16. Juli
Erwachsen- werden, literarisch betrachtet
Rating:4

Erwachsen- werden, literarisch betrachtet

Selbstporträt: ein Fisch, mit Glupschaugen, in einem Gurkenglas mit Schraubverschluss. Im Wasser schwimmen, gefangen innerhalb eines Glases, von jeder Seite einsehbar. Die Autorin lässt uns die Beobachter sein, von einem Mädchen, das sich eben so sieht. Kommt mir bekannt vor, kann ich nachfühlen. Ein Aufwachsen in einer paterichalen Familie, mit einesm Großvaters, der noch Kriegstraumata in sich hat, unaufgearbeitet, Mit Brüder, die vom Großvater bevorzugt werden, weil männlich. Einer Tante, die als Emanze beschimpft und nicht ernst genommen wird. Je mehr wir mit der Protagonistin beobachten können, desto mehr offenbart sich eine Zeit, die nicht sooo "gut" war, wie oft suggeriert wird.

Schwimmen im Glas
Schwimmen im Glasby Eva LugbauerPicus Verlag
15. März
Interessante Auseinandersetzung mit dem Aufwachsen im Patriarchat
Rating:4

Interessante Auseinandersetzung mit dem Aufwachsen im Patriarchat

In diesem Buch geht es um ein Mädchen im zehnten und elften Lebensjahr. Der Schreibstil von Lungbauer ist eindringlich. Es gelingt ihr in wenigen Worten zu beschreiben, welche Erwartungen schon an Mädchen im Grundschulalter gestellt werden. Die Metapher des Fisches im Glas für diesen einengenden Rahmen hat mich sehr angesprochen. Die Protagonistin hat immer wieder das Gefühl, etwas nicht zu wollen und fügt sich dem doch. Gefühle, die wohl jedes Mädchen und weiblich definierte Personen immer wieder durchleben. Das Augenmerk fällt auch darauf, wie beschränkend das Patriarchat für Männer ist und wie manche darunter leiden. Ebenso fand ich einige gelungene Metaphern für die fehlende Solidarität unter Frauen. Insgesamt eine klare Zeichnung von und Auseinandersetzung mit unserer patriarchalen Gesellschaft.

Schwimmen im Glas
Schwimmen im Glasby Eva LugbauerPicus Verlag
10. März
Schwimmen im Glas: Eine berührende Reise durch Emotionen und Identität
Rating:5

Schwimmen im Glas: Eine berührende Reise durch Emotionen und Identität

Schwimmen im Glas von Eva Lugbauer ist ein eindringlicher und berührender Roman, der die Leser in die komplexe Welt der menschlichen Emotionen und Beziehungen eintauchen lässt. Die Protagonistin, eine junge Frau, steht im Zentrum einer tiefen inneren Auseinandersetzung, während sie mit ihrer Identität und den oft erdrückenden Erwartungen ihrer Umgebung kämpft. Lugbauer gelingt es meisterhaft, die innere Zerrissenheit und die Suche nach Zugehörigkeit darzustellen, indem sie die Gedanken und Gefühle der Hauptfigur auf eine Weise einfängt, die sowohl authentisch als auch nachvollziehbar ist.

Schwimmen im Glas
Schwimmen im Glasby Eva LugbauerPicus Verlag
8. März
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Rating:4

„Schwimmen im Glas“ thematisiert die kindlich naive Perspektive auf patriarchale Strukturen im österreichischen Alltag der 90er Jahre und beleuchtet dabei, wie diese Strukturen unbewusst und subtil auf die heranwachsende Hauptfigur wirken. Lore wächst in einem scheinbar geordneten Umfeld auf. Ihr Vater ist Bürgermeister eines kleinen Ortes, ihre Mutter arbeitet als Schreibkraft im Pfarramt. Die Großeltern wohnen direkt nebenan, und bei ihnen verbringt Lore einen großen Teil ihrer Freizeit. Ihre Kindheit ist geprägt von festen Rollenbildern und unausgesprochenen Regeln. Ab und zu kommt ihre Tante Ursula zu Besuch – eine Künstlerin, die in der Stadt lebt, unverheiratet ist und mit ihren „modernen“ Ansichten immer wieder für Diskussionen innerhalb der Familie sorgt. Der Schreibstil der Autorin ist besonders, denn er schafft es, die Welt aus Lores kindlicher Perspektive einzufangen. Vor allem zu Beginn des Buches wird die Sicht eines neugierigen, hinterfragenden Kindes authentisch dargestellt. Kurze Sätze, plötzliche Gedankensprünge und eine Fülle an Fragen spiegeln Lores Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt wider. Früh erkennt sie, dass Mädchen und Jungen unterschiedlich behandelt werden – nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch im engsten Familienkreis. „Lore ist, als hätte sich eine Glaswand quer über die Wiese geschoben. Zwischen ihr und dem Großvater, ihr und dem Bruder, ihr und den Männern ist diese unsichtbare Wand und Lore kommt nicht durch, kann nur zusehen aus der Ferne, kann nur stehen und betrachten, kann nur warten.“ Insgesamt hat mich das Buch sprachlich komplett überzeugt. Die Autorin findet stets treffende Metaphern und formuliert Beobachtungen so gekonnt, dass sie mitten ins Herz treffen. „Und dann fällt also das Wort >Emanze<. Es klingt, als würde der Vater Glasscherben aus seinem Mund spucken. Ein Wort voll Blut liegt auf dem Wohnzimmerboden und Lore berührt es lieber nicht. Sie geht, schleicht, leise zurück ins Bett. Niemand hat sie gesehen und jemand soll bitte bis morgen Früh diese Glasscherben im Wohnzimmer aufkehren, sie zu Staub zermahlen und ins Weltall schließen. Eine Emanze kann auf dieser Welt niemand brauchen. Was auch immer eine Emanze ist.“ Dennoch konnte mich das Buch nicht in Gänze überzeugen. Ich hatte erwartet, dass die Beziehung zwischen Lore und ihrer Tante eine größere Rolle spielt. Zwar mischt Ursula die konservative Familie bei ihren Besuchen ordentlich auf, doch ihr Einfluss auf Lore bleibt vage und verliert sich meines Erachtens im weiteren Verlauf des Romans. Auch hätte ich mir einen stärkeren Fokus auf die ältere Lore gewünscht. Der Großteil des Buches konzentriert sich auf ihre Kindheit, wodurch die spätere Entwicklung der Protagonistin irgendwie blass bleibt. Fazit. Ein lesenswerter Roman, der fest verankerte patriarchale Strukturen innerhalb Familie und Gesellschaft sehr gut aufdeckt und benennt und dadurch zum Nachdenken anregt.

Schwimmen im Glas
Schwimmen im Glasby Eva LugbauerPicus Verlag