Orlando Figes’ "Eine Geschichte Russlands" ist keine trockene Chronik, sondern eine große, zugespitzte Deutung. Das Buch erzählt Russlands Geschichte von den Anfängen bis zu Putin als lange Linie der Autokratie. Genau das macht es spannend: Figes verbindet historische Episoden, Mythen und Machtpolitik zu einer flüssig lesbaren Gesamtgeschichte. Besonders stark ist, wie er zeigt, wie alte Geschichtsbilder bis in die Gegenwart wirken, siehe die Pflicht zur Denunziation, die bereits im 17 Jahrhundert kodifiziert wurde. Nach den schrecklichen Entgleisungen der 30er Jahre während des Großen Terror scheint es auch heute wieder aktuell zu sein. Das Buch ist thesenstark — und da liegt auch eine Schwäche. Wer eine nüchterne, ausbalancierte Fachgeschichte sucht, wird an manchen Stellen widersprechen wollen. Die Kontinuitätsthese wirkt stellenweise zu glatt, zu sehr auf Autoritarismus zugespitzt. Trotzdem: ein kluges, provozierendes und sehr gut lesbares Buch.
Achtung Spoiler
Wirklich empfehlenswert für all diejenigen, die sich schon immer für die russische Geschichte interessiert haben. Vorab ist wichtig zu erwähnen, dass viel Grundwissen für dieses Sachbuch gefragt ist. Der Autor stellt eine gewisse Anforderung für seine Leserschaft dar, da sonst einiges nicht zu verstehen wäre. Auch ist die Schreibart sehr herausfordernd und fordert Konzentration. Der Inhalt bezieht sich, wie schon der Titel verrät, nur auf die russische Geschichte. Obwohl damalige politische Geschehnisse aufgriffen werden, bleibt dennoch der Fokus auf Russland gerichtet. Immer wieder musste ich deshalb stoppen und mir ein Bild über die Epoche und dessen historischen Ereignissen verschaffen. Meine Kenntnisse beschränkten sich nur leider auf das 19. und 20 Jahrhundert ein, sodass ich mir hiermit viele Verknüpfungen herstellen konnte. Eine Herausforderung, welche das gesamte Buch über anhielt, waren die vielen Namen. Vor allem zu Beginn, als die Herrschaft an Familienmitglieder vererbt wurden, war man oft verwirrt, da man nicht mit den Namen hinterher kam. Da wäre vielleicht ein erneutes Aufgreifen im Nebensatz ganz gut gewesen. Letzendes ließ es sich dennoch sehr flüssig lesen, sodass es nicht sehr auffiel, wenn Themen nur angeschnitten oder gar kurz erwähnt wurden. An der Stelle hätte ich gerne mehr Informationen zu Katharina die Große und dem Aufstand von Petrograd gehabt. Doch wie es schon in der Einleitung kurz erwähnt wurde, basiert die Mentalität der Menschen auf doktrinären Wissen und Mythen. Es war förmlich zu sehen, was für ein unsicheres Volk sie waren und noch immer sind. Sie suchten Zuflucht bei einem Zaren, da dieser gutmütig und gottesgesandt war und auch später hielt dieser Gedanke an. Genau dieser Zar beruhte auf Mythen, um seine Taten zu belegen und das Volk zu überzeugen und noch heute ist dies der Fall.
Gute Zusammenfassung mit interessanten geschichtlichen Interpretationen. Allerdings manchmal etwas zu viele Namen...
Sehr gute Gesamtdarstellung
Vielleicht bisweilen etwas polemisch, dennoch eine der besten aktuell verfügbaren Gesamtdarstellungen der Geschichte Russlands.
Informative und flüssige Zusammenfassung russischer Geschichte bis 2022. Für Putinversteher dürfte dieses Geschichtsbuch und vor allem das letzte Kapitel horizonterweiternd sein. Hochinteressant




