus zwei oder drei Sätzen. Alles in allem eine Lektüre, die ich euch gerne empfehle.

Ich erzähle von meinen Beinen
Ich erzähle von meinen Beinenby Cornelia TravnicekPicus Verlag
10. März
Rating:5

Authentisch, liebevoll und witzig - was braucht ein guter Roman sonst?

Wenn ihr Mal einen Einblick erhalten wollt, wie es ist, mit Menschen mit ADHS oder ADS zusammen zu leben, lest einfach dieses Buch. Cornelia Travnicek erzählt hier sehr authentisch, wie der Alltag in Familien mit von ADHS betroffenen Personen so aussieht. Besonders fasziniert hat mich, wie nah mir die Emotionen der Protagonistin Wally beim Lesen gekommen sind. Der Schreibstil ist sehr bildlich, und zusätzlich arbeitet der Roman mit dem Buchsatz, um das Chaos im Kopf zu verdeutlichen. Manches ist in Blockschrift, dann linksbündig und manchmal bleibt eine halbe Seite leer, bevor es unten weitergeht. Total gelungen! Ich bin durch das Buch nur so gesprintet. Gleichzeitig wurde ich manchmal selbst so unruhig, dass ich das Buch zur Seite legen und erstmal Ordnung in der Wohnung schaffen musste. Zusätzlich fragte ich mich, wo beginnt ADHS und was ist noch überlastetes Mutterhirn? Auch das Thema Mental Load findet im Buch seinen Platz. Besonders gut gefiel mir, dass der Mann der Protagonistin positiv dargestellt wird, während der Mann der Freundin das negative Beispiel ist. Zwischen den beiden belastenden Themen Neurodivergenz und Patriarchat stecken ganz viel Liebe und sehr viel Humor. Beim Lesen habe ich Situationen aus meinem Alltag wiedererkannt, oft laut aufgelacht und mich in Wallys Familie sehr, sehr wohlgefühlt. Alles Gründe, diesen Roman absolut zu empfehlen.

Ich erzähle von meinen Beinen
Ich erzähle von meinen Beinenby Cornelia TravnicekPicus Verlag
10. März
Sensibler und chaotischer Blick auf mentale Gesundheit
Rating:4

Sensibler und chaotischer Blick auf mentale Gesundheit

Das Cover von Ich erzähle von meinen Beinen wirkt auf den ersten Blick ruhig und eher zurückhaltend gestaltet. Gerade diese Schlichtheit passt jedoch sehr gut zur Atmosphäre des Buches. Es wirkt nachdenklich und sensibel – Eigenschaften, die sich auch in der Geschichte selbst wiederfinden. Der Roman begleitet eine junge Frau, die sich intensiv mit ihrem eigenen Leben, ihren Gedanken und ihrem Körper auseinandersetzt. Dabei geht es weniger um eine klassische Handlung als vielmehr um innere Prozesse, Erinnerungen und Beobachtungen. Ohne zu viel vorwegzunehmen, behandelt das Buch unter anderem Themen wie mentale Gesundheit, ADHS, Überforderung und depressive Phasen. Besonders eindrucksvoll ist dabei, wie es Cornelia Travnicek gelingt, das Gefühl von Hilflosigkeit und gleichzeitiger Überforderung greifbar zu machen. Beim Lesen bekommt man immer wieder das Gefühl, direkt in den Gedankenstrom der Protagonistin einzutauchen. Der Schreibstil ist dabei eines der größten Highlights des Romans. Die Autorin wechselt sehr geschickt zwischen äußerer Handlung und inneren Gedankengängen. Diese Übergänge sind fließend und spiegeln die Wahrnehmung der Figur sehr authentisch wider. Gerade dadurch entsteht eine besondere Intensität, die mich beim Lesen stark beeindruckt hat. Man spürt förmlich das Chaos, die Unsicherheit und gleichzeitig die sensiblen Beobachtungen der Erzählerin. Auch die Figuren wirken glaubwürdig und nahbar, vor allem durch die ehrliche Darstellung ihrer inneren Konflikte. Die Emotionen fühlen sich real an und laden dazu ein, sich mit den Themen des Buches auseinanderzusetzen. Einen kleinen Punktabzug gibt es für mich allerdings beim Stil einzelner Passagen. Manche Sätze oder Abschnitte sind sehr komplex formuliert und wirken dadurch teilweise etwas überladen, sodass man gelegentlich innehalten muss, um den Gedankengängen vollständig zu folgen. Fazit: Ich erzähle von meinen Beinen ist ein intensiver, sensibel geschriebener Roman über mentale Gesundheit, Selbstwahrnehmung und innere Kämpfe. Besonders die eindrucksvolle Darstellung von Überforderung und Gedankenströmen macht das Buch sehr besonders. Eine klare Empfehlung für Leser*innen, die literarische Texte mit psychologischer Tiefe mögen.

Ich erzähle von meinen Beinen
Ich erzähle von meinen Beinenby Cornelia TravnicekPicus Verlag
7. März
Rating:5

Cornelia Travnicek - Ich erzähle von meinen Beinen 📚- REZENSION - 📚 Wie fühlt es sich an, wenn im Kopf ständig zu viele Tabs offen sind, das Gehirn niemals Pause macht und man Mutter einer Tochter ist, in deren Kopf das sehr ähnlich aussieht? Schwer vorstellbar? Dann lest auf jeden Fall „Ich erzähle von meinen Beinen“. Denn dieses Buch spiegelt sowohl inhaltlich als auch stilistisch und in seinem Layout, wie sich ADHS anfühlt. Und das auf eine authentische, warmherzige und zugleich humorvolle Art. Bei Wallys 9-jähriger Tochter Vallie wird ADHS diagnostiziert. Neben einer gewissen Erleichterung über die gewonnene Klarheit entstehen aber ebenso Spannungen - sowohl zu Hause mit ihrem Mann Matthias als auch in der Schule. Und Wally beginnt sich zu fragen, wie sie eigentlich selbst ihren Alltag meistert, wenn sie doch auch ständig gefühlte tausend Projekte gleichzeitig umsetzen will… wenn da aber irgendwie zu wenig Fokus und zu viel Mental Load ist. Und wie lange kann sie das alles eigentlich aushalten? Durch Stil und Layout kann man Wallys innere Unruhe förmlich spüren. Die Erzählform schwankt zwischen nüchtern realistisch und poetisch und hat mich damit auf ganzer Linie begeistern können. Zudem beschreibt Cornelia Travnicek innere Dilemmata in Bezug auf Mental Load so treffend und scharfsinnig, dass ich an manchen Stellen das Gefühl hatte, ich lese da gerade eine Reportage über meinen eigenen Alltag… 😅 Für mich ein Highlight! Absolut empfehlenswert für alle, die sich für Themen wie Mutterschaft, Neurodivergenz und Mental Load verpackt in eindrucksvoller Sprache begeistern können!

Ich erzähle von meinen Beinen
Ich erzähle von meinen Beinenby Cornelia TravnicekPicus Verlag
2. März
Zwischen Organisation und innerem Chaos
Rating:5

Zwischen Organisation und innerem Chaos

Dieser Roman hat mich sehr beeindruckt, weil er klug konstruiert ist und gleichzeitig emotional nahegeht. Im Mittelpunkt steht Wally, die ihren Alltag als Mutter und Ehefrau scheinbar im Griff hat bis ihr Körper die Reißleine zieht. Der Zusammenbruch wirkt weniger wie ein dramatischer Bruch, sondern wie die logische Folge eines ständigen Weiterfunktionierens. Besonders stark fand ich, dass der Roman nicht nur die ADHS-Diagnose der Tochter aufgreift, sondern leise die Frage nach Wallys eigener Neurodivergenz stellt. Ihre Gedankensprünge, das Abschweifen und das Beginnen ohne Abschließen spiegeln sich auch formal im Text wider: kurze Absätze, abrupte Wechsel, eine spürbare innere Unruhe. Ein feinfühliger, literarisch durchdachter Roman über Überforderung, Erwartungen und den Druck, immer funktionieren zu müssen und darüber, wie sich Neurodivergenz im Erwachsenenalter anfühlen kann. Für mich ein echtes Lesehighlight! | unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar |

Ich erzähle von meinen Beinen
Ich erzähle von meinen Beinenby Cornelia TravnicekPicus Verlag