Überaus faszinierend und klug, diese mit phantastischen Elementen erzählte literarische Fiktion, die der Biografie Mary Shelleys folgt. Und wie gerne hätte ich mehr der sicher vorhandenen Bezüge zu klassischen Texten erkannt, leider kenne ich aber nur Mary Shelleys "Frankenstein" und weiß nur wenig über Lord Byrons Schaffen.
Für einen längeren Text über diesen Roman brauche ich noch Zeit ...
Zwischen salziger Meeresluft und flüsternden Erinnerungen entfaltet sich eine Geschichte, die sich wie ein melancholischer Schleier um das Herz legt. Die Begegnung mit Mary Shelley fühlt sich dabei überraschend nah an, fast so, als würde ihre Trauer leise zwischen den Seiten weiterleben.
Die Verbindung aus historischer Realität und fantastischer Idee hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Diese Reisen durch Erinnerungen wirken wie fragile Fenster in eine zerbrechliche Vergangenheit, voller Sehnsucht, Schmerz und unausgesprochener Fragen. Besonders die düstere Atmosphäre rund um La Spezia bleibt lange spürbar.
Gleichzeitig fordert die Geschichte Aufmerksamkeit. Manche Wendungen wirken bewusst verschachtelt, fast wie ein Labyrinth aus Zeit und Raum. Das hat mich stellenweise kurz aus dem Lesefluss gerissen, aber nie wirklich losgelassen.
Was bleibt, ist ein eindringliches Gefühl von Verlust und der leisen Hoffnung, Antworten in den Schatten der Vergangenheit zu finden. Ein Roman, der nicht nur erzählt, sondern nachhallt.
Einer der bekanntesten Romane der Welt dürfte wohl Mary Shelleys „Frankenstein“ sein. Doch wie so oft kennt man die Romane, aber selten das Leben der Autor*innen dahinter. Shelleys Ehemann verunglückte in jungen Jahren auf dem Meer und Autor Plaschka wandelt dieses Schicksal in einen historischen Roman mit Fantasy-Elementen.
Der Anfang hat mich direkt in den Bann gezogen. In die Gedanken fremder Menschen eintauchen, ihre Leben leben. Sicherlich eine faszinierende Angelegenheit, die ich gerne mal erleben würde.
Doch so schnell mich das Buch in seinen Bann zog, so schnell verlor es mich leider auch wieder. Gerade am Anfang wurden viele Namen in die Geschichte gebracht, die alle einen ähnlichen Klang hatten und manche davon mit zusätzlichen Spitznamen daherkamen. Dies ist Historie und nicht die Schuld des Autors, hinderte mich jedoch im Lesefluss.
Für die Geschichte war es zum einen wichtig, dass die Beziehungen der Shelleys detailliert dargestellt wurden, zum anderen, dass der zeitliche Verlauf rückwirkend spielt. Die Gedankenreisende begibt sich Stück für Stück in der Geschichte zurück, sodass man Puzzleteil für Puzzleteil erhält, aber auch alles rückwirkend verstehen und zusammensetzen muss. Dabei hatten die Beziehungsparts oft Längen, die ich nicht immer einordnen konnte.
Das Buch war in mehrere Teile unterteilt und erst gegen Ende kam ein kompletter Teil aus einer neuen Perspektive, die sich komplett flüssig lesen ließ. So hätte ich es mir gerne gewünscht.
Sobald ich verstand, worauf der Autor abzielt, war auch das Ende des Buches schnell absehbar, welches dann auch zügig kam. Somit war das Buch für mich gefühlt eher 300 statt 400 Seiten lang. Gute 40 Seiten widmete der Autor dem Abspann, um einzelne Schicksale abzuschließen und Fäden zusammenzuführen. Dabei habe ich am Ende bereits nicht mehr alle Charaktere auf dem Schirm gehabt und hätte von den Infos wohl nur die Hälfte gebraucht. Dementsprechend habe ich leider stellenweise überflogen.
Abschließend eine herausragende Recherche mit interessanter fantastischer Interpretation, die leider in der Umsetzung nicht gänzlich überzeugen konnte.
“Wir tragen eine ganze Welt in uns herum! Und diese Welt kann man bereisen - wenn man weiß, wie. Letztlich ist eine Kunst wie jede andere.” (Die Geister von La Spezia, S. 31)
Die englischen Romantiker haben mich schon während meines Studiums der Englischen Literaturwissenschaft sehr interessiert und deswegen war es keine Frage, dass ich “Die Geister von La Spezia” lesen wollen würde. Das Cover ist ganz in der Tradition der damaligen Schauerromane gestaltet, also mystisch angehaucht, mit den typisch nebulösen Rückenfiguren a la Caspar David Friedrich. Auch der Titel lässt vermuten, dass es hier um das Übernatürliche und Irrationale geht, mit dem sich die Romantiker des 19. Jahrhunderts ausführlich beschäftigt haben.
Im Roman geht es darum, dass die trauernde Witwe Mary Shelley im Italien des Jahres 1822 auf Pat Colombari trifft, eine Privatermittlerin, die vom Vater des verstorbenen Percy Bysshe Shelley beauftragt wurde, den frühen Tod seines Sohnes bei einem Segelunfall im Golf von La Spezia aufzuklären. Pat kann auf eine übersinnliche und doch gleichzeitig wissenschaftliche Art und Weise mittels Elektroden und Galvanismus auf die Erinnerungen von Mary zugreifen und findet sich somit in Situationen der Vergangenheit wieder, als wäre sie dabei gewesen. Wir lernen also alle kennen, mit denen sich die Shelleys damals umgaben - und natürlich “treffen” wir auch auf den großen Shelley selbst. Und letztlich gibt es ein riesiges Handlungskuddelmuddel mit Segeleskapaden an italienischen Küsten, Schauergeschichten am Genfer See, polyamourösen Affären, Kindern (Triggerwarnung: einige davon sterben), dubiosen Ärzten (Dr. Polidori), “Namensdoppel- und dreifachungen”, Lord Byrons kapriziösem Charakter, Ladanum-Exzessen, Experimenten mit Menschen und auch immer wieder ein bisschen Poesie - Letzteres ist für mich eigentlich das Highlight gewesen.
Ich hab wirklich lange durchgehalten in diesem prosaischen Konglomerat - aber irgendwann bin ich ausgestiegen. Klar, die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten, aber dennoch wurde sie so krude verformt, dass mir das daraus Getöpferte leider gar nicht mehr zugesagt hat. Irgendwann sind sie mir alle nur noch auf die Nerven gegangen: Mary, Byron, Claire, Elise, Pat, Trelawney, Polidori, Williams und selbst Shelley sehe ich jetzt gar nicht mehr mit romantischen Augen aus der Ferne - was für ein nerviger Typ (zumindest durch den Spiegel von Oliver Plaschka). Der Autor ist promovierter Akademiker und droppt hier so viele Fakten in seine Erzählung, dass man am Ende selbst als studierte englische Literaturwissenschaftlerin, der die meisten genannten Personen und Geschehnisse etwas gesagt haben, nur noch lost ist: wer spricht hier, wann passiert das und wer ist jetzt überhaupt gemeint?
Ein Glossar und Personenverzeichnis wäre für dieses Buch Pflicht gewesen und hätte bestimmt geholfen, sich durch diesen Erzähldschungel durchzukämpfen.
Ein intellektuelles Kettenkarussell, das sich total verworren hat und ich empfehle nur absoluten Byron-Shelley-Mary-Ultras, hier einzusteigen.
Ich habe Die Geister von La Spezia mit ziemlichen Erwartungen begonnen – allein schon wegen der faszinierenden Ausgangsidee rund um Mary Shelley.
Was mich von Anfang an gepackt hat, war die Stimmung. Oliver Plaschka schafft es unglaublich gut, dieses melancholische, fast nebelverhangene Italien des Jahres 1822 lebendig werden zu lassen. Besonders toll fand ich die Verknüpfung von historischer Realität mit fantastischen Elementen.
Mary Shelley selbst fand ich als Figur sehr gelungen. Ihre Trauer um ihren Mann fand ich recht greifbar. Ich mochte, wie verletzlich sie dargestellt wird, aber gleichzeitig auch neugierig und mutig. Auch die Begegnungen mit historischen Persönlichkeiten wie Lord Byron habt mir gefallen.
Ein bisschen zwiegespalten war ich bei der Figur der Pat Colombari. Einerseits fand ich sie erfrischend anders – diese fast schon exzentrische Ermittlerin mit ihren ungewöhnlichen Methoden bringt Spannung in die Handlung. Ich hätte mir gewünscht, noch mehr über sie zu erfahren.
Toll fand ich das Thema , wie Erinnerung im Mittelpunkt stehen. Diese Idee, dass Erinnerungen nicht verlässlich sind, sondern sich verändern, verzerren oder sogar eigene Realitäten schaffen, fand ich interessant. Beim Lesen habe ich mich oft gefragt, was „wirklich“ passiert ist und was vielleicht nur eine Projektion von Marys innerem Zustand ist.
Was mir ebenfalls nicht durchgehend gefallen hat, war das Tempo. Es gibt durchaus Passagen, die sehr dicht und intensiv sind, in denen ich komplett versunken bin – und dann wieder Abschnitte, die sich etwas gezogen haben oder in denen ich den roten Faden kurz verlor.
Die Grundidee hat mich überzeugt: die Verbindung von Literaturgeschichte, persönlichem Verlust und etwas übernatürlichen Kräften. Trotzdem hätte ich mir an ein, zwei Stellen etwas mehr Klarheit gewünscht, einfach um bestimmte Zusammenhänge besser greifen zu können.
Fazit: Dieses Buch hat mich auf eine ganz eigene, stellenweise sehr atmosphärische, aber auch etwas durchwachsene Reise mitgenommen. Wenn man sich für Frankenstein und die Hintergründe von Mary Shelleys Leben interessiert, lohnt sich diese Reise nach La Spezia auf jeden Fall.
Nach dem neugierig machenden Prolog hatte ich mich auf eine mystische Fantasy Geschichte gefreut, die nur langsam ihre Geheimnisse offenbart. Leider kam ich überhaupt nicht in die Geschichte rein. Die ProtagonistInnen sind von historisch wahren Persönlichkeiten inspiriert und viele der Geschehnisse sind nach wahren Begebenheiten. Man wurde direkt am Anfang mit so vielen Figuren auf einmal konfrontiert, dass ich auch nach über 100 Seiten immer noch nicht wusste wer wer ist. Ich denke der Autor wollte die Geschehnisse möglichst historisch korrekt schildern. Allerdings kam ich als Person, die die Historie und die historischen Persönlichkeiten nicht kennt, ohne entsprechende Einleitung überhaupt nicht in die Geschichte rein. Auch der Fantasy Aspekt wird verwirrend geschildert und bis zum Ende habe ich nicht ganz verstanden, wie die übersinnlichen Mitteln nun funktionieren. Ich bin es als Fantasy Leserin gewohnt nicht direkt in eine neue Welt finden zu können oder dass am Ende noch Fäden offen sind. Allerdings konnte ich in diese Geschichte bis zum Ende nicht richtig reinfinden. Mir fehlte der gewohnte Moment, wo man in eine Geschichte endlich richtig eintaucht. Dieses Buch lässt mich leider nur verwirrt zurück und ich habe nicht das Gefühl die Figuren richtig kennengelernt zu haben.
Eine super Idee aber man muss die Klassiker mögen und viel Puste haben.
Ich dachte dieses Buch ist mal was anderes…..war es auch aber total zäh find ich.
Man findet schlecht rein, die Protagonisten sind alle schnell und chaotisch dargestellt.
Einzig Pat ist eine Konstante. Man rennt von Klassiker zu Klassiker Unfall doch eigentlich den Tod von Shelley aufklären….
Alles in alles war es grade ok, nochmal würde ich es nicht lesen und empfehlen würde ich es nicht als erstes.