
»Der Fortschritt ist ein Geschenk Gottes, die Befreiung des Menschen aus seinen natürlichen Zwängen.«
Ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Alles scheint gleich, doch in Wirklichkeit ist nichts mehr wie es war, denn die Zeiten um 1900 versprechen nicht nur Umbruch, sondern Aufbruch und stehen zugleich vor vielen Herausforderungen, welche die Länder Frankreich, England und Deutschland teilweise zu einen scheinen, andererseits aber auch gewaltig voneinander distanzieren. Im ersten Teil standen die drei Protagonist*innen Vicky, Paul und Auguste im Mittelpunkt und auch diesmal nehmen sie ihren Raum ein, jedoch bestimmen vielmehr deren Kinder und Enkelkinder sowie die vielerlei Beziehungen in jeglicher Hinsicht diesen zweiten Teil. Über Liebe untereinander und der Liebe zum Heimatland, Armut und technischen Fortschritt, dem schuldbewussten Anspruch Eltern gegenüber gerecht zu werden und das Streben nach Freiheit, der Wunsch eines vereinigten Europas ohne Kolonien bis hin zum gesellschaftlichen Umdenken hinsichtlich den Zwängen, die Frauen wie selbstverständlich auferlegt bekommen haben und gegen die sich nun Widerstand formieren zu scheint, handelt dieses Buch und damit sind nur einige der wirklich unzähligen Themen angerissen! Auch wenn die beiden „Herrliche Zeiten“-Romane nicht zu den spannendsten Büchern gehören, die Peter Prange geschrieben hat, sind sie wieder wahnsinnig gut und vielfältig. Da ich an diesem Buch auch relativ lange gelesen habe – was jedoch nicht dem Buch, sondern der fehlenden Zeit geschuldet war –, waren die kurzen Kapitel stets von Vorteil, da man sofort wieder mitten im Geschehen war. Beeindruckt hat mich in besonderer Weise wie vielfältig und fast nebenbei sich dieser Roman mit wichtigen Themen wie Kolonialismus, Antisemitismus, Militarismus, Feminismus sowie patriarchalen Strukturen in mannigfaltiger Hinsicht auseinandersetzt und es schafft, diese aus historischer Sicht verschiedener Figuren differenziert zu betrachten. Wer mal wieder Lust auf dicke Bücher hat, dem sind die beiden „Herrliche Zeiten“-Romane sehr zu empfehlen.


