Hatte mir nach dem Klappentext etwas anderes vorgestellt als eine Aneinanderreihung von Gedanken. Das ging für mich gar nicht zu lesen.
Ohne Körper
Hanif Kureishi, bekannter Autor von Romanen (z.B. „Der Buddha aus der Vorstadt)“ und Drehbuchautor (z.B. „Mein wunderbarer Waschsalon“) fällt ohnmächtig vom Stuhl und erleidet einen Genickbruch, wodurch er sich auf ein Leben mit hohem Querschnittslähmung und schwerste Behinderungen einstellen muss. Er berichtet tagebuchähnlich von seinem ersten Jahr dieser schwierigen Anpassung, welches er fast ausschliesslich in Kliniken und Rehabilitations-Einrichtungen, sowohl in Italien als auch in England verbringt. Obwohl ich tiefstes Mitgefühl für dieses Schicksal empfinde und dies mich mit echtem Interesse zu diesem Buch geführt hat, liess es mich eher verwirrt zurück. Wie schon der Titel verrät, soll es um den Zusammenbruch einer Lebens-Welt durch ein plötzliches Ereignis gehen, etwas Essenzielles zerbricht und hinterlässt nichts als Scherben. Diese Scherben scheint der Autor aufnehmen zu wollen, beschreibt diese auch, zeigt sich aber ausserstande, diese auch nur annähernd zusammenzufügen . Es bleiben Facetten, blanke Bruchstücke, die Kureishi mal ausführlich, dann wieder nur wage angedeutet, ohne Zusammenhänge hinwirft. Hierdurch wird zwar die innere Zerrissenheit sichtbar und der Eindruck der Suche nach Ganzheit sehr authentisch wiedergegeben, es fällt jedoch schwer zu folgen. Der Kontrollverlust über den Körper wird sehr anschaulich und mit überraschender Offenheit beschrieben, dem gegenüber schweift der Bericht aber oft ab in philosophische Anschauungen, Weltsichten bis hin zu soziologischen Betrachtungen. Durch die Wechselhaftigkeit dieser verschiedenen Themen bekommt es ein Flair von Zufälligkeit, was die Gefahr birgt, belanglos und oberflächlich zu wirken. Die zu schnellen Wechsel geben vielleicht die Gedankenflut wieder, denen ein Mensch ausgeliefert ist, der plötzlich kaum noch Kontrolle über seinen Körper hat. Es fehlen aber die Zusammenhänge. Diesem Bericht fehlt der Körper, im übertragenen, aber natürlich auch im Erleben ganz realen Sinne. Ich verzichte hier auf eine Sternebewertung und damit hoffentlich auch auf eine Bewertung allgemein. Ich möchte den Mut wertschätzen, mit all den verständlichen Schwierigkeiten, die der Autor bei der Anpassung hat, vor die Öffentlichkeit zu treten. Gefallen hat mir dieses Buch nicht, aber das muss es ja auch nicht

