Egal ob autobiographisch oder fiktiv, mit der Niederschrift dieser Familiengeschichte hat AR viel Mut bewiesen.
Eingebettet in die Ereignisse rund um die deutsche Wiedervereinigung, erzählt Sie ihre(?) Biographie.
Dabei ist sie schonungslos ehrlich, thematisiert Gewalt und Vernachlässigung. Sie beschreibt auch die Sozialstruktur der Nachtwendezeit.
"Meine Kindheit bleibt ein dunkler Traum, aus dem ich nicht erwachen kann."
Das Buch hat mir ganz schön zugesetzt. Floskeln wie: "Stell dich nicht so an." kamen mir nur allzu vertraut vor.
Ich ziehe meinen Hut! 🎩
"Wie soll eine Welt ohne Vergangenheit eine Zukunft haben?"
Ein wirklich sehr interessantes Buch! Die Zusammenhänge zwischen dem Weltgeschehen und dem Verhalten von Menschen werden anhand einer spezifischen Familie aufgezeigt. So erhält man einen ganz guten individuellen Blickwinkel auf die Geschichte.
Anfangs fand ich es etwas befremdlich mit den Passagen in kursiv, die dazu dienen, einen inneren Monolog abzubilden. Mit der Zeit habe ich mich damit aber angefreundet.
Auf jeden Fall eine Leseempfehlung für alle, die sich für Geschichte interessieren - im Übrigen generell ein immernoch aktuelles Buch, das den Horizont erweitert.
Vergessen geglaubte Erinnerungen werden wach - eingebettet in eine brutale Familiengeschichte
Überraschendes Buch, am Ende etwas wilde Einbringung verschiedenster, durchaus geschichtlich relevanter Ereignisse.
Die ostdeutsche Geschichte, erlebte Traumata und die intergenerationale Weitergabe dieser wird fortgeführt bis ins Jahr 2022. vergessen geglaubte Ereignisse in der jüngeren Zeitgeschichte werden wieder hervorgeholt. Manchmal fehlt mir hier zwar der Bezug zur Familiengeschichte, allerdings wird hierdurch der Plot deutlich informativer. Auch ist die Familiengeschichte nicht aufgelöst, Probleme nicht bearbeitet, Gefühle und Erlebnisse bleiben unbearbeitet, ein paar mehr Seiten hierzu hätte der Roman noch vertragen.
Insgesamt eingängiger Schreibstil, der mir gut gefiel.
Ein Roman über das Spuren suchen der eigenen Herkunft. Verstehen zu wollen, verbunden mit der Angst, Wahrheiten zu erfahren, die einem die Kindheitsbilder von den Augen reißen. Und doch zu ahnen, dass dieser Weg gegangen werden muss, wenn es besser werden soll in einem drin.
Mit Gedichten, Liedzeilen und Gedankenfragmenten nähert sich die Protagonistin Stine ihrer Familie über die Suche nach der Vergangenheit ihres Großvaters mütterlicherseits. Gleichzeitig schildert sie anhand ihrer eigenen gewalttätigen elterlichen Erziehung das Aufwachsen in der verschwindenden DDR. Alles ist miteinander verknüpft, die kriegstraumatisierten Männer und Frauen, die nach dem Krieg fleißig einen neuen, besseren Staat aufbauen wollen und den Krieg einfach nur vergessen wollen; die Gewalt, die in den Familien zum normalen Miteinander gehört, die jeder kennt und keiner sieht; die Frustration nach dem Mauerfall, sich vom Westen und den Westlern übervorteilt und ausgebootet zu fühlen, der sich wiederum in der Gewalt gegenüber Asylbewerbern entlädt; frustrierte Lehrer, die der Generation Jahrgang '86, die die DDR nicht mehr erlebt hatten und sie nur durch die Geschichten der Erwachsenen kannten, nichts bieten konnten. Schweigen über die Vergangenheit, keine Reflexion innerhalb der Familie über den Staat, den es nicht mehr gab.
Es ist das allgegenwärtige Schweigen und die erlernte Angst vor den Folgen beim Fragen stellen, die die Schatten der Vergangenheit nähren und Stine lähmen. Rückzug und Unsichtbar werden sind ihre Auswege. Und doch ist da die Neugierde, die Suche nach den Wurzeln, die Stine in Staatsarchiven auf die Suche gehen lassen, wenn sie von der eigenen Familie nur schöngefärbte Worte bekommt, denen sie nicht glaubt.
Das Mosaik setzt sich allmählich zusammen, Leerstellen werden anhand von Hypothesen, erinnerten Sätzen aus der Vergangenheit oder Wunschdenken gefüllt. Der Roman beschäftigt sich mit einer Seite der jüngeren deutschen Geschichte, die in mir ebenfalls in Vergessenheit geraten ist. Doch die Tatsachenberichte aus den 00er Jahren kenne ich und die Erinnerung an diese Zeit steigt in mir auf.
Ein Versuch, die DDR, das Leben , die Hintergründe, das Vertuschen und Wegschauen zu verstehen, gefärbt vom eigenen familiären Erleben mit einer gefühlskalten Mutter.
Ich konnte mich nicht so wirklich mit ihr verbinden, zu überzeugt, von der Richtigkeit ihres eigenen Tuns !
Stine wird kurz vor dem Fall der Mauer in der DDR geboren. Ihre Kindheit ist geprägt von Gewalt und Missbrauch durch die gefühlskalte Mutter. Ihr Vater schaut nur zu. Als Erwachsene versucht Stine ihre Familiengeschichte, insbesondere die ihres Opas Paul aufzuarbeiten und zu verstehen wieweit ihre Familie in das DDR Regime verstrickt war. Als Leser folgen wir ihr durch diese Recherche und immer wieder fließen Erinnerungen aus Stines Kindheit mit ein. Das ist meistens sehr schwer zu lesen und noch schwerer zu ertragen oder zu begreifen.
Aber warum heißt das Buch dann "Die Möglichkeit von Glück" an diesem wirklich glücklosen Ort der Stines Familie war?
Eine schwierige Frage die ich mir selbst so beantwortet habe: das Überwinden von transgenerationellem Trauma, das Durchbrechen von der Spirale des Missbrauchs die in Stines Familie von Generation zu Generation weitergetragen wird, die aber durch Stine und auch ihren Bruder Tim nicht an die nächste generation weitergegeben wird. Aber auch die Liebe zwischen Stine und ihrem Großvater Paul, der sich trotz der geschönten Anekdoten über sein Leben, die er Stine bei ihren gemeinsamen Spaziergängen erzählt, als wahrscheinlicher Täter entpuppt. Aber vielleicht ist auch der Wahlspruch von "nie wieder Faschismus" gemeint, der zunächst großes Glück versprochen hat und dann in der Katastrophe endet...
Ich habe viel durch dieses Buch über die DDR und die Wende gelernt. Bei uns in der Schule war das eigentlich nie Thema. Warum eigentlich? Auch wenn es durch die Aneinanderreihung von Anektoten, Erinnerungen und Recherchen manchmal etwas schwierig war dem Fluss zu folgen, hatte das Buch für mich dennoch einen Sog. Das Ende fand ich leider unbefriedigend, aber vielleicht liegt es daran dass das Buch leicht autobiographische Züge hat und so eben das Resultat der eigenen Recherchen von Anne Rabe war. Wer weiß?
Schwierige Lektüre um die fehlende Aufarbeitung des 2. WK und die Folgen für die zur Wende geborenen Generation in der DDR.
Wer waren die Guten? Wer waren die Schlechten?
Es wirkt definitiv nach und ich brauche noch einige Zeit das zu verdauen.
Besonders in Hinblick darauf, dass ich das Buch nicht freiwillig, sondern als Unilektüre über Ost/West lesen musste, fand ich’s gelungen! Die ersten 2/3 waren wirklich gut - sehr düster, brutal und schlimm, aber gut geschrieben. Das letzte Drittel hat mich leider gar nicht mehr abgeholt. Insgesamt habe ich viel über die DDR Zeit gelernt. Also so 2.5-3 Sterne, würde ich sagen
Besonders in Hinblick darauf, dass ich das Buch nicht freiwillig, sondern als Unilektüre über Ost/West lesen musste, fand ich’s gelungen! Die ersten 2/3 waren wirklich gut - sehr düster, brutal und schlimm, aber gut geschrieben. Das letzte Drittel hat mich leider gar nicht mehr abgeholt. Insgesamt habe ich viel über die DDR Zeit gelernt. Also so 2.5-3 Sterne, würde ich sagen
Die Möglichkeit von Glück von Anne Rabe
Meine hohe Erwartungen, auch weil der Roman auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2023 war, wurden leider nicht erfüllt.
Stine, 1986 geboren in einer kleinen Stadt an der Ostsee in Mecklenburg, ihre Kind- und Jugendzeit verbracht in der Nachwendezeit, macht sich auf die Suche nach Antworten, weshalb ihre Familie, und somit auch ihr Leben, so ist/war wie sie/es ist/war.
Geprägt von Gewalt und Sprachlosigkeit, wächst sie zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Tim mit einer sadistischen, tyrannischen Mutter und einem Vater, der über alles hinweg sieht und tot schweigt, auf.
Sie wird misshandelt, nimmt vieles auf sich, um ihren kleinen Bruder zu schützen, und will eigentlich nur Liebe, Wertschätzung und Anerkennung.
In der Schule hat sie wenig Freunde, da über ihr immer noch der Rauch der sozialistischen, diktaturstaatsnahen Famile schwebt.
Die Lehrer sind mit ihren Aufgaben überfordert, denn wurden sie einst dahingehend ausgebildet, aus den Kindern und Jugendlichen sozialismustreue Anhänger zu formen.
Bei ihrer Recherche, die auch ihre Großeltern mit einbezieht, findet sie Archivauszüge aber keine Stasi-Akten. Ihr Großvater mütterlicherseits, zu dem sie eine gute Beziehung führte, der ihr aber auch nicht viel erzählte, außer das Schönreden mit der Aussage "wir wollten keinen Faschismus mehr", hatte unzählige Orden aber eine Stasi-Akte war auch nicht mehr vorhanden.
Die Mutter arbeitete in einem Kinderheim, in dem strukturelle Gewalt an der Tagesordnung stand.
Wir bekommen mehrere Möglichkeiten aufgezeigt, in wieweit der Großvater mit der Stasi verstrickt sein hätte können.
Was die Mutter erlebt hatte, welche Traumata sie mit sich führt, um so tyrannisch und sadistisch zu sein, erfahren wir gar nicht.
Was Stines Vater widerfahren ist, um so devot zu sein, außer das er auch einen furchtbaren Vater hatte, wird auch nicht ausgearbeitet.
Nach dem Abitur bricht Stine mit der Familie und geht nach Berlin.
Zu ihrem Bruder, der ebenfalls weggezogen ist, hält sie die Verbindung.
Für mich bleiben einfach zu viele Handlungsstränge offen.
Anne Rabe ist, wie Stine, 1986 in Wismar an der Ostsee geboren und in wieweit ihr Roman auch autobiografisch ist, bleibt unklar.
Die Geschichte wird aus Sicht von Stine erzählt und immer wieder kursiv geschriebene Abschnitte, die in der zweiten Person Singular erzählen. Ich weiß immer noch nicht, wer der Erzähler war....ihr Bruder?.... Selbstgespräche?
Außerdem fand ich den kompletten Roman zu sprunghaft, nicht chronologisch genug.
Mich hat die Schreibweise eher verwirrt.
Klar bekam man einige Einblicke in die DDR- und Wendezeit, aber die körperliche und psychische Gewalt innerhalb der Familie tritt stets in den Vordergrund. Und diese gewalttätige Abhandlung in Bezug auf den diktatorischen Sozialismus wurde mir persönlich nicht ausreichend gegenüber gestellt.
Der Roman Simone von Anja Reich hatte den Maßstab für dieses Thema aber auch ziemlich hochgelegt.
Warum dieses Buch einen Buchpreis bekommen hat ist mir absolut schleierhaft!
Völlig unstrukturiert, es werden fragmentiert Erinnerung aneinander gereiht. Die traumatischen Erlebnisse nehmen sehr viel Raum ein und bestimmen den Tenor des gesamten Buches. Das einzige was ich an dem Buch gut fand war die informative Seite über die Nachwendezeit.
Ein Buch für alle, die stille, eindringliche Literatur und Geschichten über vererbte Traumata und den Schmerz, nirgends dazuzugehören, mögen. Insbesondere für ostdeutsche Millenials ist es sehr lesenswert.
Ich weiß gar nicht, wie genau ich das Buch beschreiben soll. Es geht um Stine, die ein paar Jahre vor dem Mauerfall geboren ist und deren Eltern die (ehemalige) DDR verherrlichen. Es war alles sehr politisch, da habe ich auch einiges gelernt. Dass es aber auch um die gewalttätige Erziehung von Stine und ihrem Bruder Tim geht, wusste ich nicht vor dem Lesen. Die Gewaltanteile waren so schlimm, so bedrückend für mich, dass ich insgesamt 2 Wochen an dem Buch gelesen habe, weil ich immer mal pausieren musste.
Ansonsten war es mir leider zu chaotisch aufgebaut. Der Schreibstil hat mir zwar gefallen, aber es war so unchronologisch vom Aufbau her, dass ich es schwer fand mitzukommen. Mitgenommen vom Inhalt habe ich trotzdem einiges & ich glaube auch, dass es vielen Leuten gefällt, die gern Belletristik & Sachbücher lesen!
Ich hatte hohe Erwartungen an das Buch.
Leider muss ich sagen das es die Zeit nicht wert war.
Die Geschichte hatte keinen roten Faden, zu viele Fässer wurden aufgemacht und nicht behandelt.
Zu viele Themen in den Raum geworfen aber sehr einseitig. Um so mehr ich im Buch vorankam um so frustrierter wurde ich.
Es gab ein paar interessante Passagen aber die wurden nicht weiter heraus gearbeitet.
Dieses Buch konnte mir gar nichts geben und wie es letztlich in der DDR gewesen sein muss, konnte mir dieses Buch auch nicht glaubwürdig nahe bringen.
Insgesamt ein interessantes Buch, mit - für mich neuen Aspekten über die DDR.
Es wirkt auf mich als finden sich die Abgründe der DDR-Geschichte in der Familie der Protagonistin wieder, was sehr eindrücklich beschrieben wird. Das Thema Gewalt spielt in dem Buch eine zentrale Rolle, was mich noch sehr lange beschäftigte. Der Erzählstrang ist häufig unterbrochen durch „Situationssprünge“.
🩵
25 Frauen 2025 - Buch 35:
Ich habe die ersten Sätze gelesen und war sofort drin in dem Roman. Anne Rabe ist meiner Meinung nach ganz großartig, was das Kreieren von Stimmungen betrifft.
Stine, die kurz vor dem Ende der DDR geboren wurde, erinnert sich an ihre Kindheit und an ihren Bruder Tim. Dabei vergleicht sie auch die Erziehungsmethoden ihrer Eltern damit, wie sie und Tim mit den eigenen Kindern umgehen. Ich finde den Stil super! So wie Stine nichts über die (politische) Vergangenheit ihrer Familie weiß und sich alles zusammenreimen und -suchen muss, so stehen für die Lesenden in Bezug auf die Familie auch erstmal nur Andeutungen im Raum, die sich erst nach und nach zu einem grausamen Bild zusammensetzen. Für mich war es zeitweise schwierig, weiterzulesen, weil die familiären Umstände so bedrückend sind (Triggerwarnung: es passiert alles Schlimme, das man sich vorstellen kann und anschließend wird es ausgeschwiegen).
Leider hat mir der Roman gegen Ende weniger gefallen. Ich kann zwar nachvollziehen, dass viele Hintergründe zur Geschichte und Politik der DDR einfließen müssen, weil Stine ja die ganze Zeit versucht, die Vergangenheit ihrer Familie aufzudecken. Gleichzeitig war es mir am Schluss dann zu viel Geschichtsstunde und zu wenig Auseinandersetzung mit den innerfamiliären Grausamkeiten. Am Ende hatte ich das Gefühl, dass Anne Rabe vielleicht zu viel auf einmal sagen wollte.
Sehr interessante & (leider) glaubhafte Geschichte, die noch dazu wahnsinnig schmerzt.
Ich finde, dass jeder dieses Buch gelesen / gehört haben sollte.
Gerade für meine Generation, die weder den Mauerfall noch die Zeit davor und danach mitbekommen hat, super wichtig & aufschlussreich!
⭐️⭐️⭐️⭐️
„Die Möglichkeit von Glück“ ist ein beeindruckender Roman über Erinnerung, Verantwortung und die Suche nach einem eigenen Platz in der Geschichte – ein leises, aber sehr starkes Buch.
Anne Rabes Roman „Die Möglichkeit von Glück“ erzählt die Geschichte von Stine, die in der DDR aufwächst und später versucht zu verstehen, wie die Vergangenheit ihre Familie geprägt hat. Dabei verbindet Rabe persönliche Erinnerungen mit der Aufarbeitung deutscher Geschichte. Sie zeigt, wie autoritäre Strukturen, Angst und Schweigen in Familien weiterwirken und wie schwer es ist, sich davon zu lösen.
Die Familiengeschichte steht im Mittelpunkt: Stines Beziehung zu ihren Eltern ist von Sprachlosigkeit und alten Verletzungen geprägt. Erst als Erwachsene beginnt sie zu begreifen, wie tief politische Erfahrungen und gesellschaftlicher Druck in das private Leben eingreifen.
Anne Rabes Schreibstil ist klar, eindringlich und poetisch zugleich. Sie erzählt ruhig, aber mit großer emotionaler Wucht, und schafft es, das Unsagbare zwischen den Zeilen spürbar zu machen.
Geboren in der DDR, doch aufgewachsen im vereinten Deutschland kurz nach der Wende im Osten.
Was bedeutet das für das Leben der Protagonistin Stine? Wie anpassungsfähig sind ihre Eltern, die ihr Leben bisher in der DDR verbracht haben und nun diesen Bruch erleben? Was können sie ihrer Tochter mitgeben?
Ein Roman über den Ost-West-Konflikt, den Generationenkonflikt und einen Mutter-Tochter-Konflikt, wahnsinnig gut von Anne Rabe umgesetzt.
Weil ich eine ähnliche Biografie wie die Autorin habe, war ich neugierig. Gut gefallen hat mir die Stück für Stück aufgedeckte Historie ihres Opas und somit ihrer Familie,aber die Hauptfigur selber ist für mich leider etwas blass geblieben. Für mich daher leider wenig Identifikationsmaterial
Es war ein Blick in die Vergangenheit. Viel hat man wiedererkannt, manches mit gutem aber auch vieles mit schlechtem Gefühl.
Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl keinen wirklichen roten Faden zu haben und dass das Geschriebene ein wenig durcheinander ist, obwohl es schon irgendwie einer Reihenfolge folgt.
Das Ende hat sich mir aber einfach zu sehr gezogen. Ich wollte dann einfach nur noch das Buch durchgelesen haben. 50 Seiten weniger hätten mich gefreut.
Alles in allem aber ein interessantes Buch über und in der DDR, mit eben auch den unschönen Seiten. Wer sich für die Zeit interessiert, darf gerne zugreifen.
Ein Buch über eine Familie aus Mecklenburg vor und nach der Wende in besonderer Form erzählt
Die Geschichte wird aus Sicht von Stine erzählt. Sie wächst mit ihrem jüngeren Bruder Tim in einer mecklenburgischen Kleinstadt auf. Geboren wird sie ein paar Jahre vor dem Mauerfall. Eltern und Großeltern haben sich sehr gut im Sozialismus eingerichtet und trauern dem System auch nach dem Untergang der DDR nach. Stine berichtet vom Schulalltag nach der Wende, dem Vakuum in dem die Gesellschaft gelandet war. Alle suchten ihre Positionen, was sich z. T. in absurden Verhaltensweisen und Geschichten zeigte.
Erzählt wird auch von der lieblosen und herrschsüchtigen Mutter, die Stine immer das Gefühl gab, nicht genug zu sein. Folgendes Zitat beschreibt die Beziehung und die psychische Gewalt, die ausgeübt wurde, eindrücklich:
Mutter zur Tochter: "Wir sind enttäuscht von dir, Stine. Du bist das Letzte, der Abschaum. Wenn diese Familie kaputt geht, ist es deine Schuld. Wenn dein Vater seine Arbeit verliert, dann ist das auch deine Schuld. Dich hat wirklich niemand verdient. " Der Vater äußert sich zu den Vorwürfen und der Gewalt, die von seiner Frau aus geht, nicht. Im Gegenteil er toleriert es, schreitet nur einmal ein, als die Gefahr für ernsthafte und folgenschwere Verletzungen unmittelbar wurde.
So schnell wie möglich verlässt Stine nach dem Abschluss der Schule die Kleinstadt und die Familie. Es konnt zum Kontaktabbruch, weil auch als Stine erwachsen ist, die Vorwürfe und das Unwohlsein nicht enden. Der Kontakt zu Tim hält, auch wenn sie zwischenzeitlich weit voneinander entfernt wohnen. Das Erlebte schweißt zusammen.
Neben der Schilderung der Beziehungen zu den Eltern und zum Bruder geht es in einem weiteren Erzählstrang um die Geschichte des Großvater mütterlicher Seits - Paul Bahrlow, beginnend in seiner Kindheit in Berlin in den 1920er und 1930er Jahren über dem Krieg bis hin zu seinem Wirken und Schaffen in der DDR.
Der Sprachstil von Anne Rabe ist besonders, nüchtern und doch berührend. Man spürte die trangenerationalen Traumata, die sich durch die Familie ziehen und die einzelnen Mitglieder belasten.
Kein leichter Stoff, aber ein wichtiger Einblick in eine DDR, die man in den vielen Büchern und Filmen nur selten präsentiert bekommt.
Teils sehr subjektiv, teils sehr hart im Urteil, interessante Beobachtungen und eine bisweilen poetische Sprache ließen dieses Buch für mich zu einem Gewinn werden.
Es geht um eine interessante und sehr wesentliche Zeitspanne der deutschen Geschichte, berichtet unverfälscht von Gewalt, vom Wegsehen, vom Schönreden.
Darum geht es:
Stine wird in den 1980er Jahren in einer kleinen Stadt an der Ostseeküste der DDR geboren. Als die Wende kommt, ist sie noch zu jung, um die politischen Umbrüche bewusst zu verstehen. Doch die gesellschaftliche Wertevermittlung und die Einflussnahme vor dem Mauerfall ihrer Familie wirken weiter und sitzen tief - auch in der nächsten Generation. Während ihre Angehörigen über die Zeit des Sozialismus hartnäckig schweigen, beginnt Stine, unbequeme Fragen zu stellen. Für Stine gibt es in der Vergangenheit viele Unklarheiten, die sie nicht länger hinnehmen mochte.
Mein Leseeindruck:
Anne Rabe erzählt in ihrem Roman „Die Möglichkeit von Glück von einer jungen Frau, die in einem ideologisch geprägten Umfeld groß wird. Stine ist nie mit sich selbst ins Reine gekommen. Die Geschichte hat mich auf eine intensive, aber nicht immer einfache Weise begleitet. Auf der einen Seite hat mich die Thematik tief berührt. Die Auseinandersetzung mit der ostdeutschen Geschichte, dem Schweigen innerhalb der Familie und den Spuren, die die DDR über Generationen hinweg hinterlasst, ist eindrucksvoll und wichtig. Auf der anderen Seite hatte ich stellenweise Schwierigkeiten mit dem Aufbau des Romans. Was mich besonders angesprochen hat, ist die ehrliche und schonungslose Art, mit der die Autorin über familiäre Verstrickungen, politische Prägungen und Ursprünge von Rassismus und Gewalt schreibt. Stine als Figur wirkt dabei nahbar und glaubwürdig - man spürt ihren inneren Konflikt und den Versuch, sich aus dem ideologischen Erbe zu befreien Gleichzeitig wurde mein Leseerlebnis durch die vielen Zeit- und Gedankensprünge oft unterbrochen. Der Roman wechselt immer wieder zwischen Erinnerungen, Analysen und Reflexionen, was zwar stilistisch gewollt ist, aber meinen Lesefluss stark beeinflusst hat.
Fazit:
3/5 ⭐️ Ein wichtiges und bewegendes Buch über das Aufwachsen in einer Zeit des Umbruchs. Trotz der anspruchsvollen Erzählstruktur lohnt sich die Lektüre. Sie regt zum Nachdenken an und stellt Fragen, die oft im Verborgenen bleiben.
Wichtiges und spannendes Buch über die (ost-)deutsche Vergangenheit. Erzählt wird die Geschichte von Stine und ihrer Familie, die zugleich eine Geschichte vom Todschweigen ist. Traumata aus der Kriegszeit prägen eine Generation und vererben sich nicht zuletzt durch gewaltvolle Erziehungsmethoden in die nächste, die sie wiederum weitergibt an eine Generation, die die DDR in ihren letzten Zügen erlebt, verzweifelt Orientierung sucht und sich emanzipieren muss, ohne zu wissen wie das geht, allein gelassen und nur mit dem Gefühl, dass etwas nicht stimmt in den Erzählungen der Alten vom besseren Leben. Bewegend, schonungslos und dicht erzählt. Keine leichte Lektüre, aber authentisch und absolut lesenswert!
Ich habe dieses Buch mit der Annahme angefangen, dass es eine DDR-Familienbiografie wird. Doch 2/3 des Buches handeln um die Kindheit von Stine. In dieser hat sie familiäre Gewalt erfahren.
Erst zum Schluss geht es um Stines Großvater und dessen Leben. Der Teil hat mich richtig mitgenommen und ich hab ihn wirklich verschlungen.
Anne Rabe beschreibt in vielen Einzelfacetten das Leben in der DDR. Man sollte keine durchgehende Handlung erwarten und auch keine vertiefende historische Darstellung. Trotzdem ist das Buch sehr interessant und man möchte einzelne Themen mit Sachbüchern vertiefen.
Die wechselnden Erzählebenen fand ich verwirrend und auch der abrupte Schluss, ließen Fragen bei mir offen. Dennoch wird hier eine Thematik behandelt, die mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Die Protagonistin erzählt von ihrer Kindheit, einer psychisch grausamen Mutter, den Verwicklungen der Familie in der DDR mit dem Parteiapparat die sie nach der Wende versucht aufzuarbeiten. Sie stößt dabei auf typische Mechanismen, der Verdrängung, Vertuschung und des Schönredens. Aus all dem lässt sich nur erahnen was wirklich geschah.
"Ich würde gern das Knäuel der Familiengeschichte entzerren, geduldig, Knoten für Knoten lösen, es neu aufwickeln und irgendwann am Ende des Fadens anlangen. Aber es geht nicht. Es gibt nicht das eine Knäuel, das es zu entwirren gilt. Es sind verschiedene Garne, die miteinander so fest verknotet sind, dass ich sie zerschneiden muss, und dabei geht immer etwas verloren, und es einfach wieder anzubinden, fühlt sich auch nicht richtig an." (S. 228)
Stine wächst in der DDR auf. Als die Mauer fällt, ist sie drei Jahre alt. Ihre Welt ist streng geregelt, Anpassung und Funktionieren gelten als oberste Prinzipien. Doch während Stine in einem neuen, freien System groß wird, stößt sie auf eine andere Art von Begrenzung: das Schweigen. Niemand spricht über die Wende, niemand erzählt, wie sie erlebt wurde oder welche Narben sie hinterlassen hat. Diese Sprachlosigkeit ist nicht neu – sie scheint generationsübergreifend verankert zu sein. Mit diesem Bild wächst sie hinein in eine Gesellschaft voller Widersprüche und Spaltungen. Blühende Landschaften wurden versprochen, doch stattdessen brennt es. Die sogenannten "Baseballschlägerjahre" werden zu einem Ventil für generationale Traumata – unausgesprochene Verletzungen, die nie verarbeitet wurden. Von einem totalitären System ins nächste - ein kurzer Schnitt, ein Weiterwischen, aber keine Auseinandersetzung. Doch woran sollen wir uns orientieren, wenn die eigene Familie eine Mauer des Schweigens und Leugnens ist und Lügen in "Entlastungserzählungen" verpackt werden? "Wie soll eine Welt ohne Vergangenheit eine Zukunft haben?" (S. 271)
In ihrem Debütroman "Die Möglichkeit von Glück" stellt Anne Rabe die Erinnerungskultur der Verdrängungskultur gegenüber. Es ist eine Geschichte von Misstrauen, Unterdrückung, Wegsehen und Schweigen sowie über den ohnmächtigen Versuch, die Traumata mehrerer Generationen alleine aufarbeiten zu wollen.
Immer wieder habe ich mich gefragt, ob die Geschichte so erzählt werden darf. Nein - sie MUSS so erzählt werden. Gerade weil so viele von uns sie nur vom Hörensagen kennen. Nur durch das Fragen und Hinschauen können wir die Vergangenheit verstehen und vielleicht eine andere Zukunft schaffen.
Anne Rabes Roman Die Möglichkeit von Glück ist ein berührendes Buch über Familie, Vergangenheit und die Suche nach der eigenen Identität. Die Figuren kämpfen damit, ihre Geschichte zu verstehen und herauszufinden, wer sie wirklich sind. Dabei geht es um Verletzungen, aber auch um die Frage, was Glück eigentlich bedeutet.
Rabe schreibt in einer klaren und kraftvollen Sprache, die einen richtig in die Geschichte reinzieht. Sie beschreibt die inneren Konflikte ihrer Figuren so feinfühlig, dass man richtig mitfühlt. Besonders spannend ist, wie das Buch zeigt, wie sehr uns die Vergangenheit prägt und wie schwer es manchmal ist, seinen Platz im Leben zu finden.
Die Möglichkeit von Glück ist keine leichte Kost, aber es lohnt sich, sich drauf einzulassen. Es regt zum Nachdenken an und bleibt lange im Kopf. Ein Buch für alle, die sich mit Identität und Familie auseinandersetzen wollen.
Das Verflechten von persönlicher Familiengeschichte und historischen Ereignissen ist hier so gekonnt und kurzweilig niedergeschrieben, ich hab die zweite Hälfte des Buches in einem Rutsch lesen müssen. Die Protagonistin ist nur unwesentlich vor mir geboren worden und da auch ich ein Wendekind bin, ist viel Identifikationspotential enthalten. Es ist kaum zu glauben welche Traumata sich über Generationen durch Familien ziehen und wie sich politische Strukturen tiefst in familiäre Verbindungen fressen und diese von innen zerstören, so viel Leid und kleine persönliche Momente. Besonders berührend ist hier, das häufig aus Sichtweise eines Kindes erzählt wird, eines Kindes das nichts falsch gemacht hat und trotzdem so viel einstecken muss. Ein sehr aufschlussreiches Buch, gerade mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass sicher jede Familie das ein oder andere Päckchen zu tragen hat:
„Da war ich also. Jüngstes Glied einer langen Kette unglücklicher Umstände, die meine Familie sein würden.“
„Wie sollte man überhaupt jemandem vom Krieg erzählen, der nur den Frieden kannte? Und wann? Wann ist der Moment? Wann setzt man sich zusammen? Ruft man die Kinder zum Kaffee und sagt: Der Vati möchte euch jetzt mal was erzählen. Von Menschen, die in hundert Stücke gerissen wurden.“
Anhand der Familiengeschichte ihrer Protagonistin Stine spannt Anne Rabe den Bogen vom Zweiten Weltkrieg über die DDR bis hin in die Gegenwart. Der Roman zeichnet nicht nur Stines persönliche Familiengeschichte nach, die sie nach und nach recherchiert, sondern beschreibt gleichzeitig die gesamtgesellschaftliche Situation in der DDR während der Nachkriegszeit sowie deren heute noch spürbaren Auswirkungen.
„‚Wir kamen aus dem Krieg, (…), wir wollten nur eins - nie wieder Faschismus!‘ Das war alles, das war der ganze Grund für alles. Das war für dich Grund genug, dass Menschen erschossen wurden, die nur wegwollten aus einem Leben, das nicht ihres war.“ Indem Stine Stück für Stück das Leben ihrer Großeltern nachvollzieht, das Verhalten ihrer Eltern und Großeltern einordnet und dadurch ihre eigene Geschichte aufarbeitet, bietet Anne Rabe Möglichkeiten und Denkanstöße für die ostdeutsche Vergangeheitsbewältigung. Der fragmentarische Stil und die schonungslose Sprache haben mir sehr gut gefallen. Erwartet habe ich einen Roman über die DDR, bekommen habe ich über ein ganzes Jahrhundert verteilte Fragmente der deutsche Geschichte und deren Auswirkung aufeinander. Dieses breite Bild fand ich sehr gelungen, wobei meiner Meinung nach für die Länge des Romans zu viele Themen angerissen wurden.
Dadurch bleibt am Ende vieles offen. Insbesondere der in der Gegenwart aufgeworfene und für die Geschichte nicht notwendige Handlungsstrang wird nicht zu Ende geführt, was - anders als dies bei der Vergangenheitsbewältigung der Fall ist - etwas ratlos zurücklässt. Alles in allem handelt es sich aber um einen wirklich gelungenen Debütroman, der den Finger auf die Wunde legt, nachdenklich werden lässt und gleichzeitig brandaktuell ist: „Wer wissen will, welche Abgründe hinter den fabelschönen Fassaden von Rostock bis Erfurt lauern, kann in die Wahlergebnisse der letzten Jahre schauen oder sich gleichgeschlechtlich auf dem Marktplatz von Cottbus küssen.“
Absolute Leseempfehlung!
"Was Tim und ich uns erzählen , wenn wir über unsere Kindheit sprechen, sind Geschichten davon, wie wir gelernt haben, still zu sein."
"Der Schmerz zerschneidet die Erinnerung in kleine Fetzen, Puzzlekanten, die aussehen, als würden sie zueinander passen, aber dann muss man sie doch mit Gewalt ineinander drücken, damit sie ein ganzes geben."
"Ich würde gern das Knäuel der Familiengeschichte entzerren, geduldig, Knoten für Knoten lösen, es neu aufwickeln und irgendwann am Ende des Fadens anlangen."
Die Geschichte von Stine, geboren in der DDR und aufgewachsen im wiedervereinigten Deutschland. Die Geschichte einer Kindheit mit einer resoluten und gewalttätigen Mutter, einem Vater der sich gegen seine Frau nicht durchsetzen kann und dem Bruder Tim, den Stine über alles liebt. Eine Zeit der Unterdrückung, Angst, Verboten und Schlägen, "Erziehungsmethoden", die Auswirkungen bis ins Erwachsenenleben haben. Dann gibt es noch Opa Paul, dessen politische Vergangenheit im Dunkeln liegt und dessen Stasi-Akte plötzlich verschwunden ist. Stine ist jetzt erwachsen, selbst Mutter und versucht Licht in das Dunkel der verschwiegenen politischen Vergangenheit ihrer Familie zu bringen.
Zwei Erzählstränge und Zeitsprünge fordern doch etwas Aufmerksamkeit, man bekommt detaillierte Einblicke in das Leben in der DDR sowohl vor als auch nach der Wende, auch die politische Geschichte wird gut lesbar und verständlich beschrieben.
Ich mochte es sehr gerne, aber zum Highlight reicht es für mich nicht
Anne Rabe findet Worte, die große emotionale Verwirrung zu klaren, harten, gefühlsstarken Bildern werden lassen. Mit ihr bewegt man sich in der ständigen Ambivalenz zwischen eigentlich beabsichtigter Geborgenheit und schonungslosem Missbrauch, zwischen längst Vergangenem und erschreckend aktuellem Handeln. Ich begegnete Nebensätzen, die Welten eröffnen können und einer Protagonistin, die mich sofort mitgenommen hat auf ihre oft schmerzhafte und doch so wichtige Reise, die in manchen Teilen auch immer wieder ein bisschen meine eigene Reise und die Reise einer ganzen Generation sein könnte.
Anne Rabe erzählt die Geschichte der 1986 in Wismar geborenen Stine und ihrer Familie. Sie möchte die Geschichte und Biografien ihrer Familie verstehen. Wie war das Leben in der Diktatur der DDR? Wie hat der Opa den zweiten Weltkrieg in der Wehrmacht erlebt und wie war später seine linientreue Karriere in der DDR möglich? Woher kommt die alltägliche Gewalt in den Familien, der Schule, generell draußen? Woher das Mobning?
Wie war das Leben in der Diktatur und welche Rolle spielten Stines Angehörigen?
Stine versucht als Kind der Wende ihren Platz in der deutsch-deutschen Geschichte, aber auch innerhalb ihrer Familie zu finden.
Mir hat die Sprache der Autorin sehr gut gefallen, der Roman ist fordernd und ich konnte sehr gut mit der Zerrissenheit Stines mitfühlen.
Ganz klare Leseempfehlung!
Die Geschichte zieht einen förmlich in den Bann, es ist keine leichte Geschichte und man muss viel mit der Stine ertragen. Das muss man für sich entscheiden, ob man das kann. Ich mochte die Stimmung des Buches und empfand die Geschichte sehr glaubhaft.
"Die Möglichkeit von Glück" ist ein fesselnder Roman, der tief in die Geschichte Ostdeutschlands und die Auswirkungen des DDR-Regimes auf eine Familie eintaucht. Die Hauptfigur Stine versucht, die Geheimnisse und Traumata ihrer Familie zu ergründen.
Dabei geht es ihr vor allem um die schwierige Beziehung zu ihrer missbrauchenden Mutter und die politischen Verstrickungen ihres Großvaters. Stine kommt aus einer regimenahen Funktionärsfamilie, die einerseits ihrem alten Denken verhaftet bleibt, aber auch darum bemüht ist, Spuren zu verwischen und sich durch Schweigen zu schützen.
Stine rekonstruiert in sich aneinander reihenden Fragmenten ihre eigene Kindheit und Jugend, aber auch die Geschichte ihres Grossvaters, der sie stark geprägt hat. Sie setzt sich intensiv mit dem Zusammenspiel von historischer und persönlicher Entwicklung auseinander und gibt damit Einblicke in das Gewordensein einer Generation, die im Niemandsland zwischen zwei Gesellschaftssystemen aufgewachsen ist.
Als Tochter ehemaliger Funktionäre hat sie früh die Erfahrungen einer Aussenseiterin gemacht, die man um ihrer Familiengeschichte willen ablehnte. Sie hadert damit nicht, weiss aber um den Einfluss
dieser Erfahrung auf ihr Leben. Ebenso früh hat sie gelernt, dass es Familien gibt, die ganz anders durch die DDR-Zeit gegangen sind, wie z.B. die vom christlichen Glauben geprägte Familie ihrer Freundin Ada. Sie wächst in eine Welt hinein, in der autoritäre Prägungen weiterhin eine wichtige Rolle spielen und wird in ihrer Jugend mit Rechtsradikalismus, Gewalt, Saufen und Drogen konfrontiert. "Längst hatte das neue Jahrtausend begonnen, aber wir hingen heillos verstrickt im alten fest," schlussfolgert sie.
Alles in allem kann ich nur empfehlen dieses Buch zu lesen oder wie ich zu hören und darüber mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Generationen zu sprechen. Anne Rabe gibt viele Impulse, die Sprachlosigkeit zu überwinden, die sie oft erlebt hat, und nach neuen Perspektiven zu suchen.
„Die Möglichkeit von Glück“ von Anne Rabe bietet eine eindrucksvolle, aber verwirrende Erzählung über das Leben in der DDR und die Nachwirkungen der Wende. Trotz der sprunghaften Struktur und unklaren Botschaft sind die historischen Details und lebendigen Beschreibungen faszinierend und lesenswert.
„Die Möglichkeit von Glück“ von Anne Rabe ist ein Buch, das mich gleichermaßen fasziniert und verwirrt hat. Die Geschichte dreht sich um Stine, die in einer DDR-Familie aufwächst und deren Leben durch die Wende durcheinandergewirbelt wird. Rabe beschreibt eindrucksvoll die Nachwirkungen der Diktatur auf eine Generation, die sich mit den Schatten der Vergangenheit auseinandersetzen muss.
Positives
Die Stärke des Buches liegt in seiner atmosphärischen Dichte und den lebendigen Beschreibungen der DDR-Zeit. Rabe schafft es, die beklemmende Stimmung und die Herausforderungen des Lebens in einem totalitären System eindrucksvoll darzustellen. Die historischen Details und die authentischen Dialoge lassen das Leben in der DDR lebendig werden.
Kritisches
Allerdings hatte ich Schwierigkeiten, den roten Faden der Geschichte zu erkennen. Die Erzählweise wirkt oft sprunghaft und unentschlossen, was es schwer macht, den Überblick zu behalten. Die vielen Zeitsprünge und Perspektivwechsel haben mich manchmal verwirrt und ließen mich unsicher zurück, was das Buch letztlich aussagen will. Es fehlte mir an klaren Fragestellungen und einer stringenten Handlung, die die verschiedenen Erzählstränge zusammenführt.
Fazit
„Die Möglichkeit von Glück“ ist ein interessantes Buch, das tief in die deutsche Geschichte eintaucht und zum Nachdenken anregt. Trotz der verwirrenden Struktur und der unentschlossenen Erzählweise bietet es wertvolle Einblicke in die seelischen Folgen eines misshandelten Mädchens das zufällig in einer Diktatur aufwächst. Ob diese an der emotionalen Kälte ihrer Familie, speziell dem Verhalten der Mutter schuld ist bleibt ungeklärt. Eine Empfehlung für Leser, die sich für die DDR-Vergangenheit und komplexe Familiengeschichten interessieren und bereit sind, sich auf eine anspruchsvolle Lektüre einzulassen.
Das Buch ist sehr schwer von der Thematik, hat sich aber trotzdem sehr schnell lesen lassen.
Ich habe es in einer Leserunde gelesen, dafür fand ich es aber nicht geeignet.
Ein tolles Buch. Interessant,lehrreich, traurig, fesselnd ...Es steckt so vieles in diesem Buch. Es behandelt das Thema des " Generationtraumas" auf so eine schlichte Art und Weise ,wie sie wohl viele betrifft.
Mein Jahreshighlight 2024.