
Auf den Spuren der Vergangenheit…
Ich bin tatsächlich mit diesem Band in die Reihe eingestiegen, da mir gesagt wurde, dass die Bände unabhängig voneinander gelesen werden können, trotzdem habe ich etwas Zeit gebraucht, um in die Geschichte hineinzufinden. Gerade bei den Figuren merkt man, dass sie bereits eine gemeinsame Vorgeschichte haben. Dennoch hatte ich nie das Gefühl, den Überblick zu verlieren, und konnte den Handlungsverlauf sowie die Beziehungen der Charaktere gut nachvollziehen. Trotzdem würde ich empfehlen, mit Band 1 zu starten. Ich muss sagen: Mit einem guten Prolog bekommt man mich eigentlich immer, und dieser hier ist wirklich gelungen. Wir starten nämlich im Herbst 1944 in Ostpreußen, und direkt die ersten Seiten erzeugen große Spannung. Damit hatte mich die Autorin sofort. Die Geschichte wird auf zwei Ebenen erzählt: im Jahr 1997 sowie im Jahr 1944. Ausgangspunkt ist die Nacht, in der Milas Großmutter spurlos verschwand. Beide Handlungsstränge beginnen zunächst unabhängig voneinander und verweben sich im Laufe der Geschichte immer stärker, bis sie sich am Ende schließlich auflösen. Die Zeitebene von 1944 ist dabei durch die Kursivsetzung des Textes klar gekennzeichnet. Ich muss zugeben, dass mich die Vergangenheitsebene zunächst deutlich stärker gefesselt hat. Kennt ihr das, wenn euch eine Zeitebene so sehr in ihren Bann zieht, dass ihr am liebsten nur dort weiterlesen würdet? Genau so ging es mir hier. Die Atmosphäre der Kriegsjahre ist eindringlich, bedrückend und unglaublich packend. Corry Fock zeigt die Schrecken schonungslos und enthüllt nach und nach ein Familiengeheimnis, dessen Auswirkungen bis in die Gegenwart reichen. Besonders gelungen finde ich, dass die Autorin ihren Erzählstil den jeweiligen Zeitebenen anpasst. Die Vergangenheit wirkt historischer, komplexer und deutlich bedrückender in ihrer Atmosphäre, was natürlich auch dem historischen Kontext geschuldet ist. Mit viel Gespür für Atmosphäre verbindet Corry Fock die dramatischen Ereignisse der Kriegszeit mit einem Familiengeheimnis, das Vergangenheit und Gegenwart auf unerwartete Weise miteinander verknüpft. Doch auch die Gegenwartsebene besitzt ihre eigene Spannung. Sie wird vor allem von den inneren Konflikten getragen. Mila Sullivan, eine Balletttänzerin, erhält bedrohliche Briefe und gerät sowohl beruflich als auch privat zunehmend unter Druck. Intrigen, Misstrauen und ungelöste Konflikte sorgen für Spannung und treiben die Geschichte kontinuierlich voran. Es entwickelt sich ein Netz aus Intrigen und Misstrauen, dessen Entschlüsselung alles andere als einfach ist. Die psychische Belastung erschwert es Mila zudem, ihre Beziehung zu Gawain aufrechtzuerhalten. Doch auch er kämpft mit seinen eigenen Dämonen, deren Schatten ebenfalls aus der Vergangenheit stammen. Was mir besonders gefallen hat: Die Nebenfiguren bleiben nicht bloße Randerscheinungen, sondern nehmen tatsächlich Raum ein und erfüllen auf unterschiedlichen Ebenen wichtige Funktionen für die Handlung. Man merkt deutlich, dass viele der Figuren bereits eine gemeinsame Vorgeschichte haben. Genau diese Hintergründe haben mir stellenweise gefehlt, weshalb ich Band 1 und Band 2 definitiv noch lesen werde. Die Geschichte lässt sich sehr flüssig lesen, die Wechsel zwischen den Zeitebenen sind klar erkennbar und stets sinnvoll platziert. Dadurch bleibt die Spannung konstant hoch. Gleichzeitig wirken die Konflikte der Figuren authentisch und nie künstlich erzeugt. Die Autorin schafft es, beide Handlungsstränge dicht zu erzählen und sie nach und nach überzeugend miteinander zu verknüpfen











