Herrlich zynisch & wertvoll
Für mich war „Entromantisiert euch!“ ein Buch, welches auf meiner inneren Wunschliste einen Platz ganz oben reserviert bekommen hatte. Das Thema schwebt seit jeher über mir. Bereits in meinen Teenagerjahren war ich absolut genervt von romantischen Geschichten, der Glorifizierung und gleichzeitigen Ungerechtigkeit von Sexualität. Umso genervter bin ich von meiner Erkrankung, die mich romantische Liebe als die einzige, sichere Bindung und höchstes Gut idealisieren lässt; ebenso aber auch von der Gesellschaft und dem Aufwachsen in einer Familie, die mir beigebracht hat, mich als Mädchen und Frau Männern unterzuordnen, irgendwann Ehefrau und Mutter zu werden und dass es nichts schlimmeres gibt, als single zu sein. Von Disneyfilmen und Familienfeiern, wo ich mitunter als erstes begrüßt wurde mit: „Na, hast du einen Freund?“, als wäre es eben das wichtigste in meinem Leben. Wichtiger als die Frage, wie es mir denn gehe. Dieses Buch erfüllte meine Erwartungen nicht ganz, aber es gab mir etwas Empowerndes. Ein Werk, das ich so gerne schon in meinen Teenagerjahren gelesen hätte. Einer meiner Kritikpunkte war in der ersten Hälfte des Buches die Idealisierung von Freundschaft, die natürlich nicht zu unterschätzen ist, aber eben auch nicht ganz so sicher, wie es die Autorin beschreibt. Solche engen Freund*innen zu finden, wie sie sie hat, ist vermutlich nicht ganz so leicht, weswegen ja Frauen* in Partnerschaften flüchten. Hier kann ich das Buch ‚Toxische Weiblichkeit‘ empfehlen, das erklärt, warum es eben nicht so simpel ist, Freundinnenschaften zu schließen und zu halten, die eben auch so tief und erfüllend und sicher sind, wie es hier dargestellt wird. Außerdem kann ich die Kritik, das Geschriebene würde sich ständig wiederholen, verstehen, jedoch hat es mich nicht so gestört. Einige Fakten sind auch nicht so korrekt dargestellt, wie andere es auch schon angemerkt haben. Was ich zunächst bemängelt und anschließend doch irgendwie geliebt habe, war der Zynismus, den die Autorin ins Buch einfließen lässt. Mehrmals ist mir der Mund aufgeklappt und ich musste fast lachen (obwohl es doch eher traurige Wahrheit war, also eher ein bittersüßes Lachen), so beispielsweise in den Kapiteln, in denen es darum ging, wie romantische Beziehungen Frauen schaden und Männer davon profitieren oder die über das Verliebtsein, Sexualität und Mutterschaft. Der Zynismus tut diesem Buch unglaublich gut und ich hätte mehrmals heulen können, weil die Faktenlage so traurig ist. Die zweite Hälfte überzeugte mich total. Das Buch hat mir geholfen, der romantischen Liebe ein wenig mehr abzuschwören, denn es ist ja leider so: Wir Frauen* definieren uns viel zu sehr durch dieses Idealbild von der perfekten Liebe, dem perfekten Partner und es ist für viele das höchste Ziel im Leben. Jedoch sind Beziehungen selten so perfekt, die Idealisierung dessen raubt uns so viel Selbstwert und Entwicklungsmöglichkeiten, zudem ist eine Beziehung mit einem Mann eine risikoreiche Entscheidung, da Gewalt (auch emotionale) und Aufopferung der Frau* in vielen Beziehungen Gang und Gebe sind. Ich wünsche mir, dass manchen Themen noch tiefere Bearbeitung geschenkt geworden wäre, hier vor allem der Einfluss von Medien und Gesellschaft auf Mädchen, deren Schäden teilweise enorm sind. Dass wir freiwillig in toxische Beziehungen gehen, dort bleiben, ist nicht zuletzt das Ergebnis von Brainwashing durch das Patriarchat, das Frauen und Mädchen kleinhalten will & es funktioniert. Schade finde ich außerdem, dass kein Bezug zur aktuellen Weltlage getroffen wird, zumal das Buch geschrieben wurde, als Donald Trump als Präsident ein zweites Mal vereidigt wurde (was die Autorin auch erwähnt) und statt auf den Rechtsruck in der Welt einzugehen, hängt sich die Autorin an einer Rede von Kamala Harris auf und beschreibt später, dass wir bald in einem Zeitalter der Post-Romantik ankommen werden, was ich, aufgrund der Weltlage, bezweifeln möchte. Die AfD ist so stark wie nie, trad wifes sind im Trend und Misogynie, Transfeindlichkeit, Hass auf die LGBTQIA+-Personen nehmen tagtäglich zu, werden wieder normalisiert. Da hätte ich gerne eine Einordnung gehabt. Dennoch ist das Buch eine Bereicherung und ein Manifest, das ich mir viel öfter zu Gemüte führen will.
















































