Ein wilder, experimenteller Roman von großer politischer Relevanz
Ein schräger Roman über Belgrad in den 90er-Jahren: Die Geschwister Vanja und Marko und ihre Freundin Kassandra aus der Roma-Siedlung sind in einer Zeitschleife gefangen. Ihr Leben ist geprägt von Gewalt, Drogen und Kriminalität. Schaffen es die Teenager sich in diesem Umfeld zu behaupten und den roten Porsche und das magische Krokodil-Medaillon zu finden, um sich aus den Allneunzigern zu befreien und in eine bessere (?) Zukunft zu gelangen? Genauer will ich auf den Inhalt hier gar nicht eingehen, um nicht zu viel zu verraten. Dieser Roman fühlt sich an, wie ein Computerspiel; durch die Wahl der zweiten Person Singular als Erzählperspektive fühlt man sich als Leser:in tatsächlich so, als würde man die Protagonistin Vanja „spielen“. Passenderweise liegt dem Buch auch die Anleitung für ein Rollenspiel bei. Zu Beginn fiel es mir ein bisschen schwer in die Geschichte hineinzukommen, was vor allem an der derben, mit absurdesten Schimpfwörtern gespickten Sprache lag, die sich durch alle Dialoge zieht. Ich habe mir jedoch von mehreren Seiten bestätigen lassen, dass das durchaus authentisch ist und mich dann auch daran gewöhnt. Der Roman ist gespickt mit kulturellen Referenzen, die zwar hochinteressant und z. T auch sehr humorvoll sind, sich mir aber leider nur zum Teil erschlossen haben, da ich zu wenig Hintergrundwissen über das Leben in Serbien Ende des 20. Jahrhunderts habe. Mit der Zeitreise und dem magischen Medaillon, das seinem Träger zu unerwarteten Kräften verhilft, gibt es einige surreale Element, die dem Buch einem ganz eigenen Charme verleihen. Barbi Markovic hat hier einen wilden, experimentellen Roman geschaffen, der auch von einer großen politischen Relevanz ist. Ich kann es jedem empfehlen, sich auf diese verrückte Geschichte einzulassen und sich selbst eine Meinung darüber zu bilden.
