Unter uns Kurzfristigen: Insomnia ist eins der unterschätztesten Werke Kings - auch vom Autor selbst! 😉
King mag dieses Werk nicht sehr, er meint, es wäre zu konstruiert und ein Beispiel dafür, was passiert, wenn man beim Schreiben einem vorher festgelegten Plan folgt. So zumindest ist es in seinem Schreibratgeber zu lesen, der ja aber nun auch schon etwas in die Jahre gekommen ist. Ich finde, das Gegenteil ist hier der Fall! Diese Geschichte ist aus meiner Sicht eine rundum gelungene Sache! Das King'sche Lesepublikum bekrittelt zudem den extrem langsamen Start, die langen und ausführlichen Beschreibungen der Verlustgefühle, des langweiligen Alltags eines 70-Jährigen und vor allem von der zunehmenden Schlaflosigkeit des Witwers Ralph Roberts. Mir persönlich hat aber gerade das erste Drittel besonders gut gefallen - auch wenn ich selbst erst in meinen 40ern bin. 😉 Ralphs Wahrnehmung der Welt verändert sich rapide und die Beschreibungen der Auren, die er nun sieht, waren für mich so realistisch, dass ich mir wünschte, ich könnte selbst welche sehen. Das Buch nimmt dann zunehmend Fahrt auf und die Kommunikation findet weitgehend telepathisch statt - immer in eckigen Klammern angezeigt. Auch die romantische Verbindung zwischen Ralph und Lois war wunderschön gezeichnet und kam für mich sehr glaubhaft rüber. Das Buch stellt einige Grundfragen an das Leben: Was ist ein Menschenleben wert? Gibt es manche Leben, die mehr wert sind als andere? Wie geht man mit Krankheit, Verlust und Tod um, wie mit der schrecklichen und doch wunderbaren Kurzfristigkeit des menschlichen Daseins? 🤔🥲 Und die Antworten, die King philosophisch andeutet, regten mich persönlich Nachdenken an - Stichwort Dankbarkeit für die uns gegebene Zeit! 🥰 Nicht zuletzt gibt es auch jede Menge Action und Horror bei Insomnia, speziell im letzten Drittel konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Reichlich Bezüge zur Dunkler Turm-Reihe sind letzlich dann noch der Zuckerguss auf diesem Sahnestück. 🙂 Ich habe dieses Buch im ReRead nach 25 Jahren wieder gelesen, es gefiel mir damals schon sehr gut und ich muss sagen, es hat mich schon in meinen 20ern deutlich geprägt. Dieses Mal habe ich das Lesen aber noch mehr genossen, denn ich bin nun nach einigen Jahren King-Abstinenz wieder ziemlich ins Multiversum eingetaucht und verstand einige Stellen besser, wo ich in jungen Jahren nur so drüber gelesen habe - explizit natürlich die Referenzen zum Turm aber auch die zu anderen Werken. Es ist mittlerweile sehr selten geworden, dass mich ein Buch-Ende zu Tränen rührt und ich doch damit vollauf zufrieden bin, doch genau mit diesen Gefühlen habe ich Insomnia beendet. 🥰

































