Spannender Thriller und moderner Western, bei dem man nebenbei interessante Einblicke in den Westen der USA, seine Bewohner und Konflikte mit der dominierenden politischen Kultur der USA erhält - ohne erhobenen Zeigefinger.
Zweiter Roman der Serie um den Wildhüter Joe Pickett, Wyoming. Umweltaktivisten, in ihren Methoden nicht immer zimperlich, werden zur Zielscheibe angeblich konservativer Bewahrer eines freien Westens. Zunächst wird einer von ihnen samt seiner frisch angeheirateten Braut in die Luft gesprengt. Weitere Opfer folgen. Joe, wie immer draußen in der Wildnis, und seine Frau Merrybeth, in der örtlichen Bibliothek, gehen den Dingen auf den Grund. Längst vergangene Geschichten aus dem Wilden Westen scheinen sich zu wiederholen. Für Joe wird es ein ungleicher Kampf um Leben und Tod. Die Geschichte ist gradlieniger erzählt als "Open Season". Große Geheimnisse und überraschende Wendungen gibt es nur wohl dosiert. Anders als Joe ist der Leser weitgehend im Bilde. Dabei beobachtet er, wie sich die Gegner aufeinander zu bewegen, der Konflikt erscheint unvermeidlich und mündet tatsächlich in einen langen Showdown. Somit ist das Buch vor allem ein Thriller im Westernstil. Box schafft es aber auch, die sozialen und politischen Spannungen in Wyoming und anderen Staaten des Westens herauszuarbeiten. Da sind die alteingesessenen Bewohner, die an ihrer traditionellen Lebensweise festhalten wollen. Die Heilsversprechungen von Cleantech, Digitalisierung und Büroarbeit verfangen bei ihnen nicht. Dann ist da großes Geld von der Ost- und Westküste, dass sich riesige Länderreien kauft und das Leben der Rancher-Barone imitiert, ohne mit Land und Leuten verbunden zu sein. Und schließlich die "liberalen" Umweltschützer, die ihre Ideale verfolgen, ohne die Realitäten vor Ort tiefer zu verstehen und ohne Rücksicht darauf zu nehmen, was ihre Ziele für die Bewohner Wyomings bedeuten. Obwohl schon 2002 geschrieben. erinnert das Buch an den brutalen Kampf zwischen MAGA und den Liberalen unter Biden und Trump 2. Die desaströse Lage der USA 2025, die fatale Spaltung der Gesellschaft - es kam mit langem Vorlauf. Box hält sich selbst mit Wertungen zurück. Er lässt seine Figuren sprechen und gibt dem Leser Raum, selbst nachzudenken. Diese Bescheidenheit würde man anderen Autoren wünschen. Dabei weist das Thema weit über Wyoming hinaus. "Savage Run" mag seine Schwächen haben, aber in der Gesamtschau ist das ein spannender Thriller mit überraschenden Tiefgang, nicht nur für Western- und Wyoming-Liebhaber.
