17. Nov.
Berührende Themen ungewöhnlich umgesetzt
Rating:3

Berührende Themen ungewöhnlich umgesetzt

✨Rezensionsexemplar✨ Nachdem mich „Wild wuchern“ von der Autorin richtig umgehauen hat, wollte ich nun auch gern ihr Debüt lesen, welches vor Kurzem als Taschenbuch erneut veröffentlicht worden ist. Erste Sätze: „Ich hatte keine Brüste mehr. Was würden sie zu Hause sagen, wenn ich zurückkäme und sie sehen würden, dass ich meine Brüste auf dem Festland gelassen hatte? Es waren große Brüste gewesen. Schwere, fleischige Bälle.“ Darum geht es: Klarissa übersteht eine schlimme Krankheit und ihr Bruder holt sie zurück auf ihre fiktive Heimatinsel. Dort wartet vor allem ein wortkarger Vater und ein schwieriges Verhältnis mit der Stiefschwester. Außerdem gibt es schwere ökonomische und ökologische Probleme, denn es regiert ein Großkonzern und dieser will alles verdrängen… Das Buch fängt richtig stark an. Katharina Köller hatte demnach von Anfang an einen richtig tollen Schreibstil. Man könnte sich unzählige Sätze und Zitate notieren (was ich auch getan habe). Klarissas Schicksal geht einem nahe und auch das, was ihrer Schwester zwischendrin noch passiert ist absolut heftig. Das Buch hat auch magisch realistische Elemente. Leider immer ein hit or miss Genre. Irgendwann hat mich das Buch leider etwas verloren. Es beschäftigt sich mit allen Bewohnern der Insel, es geht vielfach ins Detail, wir gehen in die Vergangenheit, plötzlich sind wir wieder in der Gegenwart. Es ist kein Buch für Zwischendurch, was gut ist, es entschleunigt auch. Aber nach den ersten richtig starken 100 Seiten habe ich mir doch einen anderen Verlauf und andere Prioritäten vorgestellt. Nichtsdestotrotz beschäftigt es sich auf ungewöhnliche und intensive Weise mit wichtigen Problemen unserer Zeit. Daher bin ich auf jeden Fall trotzdem froh, dass ich das Buch gelesen habe. Ich werde sicher noch länger darüber nachdenken. Zitat: „Dabei wanderte sein Blick meinen Hals entlang und über die Oktopus-Tentakel. Er machte eine Bewegung mit dem Kopf, die signalisierte, dass er mehr von dem Oktopus sehen wollte. Es war eine auffordernde, aber keine fordernde Geste. Ich zog meinen Ausschnitt nach unten und zeigte ihm die Oktopus-Augen.“ Macht Euch sehr gern ein eigenes Bild. 3/5⭐️⭐️⭐️

Was ich im Wasser sah
Was ich im Wasser sahby Katharina KöllerFrankfurter Verlagsanstalt