Ich habe schon einige Bücher von Mareike Fallwickel gelesen und sie schafft es jedesmal unglaublich lebendige Charaktere zu erschaffen, die echt sind und mit denen man eine tiefe Verbindung eingeht - egal, ob man sie mag oder nicht.
So entstehen reale Geschichten und mit ihnen kommen echte Emotionen, die auch nach dem Ende des Romans noch lange nachhallen.
In "Dunkelgrün fast schwarz" lernen wir die drei Freunde Moritz, Raffael und Johanna kennen, sowie Moritz Mutter Marie. Aus diesen vier Perspektiven springen wir durch verschiedene Zeiten und decken nach und nach auf, wie die die Charaktere miteinander verbunden sind, ihre Geheimnisse, Wünsche und verborgenen Gedanken. Das hat mir so eine große Freude gemacht, dass ich das Buch nur schwer aus der Hand legen konnte.
Man könnte meinen, dass so viele Perspektiven und Zeitsprünge das Lesen erschweren, aber Mareike Fallwickel schafft es, dass das nicht so ist - sondern sich vielmehr logisch ineinanderfügt. Zudem kennt man die Charaktere sehr schnell sehr gut und das Umschalten ist mir daher gar nicht schwer gefallen.
Ich konnte mich gut auf die Beziehungen, die Manipulationen, die dunklen Abgründe und das Sehnen, Wollen und Zaudern einlassen.
Ein grandioses Debüt von Mareike Fallwickel!
Du gehörst mir – Macht, Abhängigkeit und emotionale Gewalt in "Dunkelgrün fast schwarz“
Eine psychologische und feministische Betrachtung
Mit Dunkelgrün fast schwarz legt Mareike Fallwickl einen Roman vor, der sich nur oberflächlich als Geschichte über Freundschaft, Jugend und Wiederbegegnung lesen lässt. Tatsächlich entfaltet sich darunter eine beklemmende psychologische Studie über emotionale Vereinnahmung, Bindungstraumata und die zerstörerische Macht früher Beziehungserfahrungen. Während ihre späteren Werke stärker gesellschaftspolitisch und explizit feministisch auftreten, arbeitet Fallwickl hier subtiler: Das Politische liegt weniger in programmatischen Aussagen als in den Dynamiken zwischen Menschen und den Machtstrukturen innerhalb von Beziehungen.
Einordnung: Zwischen psychologischem Roman und Beziehungsdrama
Genretechnisch lässt sich Dunkelgrün fast schwarz am ehesten als psychologischer Gegenwartsroman mit Elementen eines literarischen Beziehungs- und Entwicklungsromans einordnen. Gleichzeitig besitzt das Buch beinahe thrillerartige Qualitäten. Nicht, weil spektakuläre Ereignisse im Mittelpunkt stünden, sondern weil eine konstante Bedrohung spürbar bleibt. Bereits früh entsteht ein Gefühl unterschwelliger Gefahr – etwas stimmt mit Rafael nicht, lange bevor die Figuren oder Leser:innen begreifen, was genau.
Die verschiedenen Zeitebenen – Kindheit um 2001 und Gegenwart 2017 – verstärken dieses Gefühl. Vergangenheit erscheint hier nicht als abgeschlossene Erinnerung, sondern als psychischer Resonanzraum. Die Kindheit endet nie wirklich; sie schreibt sich fort in Beziehungen, Verhaltensmustern und Ängsten.
Im Vergleich zu Fallwickls späterem Roman Und alle so still wirkt Dunkelgrün fast schwarz intimer und stärker auf einzelne Figuren fokussiert. Während Und alle so still patriarchale Strukturen offen analysiert, untersucht Dunkelgrün fast schwarz eher die Mikroebene: die psychologischen Mechanismen, durch die Macht entsteht. Im späteren Die Wut, die bleibt werden feministische Fragestellungen wesentlich expliziter und gesellschaftskritischer ausgearbeitet. Rückblickend erscheint Dunkelgrün fast schwarz fast wie ein psychologischer Vorläufer: Viele Themen – weibliche Anpassung, emotionale Unsichtbarkeit und asymmetrische Machtverhältnisse – sind bereits vorhanden, nur leiser erzählt.
Psychologie der Figuren: Ein Roman über Bindung und Grenzverletzung
Die größte Stärke des Romans liegt in seiner Figurenpsychologie. Selten wurde toxische Bindung so präzise und gleichzeitig so unangenehm dargestellt.
Besonders Moritz erscheint psychologisch äußerst glaubwürdig. Bereits als Kind übernimmt er die Aufgabe, Rafael emotional zu regulieren. Schon mit acht Jahren besänftigt er dessen Wutausbrüche, schützt andere Kinder und versucht, Situationen zu entschärfen. Aus psychologischer Perspektive erinnert dies stark an Parentifizierung: Ein Kind übernimmt Verantwortung für emotionale Zustände anderer Menschen, statt eigene Bedürfnisse entwickeln zu dürfen. Moritz wird dadurch zum emotionalen Puffer seiner Umgebung. Auffällig ist, dass sich dieses Muster durch sein gesamtes Leben zieht. Er ist konfliktscheu, nicht authentisch und scheint kaum zu wissen, was er selbst eigentlich möchte. Menschen geschehen ihm eher, als dass er aktiv Entscheidungen trifft.
Interessant ist, dass dieses Muster bereits bei seiner Mutter Marie sichtbar wird. Auch sie wirkt passiv, lässt Ereignisse über sich ergehen und hat Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen. Sowohl gegenüber Sabrina als auch gegenüber ihrer übergriffigen Schwiegermutter Brigitte gelingt Abgrenzung erst, nachdem Grenzen bereits massiv überschritten wurden. Es entsteht beinahe ein transgenerationales Muster: Anpassung wird weitergegeben. Besonders erschütternd ist dabei die Erkenntnis am Ende des Romans, als Moritz versteht, dass seine Mutter über Jahre eine Art menschlicher Schutzschild zwischen ihm und Rafael war. Erst rückblickend erkennt er ihre Funktion.
Rafael: Narzisst, Traumatisierter oder Psychopath?
Die komplexeste Figur bleibt Rafael. Zunächst scheint eine einfache Diagnose nahezuliegen: Narzissmus. Rafael manipuliert, kontrolliert, entwertet andere Menschen und behandelt Beziehungen wie Besitzverhältnisse. Der Satz „Du gehörst mir“ könnte über seiner gesamten Figur stehen. Doch der Roman macht es sich bewusst schwer. Bereits als Kleinkind zeigt Rafael massive Auffälligkeiten. Er quält seinen kleinen Bruder Samuel, beißt, schlägt, tritt und scheint anderen Menschen bewusst Leid zufügen zu wollen. Selbst Sabrina berichtet später, sie habe bereits früh gespürt, dass „etwas nicht stimmt“. Hier entsteht fast zwangsläufig eine verstörende Frage: Handelt es sich tatsächlich nur um Bindungsstörungen oder Traumafolgen? Oder beschreibt der Roman einen Menschen mit stark psychopathischen Persönlichkeitszügen? Es fällt auf, wie vorsichtig man mit solchen Zuschreibungen sein müsste. Literatur darf Zuspitzungen vornehmen, dennoch bleibt die Frage interessant, weil Rafael weniger impulsiv oder emotional instabil wirkt als strategisch. Er beobachtet Menschen, erkennt ihre Schwachstellen und passt sich an. Nähe scheint für ihn kein gegenseitiger Raum zu sein, sondern ein Instrument. Gleichzeitig offenbart er später seine Sehnsucht nach Moritz' Mutter und gesteht seinen Neid auf die Fürsorge, die Moritz erhielt. Der Roman öffnet damit bewusst die Henne-Ei-Frage: Wurde Rafael so, weil ihm Bindung fehlte – oder fehlte ihm Bindung, weil andere seine Andersartigkeit früh wahrnahmen? Eine endgültige Antwort verweigert Fallwickl. Und gerade das macht die Figur so beunruhigend.
Johanna: Trauma-Bindung und Selbstauflösung
Noch schwerer auszuhalten als Rafael selbst ist die Beziehung zwischen Rafael und Johanna. Zwischen beiden entsteht ein permanentes Katz-und-Maus-Spiel – allerdings bestimmt nur einer die Regeln. Rafael kontrolliert Nähe und Distanz vollständig. Er entscheidet, wann sie kommen darf, wann sie gehen muss und wie viel Nähe erlaubt ist. Dieses Muster erinnert stark an intermittierende Verstärkung: Unregelmäßige Zuwendung erzeugt paradoxerweise besonders starke emotionale Bindungen. Johanna entwickelt zunehmend obsessive Züge. Sie nimmt Haare aus seiner Bürste mit, sammelt Kleidungsstücke und scheint ihre gesamte Identität um Rafael herum aufzubauen. Die Darstellung ihrer sexuellen Beziehung gehört zu den schwer erträglichen Passagen des Romans. Formal scheint eine Art BDSM-Dynamik vorzuliegen, allerdings ohne zentrale Merkmale gesunder Konsensstrukturen: Es gibt keine sichtbaren Regeln, keine Sicherheit, keine Gleichberechtigung. Stattdessen wirkt Sexualität wie ein weiteres Machtinstrument. Johanna rationalisiert ihre Unterordnung beinahe verzweifelt: Nur sie könne Rafael geben, was er brauche. Gerade diese Selbstrechtfertigungen wirken erschreckend realistisch. Psychisch stabile Menschen mit gefestigtem Selbstwert geraten selten zufällig in solche Dynamiken. Deshalb wirkt die spätere Offenlegung ihrer Vorgeschichte nachvollziehbar: Verletzlichkeit und frühere Traumatisierungen scheinen sie besonders anfällig gemacht zu haben. Tragisch bleibt, dass sie – anders als Moritz – nie wirklich entkommt.
Feministische Perspektive: Unsichtbare Anpassungsarbeit
Feministisch interessant wird der Roman vor allem dort, wo er weibliche Anpassungsleistungen sichtbar macht. Auffällig viele Frauenfiguren ordnen sich unter: Marie macht mit. Johanna macht mit. Sabrina erträgt. Selbst Brigitte reproduziert Grenzüberschreitungen weiter. Besonders Marie wirkt beinahe exemplarisch für weibliche Sozialisation: Dinge passieren ihr, selten initiiert sie selbst etwas. Schon das Kennenlernen ihres späteren Mannes Alexander geschieht auffällig passiv. Auch Alexander greift kaum ein, wenn seine Mutter Brigitte Grenzen überschreitet. Frauen übernehmen emotionale Arbeit, schützen andere und tragen Belastungen — oft ohne selbst geschützt zu werden. Gleichzeitig kritisiert Fallwickl nicht ausschließlich Männer. Sabrina zeigt, dass auch Frauen toxische Dynamiken weitergeben können. Gerade diese Ambivalenz macht die feministische Dimension überzeugend.
Fazit
Mich hat vor allem irritiert – im positiven Sinn –, wie präzise das Buch psychische Verstrickungen beschreibt. Selten hatte ich beim Lesen so stark das Gefühl, keine klassische Handlung zu verfolgen, sondern psychologische Prozesse zu beobachten. Teilweise war das Lesen fast körperlich unangenehm. Besonders Rafael erzeugte ein Gefühl permanenter Unsicherheit. Man wartet ständig auf eine Eskalation. Manche Aspekte wirken stark zugespitzt. Vor allem Rafaels frühe Grausamkeit und seine fast vollständige emotionale Kälte erscheinen teilweise eher wie eine literarische Konstruktion als psychologisch realistische Alltagsdarstellung. Dennoch funktioniert die Figur gerade wegen ihrer Radikalität. Am stärksten bleibt letztlich die Erkenntnis, dass der Roman nicht von einem „bösen Menschen“ erzählt, sondern davon, wie ganze Systeme Menschen in Rollen zwingen: den Retter, die Dulderin, die Angepasste, die Abhängige. Dunkelgrün fast schwarz hinterlässt kein Gefühl von Auflösung oder Katharsis. Eher das beklemmende Gefühl, einen Blick auf Dynamiken geworfen zu haben, die erschreckend real existieren.
Unterhaltende Belletristik mit guter Charakterbeschreibung. Man konnte die Emotionen und das Verhalten der Protagonisten gut nachvollziehen, auch wenn es mich manchmal geärgert hat, wie sie miteinander umgegangen sind 😠
Über Selbstzerstörung, Selbstaufgabe und eine grenzüberschreitende Freundschaft. realitätsnah und sprachgewaltig!
Drei sind einer zu viel?
Der Debütroman „Dunkelgrün fast schwarz“ von Mareike Fallwickl erschien 2018 im Frankfurter Verlagsanstalt Verlag. Auf knapp 480 Seiten thematisiert sie Themen wie Freundschaft, Abhängigkeit, erste Liebe und wie schnell die Grenze zwischen Hingabe und Selbstaufgabe verschwimmen kann. Es war ist mein erstes Buch der Autorin, obwohl ich ihr schon länger auf Instagram folge. Genau deshalb hatte ich bestimmte Erwartungen: eine moderne, feministische Stimme, schwere Themen und das alles in ihrer unverwechselbaren Sprache. Dass mich der Roman dann sofort packen würde, hatte ich trotzdem nicht erwartet.
Im Zentrum steht die Freundschaft zwischen Moritz, Raffael und Johanna. Die Geschichte springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Jugend und späterem Wiedersehen. Parallel dazu wird die Geschichte von Moritz Mutter Marie erzählt. Gerade die Lebensrealitäten der weiblichen Figuren werden dabei so eindringlich erzählt, dass man sie lange im Gedächtnis behält. Erzählt werden die Kapitel wechselnd aus der Perspektive von Moritz, Johanna und Marie, wodurch die Figuren eine besondere emotionale Tiefe bekommen. Raffael dagegen bleibt einem beim Lesen immer etwas fremd und wirkt fast geheimnisvoll.
Was mich schon nach wenigen Seiten komplett abgeholt hat, war die Sprache. Mareike Fallwickl schreibt ungeschönt und legt den Finger direkt in die Wunde.
„Irgendwann wirst du erkennen, dass manche Menschen nur leuchten, indem sie andere ins Dunkle schubsen.“
Manche Sätze wirken beiläufig und bleiben einem trotzdem im Kopf.
„Die Stille ist wie Gelee, das in die Ohren rinnt und sie verschließt.“
Dazu kommen die österreichischen Begriffe und regionalen Eigenheiten, die den Roman realistisch wirken lassen. Die Sprache trägt die isolierte Atmosphäre des Bergdorfs, die Enge und Schwere, die über der ganzen Geschichte liegt.
Besonders beeindruckt hat mich aber die Darstellung der widersprüchlichen Freundschaft zwischen den Figuren. Beim Lesen war ich gleichzeitig wütend, verzweifelt und fassungslos. Warum reagiert Moritz so spät? Warum hilft Marie nicht konsequenter? Warum lässt Johanna sich so behandeln? Diese Fragen haben mich permanent begleitet – und genau darin liegt für mich die Stärke des Romans. Er zwingt einen dazu, über die eigenen Grenzen nachzudenken. Darüber, was man selbst in Freundschaften oder Beziehungen entschuldigt, relativiert oder viel zu lange hinnimmt, obwohl längst klar ist, dass etwas zerstörerisch geworden ist und einem nur noch wehtut.
Dabei hilft auch, dass sich der Roman auf wenige zentrale Figuren konzentriert. So bekommen alle ihre Charaktere den Raum, den sie brauchen, um greifbar zu wirken. Selbst Nebenfiguren, wie Raffaels Mutter, hinterlassen Spuren. Man merkt außerdem in jedem Detail, dass die Autorin die beschriebene Gegend kennt und liebt.
Trotz meiner Begeisterung hatte ich zwei Kritikpunkte. Zunächst die Länge des Romans. Mit knapp 500 Seiten fühlt sich die Geschichte an einigen Stellen sehr lang an und ich glaube, dass man auch mit hundert Seiten weniger denselben emotionalen Effekt hätte erzielen können. Manche Passagen ziehen sich etwas und ich habe bemerkt, dass ich nicht mehr jedes Wort aufmerksam gelesen habe.
Das Ende hat mich leider ebenfalls zwiegespalten zurückgelassen. Die Aussprache zwischen den Figuren wirkte klischeehafter als der restliche Roman. Nach all der emotionalen Härte fühlt sich das Ende fast zu versöhnlich an, auf jeden Fall weniger mutig. Vielleicht hat die Autorin Moritz auch nur ein rundes Ende nach all‘ seinem Schmerz gegönnt. Aber auch Raffaels plötzliche Wandlung gegenüber Johanna habe ich nur schwer schlucken können.
Dunkelgrün fast schwarz ist ein eindringlicher Roman über toxische Dynamiken, Selbstzerstörung, Sehnsucht und die Frage, warum Menschen so oft bei denen bleiben, die ihnen wehtun. Vor allem aber ist es ein sprachlich beeindruckender Roman. Ich gebe 4,5 von 5 Sternen. Definitiv nicht mein letztes Buch von Mareike Fallwickl.
Vergangenheit & Gegenwart aus verschiedensten Perspektiven ergeben ein stimmiges Bild ~Spoilerfreie Bewertung~
Bei dieser Geschichte musste ich mich erstmal in das Geschehen einfinden, der Einstieg fiel mir tatsächlich erstmal etwas schwer.
Lange habe ich mich gefragt, worauf das Ganze hinauslaufen wird & wurde auch bis zum Schluss immer mal wieder überrascht.
Allerdings hat sich das Geschehen durch Vergangenheit & Gegenwart sowie verschiedene Perspektiven wirklich gut aufgebaut.
Es geht um Freundschaft, Liebe & Familie. Aber auch um Verrat, Missgunst & Eifersucht.
Besonders gefallen haben mir die Farben, die immer wieder eingegliedert wurden & somit die Stimmungen & Persönlichkeiten perfekt ergänzen.
Schon alleine wegen des künstlerischen Schreibstils von Mareike Fallwickl empfehle ich dieses Buch gerne weiter, allerdings fand ich persönlich andere Bücher noch fesselnder & hatte hier immer mal Schwierigkeiten, dranzubleiben.
Ein Coming-of-age Roman mit subtiler Patriarchatskritik
Kontrolle, Beherrschung und Manipulation, Abhängigkeit und Unterwerfung – all diese Worte treffen in diesem Roman ausnahmsweise mal nicht auf eine heteronormative Beziehung zu, sondern auf die Freundschaft zwischen zwei Cis-Männern: Moritz und Raffael.
Der schüchterne, ängstliche, sensible und neurodivergente Moritz (er nimmt andere Menschen in einer farbigen Aura wahr) trifft im Alter von drei Jahren auf den selbstbewussten, unerschrockenen und herrschsüchtigen Raffael. Sie werden vermeintlich beste Freunde, doch der Roman stellt immer wieder die Frage, was Freundschaft eigentlich bedeutet und ausmacht. Die beiden Jungs können nicht miteinander aber auch nicht ohneeinander. Moritz verehrt Raffael für seinen Mut und seine Lässigkeit. Gleichzeitig fürchtet er ihn, wie alle Kinder im Dorf, aufgrund seiner sadistischen Ader und seiner gewaltvollen Dominanz.
Als pubertierende Teenager, rebellisch und voller Hormone, tritt ein Mädchen, welches neu auf der Schule ist, zwischen sie. Moritz verliebt sich leidenschaftlich in Johanna und sie werden ein Paar – was ihn wundert, denn eigentlich steht er doch immer im Schatten von Raffael, dem Frauenheld.
Erst 16 Jahre später als Erwachsene, treffen diese drei Menschen wieder aufeinander, und im Rückblick fügen sich dann für die Leser*innen auch viele lose Fäden zusammen.
Eigentlich handelt es sich bei DUNKELGRÜN FAST SCHWARZ nicht um einen explizit feministischen Roman. Ich kann in der Geschichte zwar feministische Erzählmotive erkennen, aber in erster Linie handelt es sich um einen Coming-of-Age-Roman. Einen sehr intensiven, guten und literarisch wertvollen Coming-of-Age-Roman. Mareike Fallwickl nutzt verschiedene Erzählperspektiven und Zeitebenen, um die Geschichte dieser beiden jungen Männer und der später stattfindenden Dreiecksbeziehung zu erzählen. Sie tut dies sehr geschickt und der Roman hat verdientermaßen auch viele Auszeichnungen erhalten. Das Buch entwickelt eine Sogwirkung, es ist spannend und bedrückend gleichermaßen.
Denn die Geschichte zeigt, wie stark das Konstrukt von Männlichkeit bereits das Leben von kleinen Jungs beeinflusst und beeinträchtigt. Moritz ist der typische „verweichlichte“ Junge, eigentlich das gefundene Opfer auf dem Schulhof. Er ist musisch begabt, malt und zeichnet gerne und gut, interessiert sich für Kunst und Kunstgeschichte und mag es, ruhig und in Frieden zu leben. Zu seinem Glück (oder Unglück?) ist der stärkste Raufbold sein bester Freund und damit Beschützer. Raffael bewahrt ihn zwar vor dem Mobbing durch die anderen Kinder, aber nicht vor seinen eigenen psychischen und physischen Grausamkeiten. Raffael entwickelt sich immer mehr zu einem „typischen“ Mann, der aufgrund physischer Stärke und internalisierter Überlegenheit aufgrund seines Geschlechts, skrupellos andere Menschen zu seinem Vorteil manipuliert und ausnutzt.
Neben den beiden Protagonisten des Romans gibt es auch noch die Mütter derselben. Zwei sehr unterschiedliche Frauen, die aber jede auf ihre Weise in den Zwängen des Patriarchats gefangen lebt. Beide wurden ungewollt schwanger, was ihre Lebenspläne zerstört und zu einer unglücklichen Ehe geführt hat. Sie kämpfen mit den typischen Problemen von fast allen Frauen, die ohne intellektuelle oder kulturelle Ansprache mit Haushalt und kleinen Kindern alleingelassen sind. Sie wurden zwar, aufgrund des Kindes, geheiratet, doch danach sich selbst überlassen, da ihnen die gesellschaftliche Rolle der Care-Arbeit zufällt. Erschöpfung, Schlafmangel, Geschwisterstreit, Einsamkeit und Langeweile zehren an ihren Nerven. Und verhindern, dass sie genug Kraft haben, um die kleinen Jungs zu feministischeren Männern zu erziehen.
Ich habe das Buch gelesen, weil es demnächst in meinem Buchclub Die Leserinnen besprochen werden soll. Ich habe es auch gelesen, weil es der Debütroman von Mareike Fallwickel ist und ich tatsächlich bisher noch keinen Roman von ihr gelesen habe, nur ihre Erzählungen und Essays. Jetzt bin ich gespannt, wenn ich ihre anderen Romane in der Reihenfolge des Erscheinens lese, wie ihre feministische Perspektive im Lauf der Zeit immer deutlicher in Erscheinung tritt. Hier wird sie sehr subtil verarbeitet und kann auch leicht überlesen werden. Es war außerdem fast schon befremdlich für mich, nochmal einen Roman zu lesen, der zwei männliche Protagonisten hat.
Mir bleibt nur noch, über die fast schon als typisch „femme fatale“ konstruierte Figur von Johanna zu schreiben. Sie drängt sich in die Freundschaft von Moritz und Raffael. Und sie zerstört diese. Sie ist Opfer und Täterin zugleich und lebt später einen Albtraum von einer toxischen Beziehung zu einem narzisstischen Menschen. Auch sie ist gefangen in einem Herrschaftssystem, welches Mädchen und Frauen wie sie („leicht zu haben“; hoher Body-Count, ein Erscheinungsbild und Auftreten, welches nicht den stereotypen Vorstellungen entspricht, usw.) bestraft. Sie scheint frei und unangepasst zu sein, bezahlt aber einen hohen Preis.
Alle Hauptcharaktere des Romans sind durchweg unsympathisch oder, wie Moritz, stattdessen nervig und bemitleidenswert. Aber dadurch, dass Mareike Fallwickel fast alle als Kinder oder junge Erwachsene einführt und ich als Leserin erfahre, warum sie sich so entwickelt haben, konnte ich das gut aushalten und Verständnis entwickeln. Der Roman beginnt in den 80er Jahren und spielt in der Kleinstadt Hallein, im Salzburger Land, Österreich. Dort, wo auch Mareike Fallwickel geboren und aufgewachsen ist. Ich kann mich gut an die klaustrophobisch engen Verhältnisse in einem Dorf und an die soziale Kontrolle in dieser Zeit erinnern. Diese Atmosphäre fängt sie gut ein und der Roman ist letztendlich fast ein Zeitzeugnis für die Auswirkungen des Patriarchats. Ich bin jetzt sehr gespannt auf ihre anderen Romane!
Ich hatte etwas ganz anderes von dem Buch erwartet. Die Geschichte war viel zu langatmig. Maries Kapitel haben mir noch am besten gefallen, aber auch hier zog es sich am Ende zu sehr. Viele Fragen bleiben für mich offen und ich hätte gerne mehr Erklärungen für gewisse Verhaltensweisen bekommen. Kann die ganzen positiven Bewertungen nicht nachvollziehen.
"Irgendwann wirst du erkennen, dass manche Menschen nur leuchten, indem sie andere ins Dunkle schubsen."
Was für eine Geschichte! Die Erzählung ist so vielfältig, die Autorin hat einen ganz lebendigen und gefühlvollen Schreibstil. Ich finde die Darstellung eines Narzissten ist ihr wirklich gut gelungen und ich habe Raffael und seine Art wirklich gehasst.
Insgesamt fand ich tatsächlich keinen Charakter wirklich gut, weil ich mich irgendwann gefragt habe, wieso denn alle einfach "mitlaufen" und nichts dagegen tun. Aber ich denke, genau das war das Ziel. Hilflosigkeit zu verspüren, weil man irgendwie nicht anders kann.
Das einzige was mich an dem Buch gestört hat, war das Ende - ich hätte mir für Johanna mehr erwünscht. Und die (mMn unnötig) expliziten Sexszenen zwischendrin haben mich rausgerissen (zum Glück waren es wenige), weil ich es irgendwie unpassend fand.
Ansonsten aber wirklich ein sehr gelungenes Buch mit einem ganz tollen Schreibstil, der sich wahnsinnig schnell liest.
Auf jeden Fall eine Leseempfehlung!
4,5/5
Von der Sprache und der literarischen Gestaltung ist dieses Buch wirklich wunderschön, man ist sofort in der Handlung und kann sich sehr bildlich in die einzelnen Situationen hineinversetzen. Schön finde ich auch, dass je nach Perspektive der Sprachgebrauch variiert, besonders bei Jo ist das durch den teils vulgären Sprachgebrauch ziemlich deutlich gewesen. Trotz dessen, dass viel ausgeschweift wird und die meiste Zeit in der Retrospektive berichtet wird, bevor es zum tatsächlichen Zusammentreffen von Moritz, Raffael und Jo kommt, hatte ich nie das Gefühl dass die einzelnen Passagen zu langwierig sind.
Womit ich mich schwer getan habe, war letztendlich die Handlung und besonders die Charaktere. Insbesondere Moritz Mutter Maria hat mich teilweise so sehr frustriert, weil sie nicht nur für sich selbst nicht einstehen kann, sondern auch nicht für ihren Sohn. Das ständige Lügen und Verschweigen in Bezug auf Raf und sein Mobbing gegen Moritz und andere Kinder hat mich richtig sauer gemacht. Welche Mutter würde nicht für ihr eigenes Kind einstehen, vor allem wenn schon körperliche Gewalt im Spiel ist? Moritz kommt ähnlich nach seiner Mutter und wehrt sich kein Bisschen gegen seinen angeblichen besten Freund. Auch hier fiel es mir teilweise schwer weiterzulesen, als Raffael sich plötzlich bei Moritz einquartiert und dieser ihn sogar dann nicht rauswirft, als seine Freundin ihn vor ein Ultimatum stellt. Auch hier frage ich mich, welcher Mann seine hochschwangere Freundin aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen lässt, weil er nicht die Eier hat, seinen „Freund“ rauszuwerfen?
Raffael ist ein regelrechter Soziopath, der andere Menschen nur benutzt und ihnen dann die Schuld gibt, weil sie sich nicht gegen ihren wehren. Jo ist emotional komplett von ihm abhängig und denkt aus irgendeinem Grund, dass Raffael sie genauso sehr braucht, was offensichtlich Schwachsinn ist.
Trotz der hohen Frustration beim Lesen, ist dieser Roman genau aus diesem Grund so so so gut. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, obwohl es mich manchmal richtig wütend gemacht hat und ich mit keiner der Figuren sympathisiert habe. Das ist definitiv ungewohnt, aber sicher genauso beabsichtigt.
Das Ende fand ich okay. Es wird angedeutet, dass Raf sein Herz für Jo doch noch öffnet, was ich dem Plot nicht abgekauft habe. Happy Endings sind schön, aber sie passen leider nicht immer.
Es hat ein paar Seiten gedauert, bis ich reingekommen bin, was nicht an der Geschichte selbst lag, sondern mehr an der Aufmachung. Verschiedene Zeitebenen, wechselnde Perspektiven, das zu durchblicken war anfangs etwas zäh.
Dann aber sprang der Funke über und ab da konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Die Geschichte trifft emotional mit voller Wucht, ich hatte das Gefühl, einmal komplett durch alle Emotionen zu gehen. Sprachlich sehr gewaltig und detailliert, wodurch es so eindringlich wird.
Kein Buch, das man einfach liest und wieder vergisst. Es bleibt im Kopf und irgendwie auch im Gefühl, ganz dunkelgrün.
Konnte mich nicht fesseln, darum Abbruch bei 25%. Musste mich schon bis dahin motivieren und vermutlich zieht die Geschichte im Verlauf noch an. Aber bis hierher fand ich es langweilig und mehr auf die Form bedacht also, als ob die Autorin hat schön schreiben wollen (und das ist ja auch wichtig, dass es gut geschrieben ist, aber die Mühe dahinter will man beim Lesen ja nicht sehen) und mich haben die Figuren und deren Beziehung nicht interessiert. Es war als würden sie zwar beschrieben, aber dann nichts damit gemacht. Jedenfalls, will ich mehr Bücher lesen, die mich begeistern und dieses tut es nicht. Darum: Abbruch.
Gut geschrieben,konnte teilweise die Gedanken und Gefühle der Mutter nachvollziehen,fand die Figuren aber insgesamt nicht so sympathisch und glaubhaft - trotzdem gut zu lesen und empfehlenswert
Das Buch steht schon länger in meinem Bücherregal, weshalb ich nicht viele Erwartungen hatte, aber ich wurde wirklich positiv überrascht.
Man fliegt so durch die Seiten, es lässt sich toll lesen. Die Worte der Autorin gefallen mir, machen die Geschichte roh und authentisch. Oft hatte ich Momente, in denen ich vor allem Moritz in die richtige Richtung schubsen wollte.
Es ist eine Geschichte mit vielen Emotionen. Die Protagonisten haben Tiefgang und man muss wissen, dass der Plot eher düster und oft bedrückend ist.
Ich liebe den kreativen Schreibstil und den Sog, den die Autorin erschafft.
Gleichzeitig missfallen wir einige inhaltliche Aspekte. Figuren handeln sehr fragwürdig, teilweise einfach hirnrissig, damit die Story eine gewisse Spannung oder Spitze bekommt.
Ich wollte stetig weiterlesen, gleichzeitig haben das Buch und die Figuren viele negative Emotionen in mir ausgelöst.
Schwierig, zehrend, aufreibend. Das Buch hinterlässt Spuren. Und macht einen nicht in allen Belangen glücklich.
Wieder einmal hat die Autorin es geschafft, mich schnell in die Welt der Protagonist:innen eintauchen zu lassen und das Gefühl zu vermitteln, man wäre Teil dieser Geschichte. War es unfassbare Wut oder doch eher Mitleid, was mich während des Hörens fast die ganze Zeit begleitet hat? Vermutlich irgendwie beides. Für mich war es eine bewegende Geschichte über toxische „Freundschaften“, den eigenen Selbstwert, Abhängigkeiten und Einsamkeit.
Und sein bester Freund ahnungslos - gefühlt machtlos in diese toxische Beziehung verstrickt.
Ich hatte bei dem Klappentext und auch beim Buchcover ehrlich gesagt etwas ganz anderes erwartet.
Zum Beispiel hat mich die düstere Atmosphäre und die anteilige Grausamkeit des Buches doch sehr (positiv) überrascht.
Aber eigentlich hätte ich wissen müssen, dass Mareike Fallwickel eher eine Autorin ist, die einen kalt dazu zwingt den Blick nicht abzuwenden - die Realität zu akzeptieren. Das war bei "Und alle so still" auch schon so.
Trotzdem haben mich die Zustände um die Charaktere oft sehr bedrückt. Man möchte die Figuren gerne schütteln, ohrfeigen oder aufmuntern und weiß dass selbst das aussichtslos wäre.
Die Story ist voll mit gewollten Ecken, Kanten und Rissen... Darum war ich über das doch recht plumpe und geleckte Ende doch sehr verwundert. Allerdings ist es auch ein echter Balanceakt, einen zufriedenstellenden Abschluss zu formulieren und für einen Debütroman kann sich das Gesamtpaket wirklich mehr als sehen lassen.
So viele Themen: Männer und Frauen, Macht und Sex, Freundschaft und Liebe, Mauern und Freiheit... Gefühle ohne Ende. Ultra spannendt: die Synästhesie der Hauptfigur Motz, die Entwicklung der narzisstischen Züge von Raf und die berührenden Darstellungen der Opferrollen verschiedener ProtagonistInnen, insbesondere Johanna, sowie ihre Entstehung in der Kindheit. Absolute Empfehlung! Durchgehend spannend. Durchgehend eine wunderschöne Sprache, die mich so viele Post-Its verkleben ließ. 💚🖤
Mein zweites Fallwickl Buch und definitiv nicht mein letztes. Es ist unglaublich wie sie es schafft Gefühle so anschaulich zu beschreiben. Diese Geschichte ist der absolute Wahnsinn. Ich konnte es nicht mehr weg legen, weil ich unbedingt wissen musste wie es weitergeht. Gang große Leseempfehlung!
Drei ist einer zu viel - oder eine? Raf und Motz sind bereits seit dem Kindergarten befreundet und durchleben ziemlich alles gemeinsam. Als die geheimnisvolle Jo zu den beiden Freunden dazustößt, wird einiges umgeworfen und aus zwei werden drei. Doch sind die beiden wirklich so gut befreundet, wie es scheint? Und für wen wird Jo sich begeistern?
Was zunächst klingt wie eine Gedchichte, die man schon zich mal gelesen hat, wird ganz anders. Vor allem, weil sie beginnt, als Motz (Moritz) bereits erwachsen ist und ein Kind mit seiner Frau erwartet. Doch dann steht Raf vor der Tür, das erste Mal seit sechzehn Jahren sehen sie sich. Was ist damals passiert, sodass sie getrennte Wege gegangen sind? Warum ist Raf aufgetaucht? Und was hat Jo immer noch damit zu tun?
Stück für Stück liest man mehr von der Geschichte, die so viel mehr beinhaltet, als nur die drei. Da sind noch die Mütter der Jungs und auch die Väter, da sind die Geschwister und da ist ein Baby. Fallwickls Schreibstil mit unglaublichen Bildern und absolut zielsicheren Sätzen hält das Lesen zusätzlich am Laufen. Man möchte nicht aufhören zu Lesen, ohne dass das Buch einen mit Cliffhängern gefangen hält. Alles in einem eine sehr gut erzählte Geschichte voller Leben.
Eins vorweg: Seit langer Zeit gab es in diesem Buch mal wieder einen Protagonisten, der mich rasend gemacht hat und das nicht im positiven Sinne. Mareike Fallwickl hat mit Raffael einen Typen konstruiert, der mich hat in die Tischkante beißen lassen. Es gibt keine:n andere:n Autor:in, die es schafft so viele verschiedene Emotionen in mir auszulösen als Mareike Fallwickl. Und diese Emotionen dümpeln nicht nur bei 20% rum, sondern eher bei 80%.
Inhaltlich hat mir die Geschichte sehr gut gefallen. Diese toxische Freundschaft im Hier und Jetzt als auch in der Vergangenheit. Total spannend fand ich auch, dass das Leben der Mutter Marie in diesem kleinen Dorf beschrieben wurde. Insgesamt sind alle drei Erzählstränge in den verschiedenen zeitlichen Ebenen super interessant und spannend.
Warum auch immer habe ich den Debütroman von Mareike Fallwickl viel zu lange auf meinem SuB gehabt. Ganz klare Leseempfehlung!
Ein intensiver, literarisch dichter Roman über Nähe, Verlust, Schuld und das, was zwischen Menschen unausgesprochen bleibt.
In wechselnden Perspektiven und Zeitebenen nähert sich das Buch seinen Figuren behutsam an und zeigt, wie sehr Vergangenheit und Gegenwart ineinandergreifen.
Ohne zu erklären oder zu entschuldigen, lässt der Roman Gefühle stehen: Widersprüche, Sehnsucht, Überforderung. Genau darin liegt seine Stärke. Man ist nicht bloß Beobachterin, sondern emotional beteiligt – gezwungen zuzuhören, zu verstehen und auszuhalten. Das Buch wirkt nach, weil es keine einfachen Antworten gibt, sondern ehrliche menschliche Innenwelten.
Ein wunderbares Buch - so tiefgründig und schwer. Wahrscheinlich muss man es mehrere Male lesen, um alle Themen zu durchdringen. Denn es geht um soviel: Freundschaft, Liebe, Elternschaft, Sehnsucht, Begehren. Aber auch um Eifersucht, Depression, Enttäuschung und immer wieder Toxizität.
Es hat viel mit mir gemacht. Hat mich in einen Strudel aus Emotionen geworfen und mich nachdenklich wieder ausgespuckt. Ich liebe es, wenn Literatur genau das erreichen kann.
Raffael und Moritz kennen sich, seit sie 3 sind. Zwei Jungs, die unzertrennlich sind, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Moritz ist der Ruhige und Vernünftige von beiden, Raffael der Draufgänger, der keine Grenzen kennt. Eine Verbindung, die immer toxischer wird, je älter die beiden werden. Zumal mit Johanna eine Person in ihr Leben tritt, die aus dem Zweiergespann eine Dreiecksbeziehung mit Folgen macht.
Eine Geschichte mit Sogwirkung, die in Zeitsprüngen und Multiperspektive erzählt wird. Es wird nicht um dem heißen Brei herumgeredet, sondern geht auch sprachlich ordentlich zur Sache. Beim Ende war definitiv noch Luft nach oben.
Trotzdem ein sehr besonderes Buch!
Ich konnte nicht aufhören, als ich mit dem Hörbuch angefangen hatte.
Es war toll geschrieben, mal ein bisschen was anderes. Es hätte mich auch Raphaels Perspektive sehr interessiert.
Ein Buch, welches mich zu Beginn noch etwas verwirrt hat (aufgrund der Jahressprünge und abwechselnden Sichtweisen). Ich kann klar sagen, dass mich der Charakter von Raf und seinem Vater angewidert hat.
Moritz ging mir irgendwie dann langsam auf die Nerven, weil er einfach feig und als Erwachsener kein richtiger Mann war.
Spannend geschrieben, werde es aber kein 2. Mal lesen.
Dunkelgrün, fast schwarz hat mich nach einem etwas anspruchsvolleren Einstieg komplett für sich gewonnen. Die Autorin nimmt sich viel Zeit für ausführliche Beschreibungen von Situationen und Umgebung – anfangs wirkte das für mich etwas gedehnt, im Rückblick aber ergibt es absolut Sinn. Diese detailreiche Atmosphäre schafft eine dichte, fast schon greifbare Stimmung, die das ganze Buch trägt.
Besonders beeindruckt haben mich die Figuren. Die beiden Jungen, die im Zentrum der Geschichte stehen, sind unglaublich stark ausgearbeitet – komplex, faszinierend und mit einer echten Sogwirkung. Aber auch die übrigen Charaktere sind treffend gezeichnet und fügen sich perfekt in die Gesamtkomposition des Romans ein.
Die Spannung bleibt durchgehend erhalten. Trotz, oder gerade wegen der konfliktreichen Themen gab es für mich immer wieder emotionale Aufreger, die das Leseerlebnis intensiv und lebendig gemacht haben. Insgesamt ist es ein kraftvolles, atmosphärisches Buch, das mich nachhaltig beeindruckt und mir große Freude beim Lesen bereitet hat.
Nachdem “Die Wut die bleibt” und “Alle so still” einen Leserausch der besten Art ausgelöst haben, muss man von “Dunkelgrün fast schwarz” eigentlich unweigerlich enttäuscht sein. Während Mareike Fallwickl es eigentlich versteht Charaktere zum Leben zu erwecken, mit denen man selbst bei den wildesten Lebensenscheidungen noch mitfiebert, nerven die Protagonist*innen hier leider schnell. Im ganzen Buch konnte ich leider an keinem Charakter auch nur eine liebenswürdige Eigenschaft erkennen und das gegenseitige an einander aufreiben geht einem Seite für Seite mehr auf den Nerv. Was bleibt ist eine Geschichte die viel interessantes Bereit hält, wenn man sich damit abfindet, dass man keine der handelnden Personen wirklich leiden kann.
——-„Da bist du ja wieder“ sagt das Warten, „ich wusste, du würdest zu mir zurückkommen.“
Das Warten war nie weit fort, jeden Tag konnte es so weit sein, dass Jo ihm über den Weg lief, denn das Warten gehörte zu Raf, wie sein Lächeln, das Brustkörbe aufschneiden kann.——-
-WowWowWow für diese Formulierung- das war so oft mein Gedanke während des Lesens.
Und auch, wenn mich der Verlauf der Geschichte nicht vollends begeistert hat, so hat es auf jeden Fall der Schreibstil der Autorin.
Athmospährisch dicht wird einem hier einiges an Neurodivergenz geboten- durch die verschiedenen Perspektiven wurde einiges an Spannung aufgebaut…die finalen Seiten konnten mich dann leider nicht überzeugen.
Aber, trotzdem gibt es eine Leseempfehlung von mir, einfach weil die Erzählkunst auf ganz hohem Niveau begeistert.
Das Thema nicht so meins und meiner Meinung nach eine ein bisschen an den Haaren herbeigezogene Geschichte, die ein für mich eher vorhersehbares Ende hat. Und von den Charakteren war niemand, den ich besonders ins Herz schließen konnte. Der Schreibstil hat mir allerdings sehr gut gefallen, gewaltige Bildsprache. Die Idee, dass jemand quasi die Aura der Menschen sieht, die Intensität der Farben wahrnimmt - das finde ich sehr schön. Alles in allem war es für mich etwas enttäuschend, weil mir der Wow-Effekt am Ende gefehlt hat und ich mir bei den meisten Charakteren gedacht hab: Bitte wieso macht der/die das? Wieso ist der/die so blind?
Wieder ein spannendes Buch von der Autorin - mit klar gezeichneten Charakteren, die so innig beschrieben werden, dass man sich in jede der Hauptfiguren hinein versetzen kann. Ich hab es gern gelesen.
Etwas verwirrend war (vor allem zu Beginn),dass man direkt mit der Innenschau der einzelnen Protagonisten und diversen Zeitsprüngen beginnt. Aber dranbleiben lohnt - die Story voll Intrigen, Abhängigkeit und der Frage nach Freundschaft hat es in sich!
Minipunktabzug gibt es dafür,dass ich gern gewusst hätte was Raf in Florenz getan hat. Und ob/wie es mit ihm und Johanna weitergeht...aber das ist Geschmackssache😉
In schöner Sprache sehr gut die menschlichen Abgründe , Abhängigkeiten und Zwänge dargestellt. Es zeigt, wie wichtig es ist, sich mit positiven Menschen zu umgeben und sich seiner eigenen Stärken bewusst zu sein.
Ich wusste nicht, was mich erwartet, aber würde gut mitgerissen, auf Spannung gehalten und fasziniert. Ich möchte die verschiedenen Sichtweisen, aus denen geschrieben wurde und die Art und Weise der Autorin zu schreiben und zu beschreiben.
Manche Beschreibungen oder Wörter, die genutzt wurden, finde ich nicht gut gealtert obwohl das Buch noch gar nicht so alt ist. Da bin ich manchmal gestolpert.
Aber sonst ein sehr schönes Buch, was sich so weggelesen hat.
Dunkelgrün fast schwarz ist das zweite Buch von Mareike Fallwickl, dass sich einfach so in mein Leben geschlichen hat, genau dann als ich es nicht gesucht hab, aber anscheinend dringend benötigt hab!
Genau wie 'Die Wut die bleibt', fesselte mich auch dieses Buch mit seinen schonungslos ehrlichen Worten, die tief gehen sollen, auch wenns mal weh tut, aber dafür auch so Augen öffnend sind, dass man sie gar nicht als was negatives abtun könnt.
Ich lieb ihre Art, wie sie schreibt, wie sie zum Denken anregt, wie sie einen zum aufregen bringen kann! Aber auf positive Art und Weise!
All das ist perfekt gewürzt mit dem typischen Wiener Grant, den ich selbst lieb und leb, der sich durch ganz Österreich zieht, egal ob Wien oder nicht. Seit langem mal wieder eine Geschichte über eine Dreiecks Beziehung, die mich nicht genervt aufstöhnen hat lassen, weil voller Klischees, sondern von Anfang an bis Ende mitfiebern hat lassen, wie sich alles auflösen wird, weil voller Klischees ;)
Nach dem „die Wut, die bleibt“ eines meiner Jahreshighlights war, musste ich natürlich auch ihr Debüt lesen und es war ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte. Der Schreibstil ist modern aber auf der andern Seite sehr poetisch dargestellt. Die Protagonisten wurden sehr gut ausgeklügelt, deren Dynamik hat untereinander sehr gut gepasst und dadurch konnten die Themen, die das Buch behandelt noch besser rüber gebracht werden. Es war sehr authentisch. Das Buch hat mich mit voller Wucht getroffen! Ein Highlight!
Mein erstes Buch der Autorin und direkt ein Volltreffer. Sie wird in der feministischen Buchbubble ja sehr gefeiert und ich dachte, ich fange einfach mal mit dem Debüt an.
Da ist zum Einen der fantastische Schreibstil, der tief eindringt und zupackt, einen vor sich her treibt und einen starken Sog auslöst; an den richtigen Stellen aber auch innehält und echte Weisheit offenbart. (Anmerkung: ich mochte als an Sprachvarianten interessierter Mensch auch den österreichischen Slang sehr gern 😁)
Dann die Beziehungen unter den Charakteren und wie das, was "schiefläuft", was sich falsch und verzweifelt anfühlt, die tiefe Einsamkeit, im Endeffekt auf partriarchale Strukturen zurückzuführen ist. Wie tief das sitzt und wie es sich über die Generationen hinweg auswirkt. Es werden gar nicht alle Fragen abschließend geklärt, aber das müssen sie auch gar nicht, da das Buch trotzdem wirkt.
Ich fand es großartig und freue mich schon auf die weiteren Bücher der Autorin (wenn ich mich von diesem erholt habe 😅).
Die Geschichte ist ganz süß, was ich aber am besten an dem Buch finde ist der Stil. Die Autorin schreibt so detailreich und ausführlich wie ich es bisher noch nicht gelesen habe. Manchmal reicht es fast an ein Gedicht ran so poetisch ist es. Das trifft aber auch den Kern des Buchs und das Talent eines der Hauptfiguren, Menschen als Farben wahrzunehmen. Wie eine Art Aura die sonst keiner sieht. Ich mag es weil es so besonders ist.
Ich liebe fast alle Bücher von Mareike Fallwickl. Dieses war irgendwie anders als erwartet, aber unheimlich spannend und absolut zu empfehlen!
Es ist zu einem meiner Highlights geworden und ich werde es definitiv noch einmal lesen irgendwann☺️