Außergewöhnlich - aber kein Highlight
Ja was ist Seegang überhaupt für ein Buch? Ein Sachbuch? Ein Roman? Laut Lasley ist es „eine Art Rätsels Lösung“ (S.298), oder sollte dies zumindest werden. Außergewöhnlich ist es auf jeden Fall. Die Journalistin Tabitha Lasley zieht für einige Monate nach Aberdeen um ein Buch über die Männer zu schreiben, die auf den Bohrinseln der Nordsee arbeiten. Ihren Interviewpartnern nährt sie sich in Bars und auf ausufernden Partys. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben, sodass sie bereits nach kurzer Zeit eine Affäre mit dem verheirateten Caden beginnt. Diese entwickelt sich für sie, nicht zuletzt wegen dem Verhalten von Cadens Frau, äußert schwierig und kräftezehrend. Ihre Recherchen führt sie währenddessen weiter und sie geben ihr tiefe Einblicke in die raue und oft einsame Welt der Offshore-Arbeiter. Irgendwie war mir beim Lesen dieses Buches die ganze Zeit kalt. Und schwer. Schwer und kalt. Vielleicht lag es an Aberdeen oder den Orten, an denen die Plattformen zu finden sind. Oder aber die bedrückende Emotionalität Lasleys ist „Schuld“. Ich empfand dieses Buch einerseits als lehrreich und sachlich, andererseits sehr offen und persönlich. Seegang ist dabei wirklich gut recherchiert. Die Einblicke, die man in die Branche und das was sie mit ihren Arbeitern macht erhält, sind äußerst interessant. Leider passte die Kapitelaufteilung für mich überhaupt nicht. Sie waren zu lang und ich denke, es hätte durchaus Szenen gegeben, die sich besser als Cut geeignet hätten. Am Ende ist dieses Buch sowohl Sachbuch als auch Roman und vor allem Zeugnis einer Branche und vielen Leben, die zumindest meine Aufmerksamkeit erst durch Lasleys Buch erfahren haben.

