"Es gibt nichts gutes, außer man tut es"
Auf dem Albertplatz in Dresden steht eine kleine Bronzeskulptur - ein Tisch mit einem hohen Stapel an Büchern, darauf balanciert ein Hut, umgeben von Kaffeetassen und einem Bilderrahmen. Daran bin ich schon etliche Male vorbeigegangen auf meinem Weg in die Dresdner Neustadt. Und bisher habe ich Kästner nur mit seinen Kinderbüchern und seinen humoristischen Gedichten verbunden. Seine Zeit im zweiten Weltkrieg, welche er in den Deutschland verbrachte und nicht ins Ausland emigrierte, wie zahlreiche seiner Schriftstellerkollegen, war mir völlig unbekannt. Auch seine sehr enge (und vielleicht auch ungesunde) Beziehung zu seiner Mutter war mir neu. Es lässt sich sicherlich auch vortrefflich darüber streiten, wie man seinen Verbleib im Deutschland des Dritten Reiches bewerten soll - war er zu passiv, hätte er mehr Widerstand leisten sollen, war es Widerstand genug, trotz Bücherverbrennung und Publikationsverbot dennoch unter Pseudonym Bücher und Theaterstücken zu schreiben und im Ausland zu verkaufen? In 14 Kapiteln setzt sich Tobias Lehmkuhl mit Kästners Zeit in Deutschland von 1933 bis 1945 auseinander, auch mit anderen Schriftstellerkollegen, dagebliebenen und emigrierten. Dies ist ein Sachbuch und kein Roman, so dass es sich an manchen Stellen nicht so flüssig lesen lässt. Dennoch hat mich die Thematik am Ball bleiben lassen und nun sehe ich Erich Kästner mit anderen Augen.




