Interesant
George Orwell? Es fällt einem die Farm der Tiere u. 1984 ein. Beides vor vielen Jahren gelesen und positiv in Erinnerung geblieben. Was für eine Lebensgeschichte der Autor hatte, die ihn unter anderem auch antrieb, diese und andere Bücher zu schreiben, war mir völlig unbekannt. Ein schockierendes u. ergreifendes Buch über den jungen Eric Blair, der später unter dem Pseudonym George Orwell veröffentlichte. Die innere Wandlung u. Reifung des Mannes, das brutale Kolonialsystem, erste sexuelle Erfahrungen u. die Beschreibung der burmesischen Landschaft / Kolonialgesellschaft charakterisieren diesen Roman. Leider gab es zwischendurch unnötige Wiederholungen u. gerne hätte ich noch mehr über die Zeit nach der Rückkehr aus Burma erfahren. Triggerwarnung vor den brutalen Szenen, damals Alltag im Polizeisystem . Trotzdem: lesens- und empfehlenswert!

Mehr Fiktion als die erhofften Fakten
"Es gibt einen kurzen Zeitraum im Leben eines jeden Menschen, in dem sein Charakter für immer festgeschrieben wird." (George Orwell) George Orwells bzw. Eric Arthur Blairs (so sein bürgerlicher Name) Charakter wurde in den Jahren 1922 - 1927 festgeschrieben, als er mit 19 Jahren zur britischen Kolonialpolizei nach Burma ging, um dort seinem Land und König zu dienen. Doch er hadert mit seiner Entscheidung, die er scheinbar seinem Vater zuliebe getroffen hat. Orwell entwickelt im Laufe seiner Jahre in Burma einen regelrechten Hass gegen die Kolonialherrschafft, den er allerdings für sich behält. Wie seine Landsleute über die Einheimischen reden und diese behandeln, so abwertend und unmenschlich, stößt den jungen Orwell ab. Er meidet seine Landsleute und verbringt seine Zeit lieber lesend und schreibend - allein. Dieser Roman zeigt die Wurzeln von George Orwells späterem Schreiben, seine Abneigung gegen das Britische Empire, die sehr tiefgreifend ist. Allerdings hätte ich mir noch einen tieferen Einblick in die Psyche dieses sehr introvertierten jungen George Orwells gewünscht - es blieb in meinen Augen leider zu oberflächlich. Paul Theroux liefert uns mit seinem neuen Roman "Burma Sahib" ein Buch, das mit "ein phänomenales Porträt des jungen George Orwell" beworben wurde, auf das ich daher auch sehr gespannt und neugierig war. Leider konnte es mich nicht gänzlich überzeugen, was vor allem an den ständigen Wiederholungen lag, die das Buch unglaublich in die Länge zogen. Zudem wurde mir irgendwann bewusst, dass es sich hierbei wohl doch eher um einen fiktiven Roman handelt, als die tatsächliche Lebensgeschichte Orwells. Natürlich sind auch viele historische Fakten im Roman verarbeitet, sei es Orwells schulische Laufbahn, als auch der familiäre Hintergrund seiner Familie mütterlicherseits und dass sein Vater vor seinem Ruhestand bei der Opiumbehörde in Indien gearbeitet hat. Ebenso wie seine Erkrankung und sein Ausscheiden aus dem Dienst. Insgesamt ist das Buch zwar interessant geschrieben, lässt mich aber sehr unzufrieden zurück, ob seiner Langatmigkeit und dem Fakt, dass es zu viel Fiktion ist, wo ich mir doch mehr Hintergrundwissen erhofft habe.


