
Manchmal liest man ein Buch und denkt: Endlich sagt's mal jemand. „Potenziell furchtbare Tage" von Bianca Jankovska ist so eines. Die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, wie absurd es ist, dass wir uns Monat für Monat trotz Periodenschmerzen zur Arbeit schleppen – vollgepumpt mit Schmerzmitteln, weil Menstruationsurlaub in unseren Breiten noch immer wie Science-Fiction klingt. Jankovska verknüpft ihre persönlichen Erfahrungen mit dem großen Ganzen: Acht Jahre lang hat sie am eigenen Leib erforscht, was passiert, wenn Zyklus auf Lohnarbeit trifft – und Überraschung: Schön ist es nicht. Thomas aus dem Controlling nennt es Gejammer, ich nenne es eine notwendige Auseinandersetzung mit Lohnarbeit im Kapitalismus, die nicht nur Menstruierende ausbeutet, sondern auch psychisch Erkrankte, Marginalisierte etc. – und nebenbei noch die Umwelt. Anfangs war ich nicht sicher, ob ich hier fundierte Systemkritik finde oder doch eher auf linksliberales Blabla stoße (wir kennen alle diesen Trick!), aber dieses Buch ist eine anregende Kampfansage an die LinkedIn-Optimierungskultur, an Selbstausbeutung und an das schlechte Gewissen, wenn man mal nicht funktioniert. Anti-Work ist Widerstand gegen krankmachende Arbeitszwänge – und den beschreibt Jankovska so kolumnenartig humorvoll, dass man bei Anti-Work direkt mitmachen will. Wer „Potenziell furchtbare Tage“ liest, hat das Gefühl, mit einer klugen Freundin bei einem Bier zu sitzen, die ausspricht, was viele denken. Sie verortet Gesundheit – körperliche wie psychische – im kapitalistischen System und zeigt die Absurdität auf: Ja, es mag „gute Arbeit" geben, aber nur in der Theorie und nur für sehr wenige (S. 257). Der Rest wird krank. Und weil wir die Arbeit zum Überleben im Kapitalismus brauchen, dreht sich das Hamsterrad weiter. Jankovska bleibt dabei erfreulich unsentimental. Statt oberflächlicher Wellness-Tipps und Selbstfürsorge-Ästhetik gibt's strukturelle Analyse, persönliche Anekdoten über „Therapie im Kapitalismus, PMS und PMDS“ sowie zu Kündigungen, „Scham, Schuld und Schmerz“ – und schließlich auch Lösungsansätze für eine gesündere Arbeitswelt. Die Verzahnung von Anti-Work, Menstrual Health und des guten Lebens hab ich selten in einem Sachbuch gelesen – dabei hängt das doch alles so unmittelbar miteinander zusammen. Leseempfehlung!







