
Ein großartiger, kritischer Roman, der zum Hinterfragen anregt ⚖️
Benjamin Weiß ist Rechtsberater in Asylfragen und nach einem Burn Out zu seiner Tätigkeit zurückgekehrt. Er soll sich des Falles einer ihrer syrischen Dolmetscher annehmen, dem Kriegsverbrechen vorgeworfen werden. Gleichzeitig muss Benjamin sich auch um seine resolute Großmutter kümmern, deren beginnende Demenz ihn dazu zwingt, sie von Deutschland nach Österreich zu holen. Benjamin schlittert in ein moralisches Dilemma. Denn sein Klient könnte durchaus schuldig sein, ist aber der einzige, der Zugang zur Großmutter findet. Noch dazu erhält Benjamin Einblicke in die NS-Vergangenheit seiner Großeltern und muss sich mit diesem unangenehmen familiären Erbe auseinandersetzen. Die Thematik des Buches hat mich umgehend angesprochen, da ich selbst berufsbedingt Einblick in das österreichische Asylsystem habe. Dadurch fiel es mir auch leicht, gewisse spezifische Begrifflichkeiten rund um dieses Thema zuzuordnen. Eventuell könnte dies für Leser, die der Thematik nicht so nahe stehen, teils etwas schwieriger sein. Im Vordergrund dieses Gegenwartsromans, der im Jahr 2015 zur Zeit der Fluchtbewegung spielt, steht jedoch Benjamin, der aufgrund der Ereignisse im Berufs- und Privatleben seinen moralischen Kompass neu justieren muss und damit hadert. Ich habe ihm seine Unsicherheit auf jeder einzelnen Seite des Buches abgekauft und ihn dafür bewundert, wie er mit seiner Großmutter, der titelgebenden "Walküre", und den Herausforderungen seines Lebens umgeht. Ein großartiger, kritischer Roman über Vergangenheit und Gegenwart, Familie, Bürokratie und menschliche Abgründe, in dem ich mich oftmals wiederfinden konnte und der anregt, zu hinterfragen. ~"Ich habe auch einmal mit Asylanten gearbeitet", (...) "damals noch in Traiskirchen, bei der Fremdenpolizei." "Asylwerber", verbesserte ich, setzte mich zögernd.~ S. 196 "Asylwerber", verbessere auch ich bereits automatisch, aber endlos wiederkehrend...


