
Wenn die Ostsee plötzlich mörderisch wird
Mord am Schönberger Strand klingt erstmal nach Möwen, Meer, Fischbrötchen und einem entspannten Spaziergang über die Seebrücke. Tja, falsch gedacht. Kaum hat man sich innerlich auf Ostseeidylle eingestellt, liegt da auch schon eine Leiche. So schnell kann aus Urlaubsfeeling eben Mordermittlung werden. Der tote Privatdetektiv ist als Ausgangspunkt richtig clever gewählt. Einer, der fremde Affären, Lügen und kleine Schweinereien aufdeckt, sammelt natürlich Feinde wie andere Leute Treuepunkte. Und genau das macht den Fall so angenehm giftig. Jeder könnte etwas zu verbergen haben, jeder schaut ein bisschen zu harmlos aus, und plötzlich wirkt der ganze Küstenort nicht mehr ganz so postkartenmäßig. Finn Petersen als Ermittler hat mir gut gefallen. Kein überdrehter Superkommissar, sondern jemand, bei dem man gern mitläuft. Das Team bringt zusätzlich Leben rein, und gerade diese Mischung aus Küstenflair, Ermittlungsarbeit und menschlichen Abgründen funktioniert für mich ziemlich gut. Der Krimi liest sich locker weg, ohne belanglos zu sein. Die Spannung ist da, die Verdächtigen machen Spaß, und diese dunklen Geheimnisse hinter hübschen Fassaden passen einfach perfekt ans Meer. Ein paar Stellen hätten für meinen Geschmack noch etwas bissiger oder überraschender sein dürfen, aber insgesamt ist das ein richtig gelungener Auftakt. Für mich ein Ostseekrimi, der genau weiß, was er sein will: unterhaltsam, atmosphärisch, spannend und mit genug Dreck unter der Sandale. Finn Petersen darf gerne weiterermitteln.

