Amik ist Leistungsturnerin. Mit ihrem Team reist sie von Wettkampf zu Wettkampf, Meisterschaften, Olympiaden. Die Augen des faszinierten Publikums sind auf sie und ihre Teamkolleginnen gerichtet, auf das Lächeln, das Winken, die vermeintliche Leichtigkeit und die erstaunlichen Küren auf dem Boden, am Stufenbarren, am Schwebebalken. Amiks Augen und alle ihre Sinne sind derweil auf jedes Gramm Körpergewicht, jedes Körperhärchen und das Veratmen bzw Ignorieren ihrer Schmerzen gerichtet. Tag für Tag, Jahr für Jahr - ohne einen Tag Pause. Das Buch ist Fiktion, Sachbuch und Literatur zugleich. Wir erleben die Wettkämpfe und Olympiaden durch die Augen der fiktiven Protagonistin Amik, erfahren aber auch die Hintergründe und vor allem Abgründe und Grausamkeiten, die wirklich in diesem Sport passieren. Erfahren, wie es Simone Biles, Kerry Struggs, Nadja Comaneci und anderen Mädchen ergangen ist, welches Ausmaß an Missbrauch und Qual hinter den fröhlich winkenden Medaillengewinnerinnen steht. Alleine das ist interessant und erschütternd und lesenswert. Was mich aber wirklich begeistert hat, war der Stil der Autorin. Sie schafft es mit ihrer Sprache eine Empathie und ein Gefühl für das Ganze zu vermitteln, weit über ein Sachbuch oder einen Roman hinaus. Ich habe mir viele Stellen angestrichen, weil sie mich so berührt haben. Ein wirklich beeindruckendes Buch, das mich noch lange beschäftigen wird.
Dieses Buch handelt von den Schattenseiten des Turnens als Leistungssport: Die Ich-Erzählerin Amik, selber nicht (mehr) fürs Kader ausgewählt, begleitet ihre deutlich jüngere Teamkollegin Izzy zu einem Wettkampf, bei dem diese sich schwer verletzt. Im Rückblick berichtet Amik von ihrer, aber auch Izzys Sportgeschichte, die von übermäßigem Leistungsdruck, Hungern, dem Übergehen eigener körperlicher Grenzen, aber auch dem grenzüberschreitenden Verhalten von Trainern handelt. Dazwischen finden sich sachbuchartige Passagen über berühmte Turnerinnen wie Nadia Comaneci oder Simone Biles, die ebenfalls die Schattenseiten des Leistungsturnens mitgemacht und durchlitten haben. Das Buch greift mit den grenzüberschreitenden Missständen im Leistungsturnen ein wichtiges Thema auf, das aber nach meinem Eindruck mittlerweile auch deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommt als noch vor wenigen Jahren - wobei die Aufmerksamkeit auch nicht groß genug sein kann, wenn man z.B. bedenkt, dass der Teamarzt der US-Turnerinnen weit über 200 Mädchen sexuell missbraucht hat und jahrelang trotz Beschwerden weitermachen konnte. Ich persönlich muss allerdings zugeben, dass ich mich mit dem Schreibstil etwas schwer getan habe, den ich als eher sperrig und unzugänglich empfunden habe (wobei das ganze Buch auch eher fragmentarisch aufgebaut ist und sich aktuelle Schilderungen mit Rückblicken und den erwähnten sachbuchartigen Passagen abwechseln, was mich persönlich weniger gestört hat als der Schreibstil an sich). Vermutlich war es einfach das richtige Buch zur falschen Zeit, daher nur 4 Sterne, weil ich mich teilweise etwas durchgequält habe.
Der Zugang zu diesem Buch gelingt zunächst nur mühsam, wächst dann aber stetig. Eine mit dokumentarischen Elementen angereicherte und sehr eindrücklich erzählte Geschichte über die Grenzen und Zumutungen des Leistungssports
Routine ist eine Erinnerung ohne Gefühl. - Zitat, Seite 120
Wie oft müssen wir noch mit dem Schambein in diesen Sport stürzen, bis sich etwas verändert? Es ist immer noch möglich. Nur weil es wehtut, hören sie nicht auf, hören wir nicht auf. Mit diesem Schlussplädoyer gibt die Autorin Son Lewandowski all den vielen Turnerinnen auf Seite 262 ihres Romandebüts eine Stimme. All denjenigen, denen beigebracht wurde "jede Verletzung und jeden Schmerz, jede Grenze und jedes Bedürfnis zu ignorieren." Die von diesem Sportsystem "gelockt, entführt, manipuliert und sediert" werden. Und denen die Antwort nun (wie hoffentlich auch für den Lesenden ersichtlich) auf die Frage klar vor Augen steht: "Wie ist das möglich gewesen?" Da ist zunächst die Ich-Erzählerin, von den anderen Mädchen Amik genannt, die irgendwann zu viel wird, trotz des ständigen Hungerns; schon beinahe komplett abgeschrieben, trotz der vielen Medaillen und Preisen, die in Vitrinen verstauben. Und das Ich wird zum Du, wenn sie ihre jüngere Kollegin und Zimmernachbarin beobachtet, die jetzt schwerverletzt im Krankenbett liegt und deren Lebensfaden an Schläuchen hängt. Schließlich verschmilzt die Erzählstimme zum Wir, wenn von verschiedenen Wettkämpfen, von Weltmeisterschaften und Olympiaden, berichtet wird, wo anmutige Wesen die unglaublichsten Leistungen vollbringen, sei es am Boden oder am Stufenbarren - immer den Schmerz und die Qualen verbergend, die hinter jeder Übung stehen. "Warum lächelte du so wenig, Nadia?," fragt der Reporter Nadia Comăneci nach ihrem Wettkampf. "Weil sie immer an ihre Übungen denkt," antwortet ihr Trainer Béla Károlyi für sie. BECAUSE SHE IS ALWAYS THINKING ABOUT HER ROUTINES. Dieses Zitat von Seite 30 soll dem Roman seinen Titel verliehen haben. Und wir erfahren, welcher Drill und welche Demütigungen hinter den sogenannten Routinen standen. Routinen - dieses Programm scheint auch für den Aufbau des Romans charakteristisch. Leider. Bald schon hat man sich auf die Mischung von Zitaten und Schlaglichtern tatsächlicher Ereignisse mit den fiktiven Einschüben gewöhnt. Son Lewandowski hat einen ernsthaften Ansatz gewählt, was dem Thema entspricht, aber leider fehlen im Text die Variationen. Und auch wenn kurze Sentenzen den Lesenden ab und an aus der Sachlichkeit reißen, so fehlt der emotionale Bezug fast komplett. Daher wäre es dem Anliegen der Autorin vielleicht dienlicher gewesen, sie hätte das Thema in ein Sachbuch verpackt. Wie man dem Quellenmaterial zum Buch entnehmen kann, hat sie sehr sorgfältig recherchiert und die vielen direkten Zitate der Sportlerinnen unterstützen die wichtige Botschaft des Romans. Aber gerade die politische Verflechtung mit dem System Sport, der hier nur angerissen wird, hätte in einem Sachbuch mehr Gewicht erhalten können. Die Strukturen, die Misshandlung und Missbrauch in diesem speziellen Bereich begünstigen, werden zwar aufgezeigt, aber nicht vollständig beleuchtet - was in einem Roman auch den Rahmen sprengen würde. "Die Routinen" ist ein Roman, der hinter die Fassade einer Perfekten 10 blickt und den Missbrauch und die strukturelle Misshandlung im weiblichen Spitzensport anspricht. Das ist beachtenswert. Weniger beeindruckend ist der eher spröde Schreibstil und der fehlende Spannungsbogen der Geschichte. FAZIT Anscheinend bekam ich von meinem Klassenlehrer ein "Fleißbildchen" geschenkt, als er mich während des Unterrichts zum ersten Mal lächeln sah. Diese Anekdote hat auf jeden Fall meine Mama später öfter erzählt, erinnern kann ich mich selbst nicht daran. Anscheinend ist es wohl für Erwachsene ein Ding, wenn man eine Sache als kleines Mädchen ernster angeht. Aber was ist, wenn dein Gesichtsausdruck, dein Auftreten und deine Leistung als Heranwachsende ständig von Erwachsenen beurteilt wird? Und du vor jedem großen Auftritt tagtäglich gedrillt und gedemütigt wirst? Die Routinen ist eigentlich ein Albtraum in Romanform, finde ich. Aber für viele Frauen, die selbst zu Wort kommen, leider Realität. Und gerne möchte man diesen so starken Frauen wie Nadia Comâneci und Simone Biles, die hier zu Wort kommen, nicht nur Aufmerksamkeit, sondern eine Umarmung schenken. Daher gibt es von mir eine Leseempfehlung, auch wenn mich der Roman literarisch nicht ganz überzeugt hat.

Wichtiges Thema, langweilig geschrieben.
Das Thema um Missbrauch im Profisport ist so wichtig und interessiert mich auf jeden Fall. Leider fand ich das Buch aber weniger spannend und emotional geschrieben. Es hat sich gelesen wie zäher Dokumentarfilm. Die Ich-Erzählerin war garnicht zu greifen und man konnte keine Verbindung zu ihr aufbauen. Schade - ich war enttäuscht von dem Buch.
Nach einem schweren Unfall bei den Europameisterschaften liegt die aufstrebende Leistungsturnerin Izzi in einem Krankenhaus in Alanya. Amik, die ihre Turnkarriere an den Nagel gehängt hat, hat den Unfall gesehen und bleibt bei Izzy, die ins künstliche Koma versetzt wurde und nun ums Überleben kämpft. Das lässt Amik, der Ich-Erzählerin viel Raum, um die eigene sportliche Laufbahn zu überdenken. Spannend wie in einer Netflix-Doku werden Schicksale wahrer Turnerinnen in diesen Roman eingearbeitet. Ich habe das halbe Buch gefühlt gegoogelt, denn die schrecklichen Schilderungen im Umgang mit den Athletinnen sind leider keine Seltenheit. Großer Leistungsdruck, Essstörungen, Rivalität untereinander sind der Alltag unter den jungen Mädchen. „Routinen“ ist ein aufrüttelnder Schrei, der mich sehr wütend und gleichzeitig unfassbar traurig gestimmt hat. Ein schmerzhafter Roman, den ich trotzdem nicht missen möchte. Großartiges Debüt!
Es hat mich entsetzt und gefesselt zugleich
In meiner Heimatstadt gibt es eine Turn-Talentschule. Schon die Kindergärten werden angeschrieben mit der Bitte, den Eltern doch das Programm transparent zu machen und vielleicht ihr Kind für dieses Hobby zu empfehlen. Ich hab mich bisher immer geweigert dafür her zu halten. Nach der Lektüre dieses Romans, fühle ich mich darin bestärkt! Armik ist in der Welt des Leistungsturnens zu Hause. Ihre glorreiche Zeit ist vorbei, oder war sie jemals da? Nach einem Unfall des Nachwuchstalents Izzy, sitzt sie an deren Krankenbett in Antalya. Ihren Gedanken nachhängend erfahren wir, dass die beiden sich angefreundet haben, eine geschwisterliche Nähe ihnen das gegeben hat, was ihnen in der Welt des Leistungssports fehlt. Denn hier zählt nicht die Umarmung, hier zählt die perfekte Ausführung der Routine - die Abfolge der einzelnen Bewegungen, die sie an den verschiedenen Geräten durchführen. Schweiß, Blut und Tränen pflastern den Weg zum Wettkampf. Der Stufenbarren macht die Hände so wund, dass die Haut in Fetzen herab hängt. Der Schwebebalken birgt das große Risiko, sich Kopf und Schulter zu zertrümmern. Und über allem steht der Hunger. Ein Gummibärchen wird auf zwei Tage verteilt. Gewogen wird jeden Tag mehrfach und wenn man ein paar Gramm zu viel hat, drohen drakonische Strafen. doch um den Sieg zu erringen sind die „Mädchen“ zu Vielem bereit. „Sich die Scham aufreißen. Auf einem Treppchen stehen. Sich die Schulter auskugeln. Einen Pokal halten. Die Gelenke zerdehnt, der Rücken zersprungen, die Hände zerrissen und nirgendwo Zorn. Den Pokal kurz in die Höhe halten, bis die handstandtauben Händen in den Rücken fallen.“ Nicht selten ist der Ehrgeiz der Eltern das, was den Kindern die Jugend nimmt. Irgendwo im Buch wird erwähnt, weil sie ein „Wunsch“ sind - kein Kind. Ein starker Satz der mich wütend macht. Hier darf kein Mädchen ein Kind sein. Durchwebt ist die Geschichte mit Segmenten aus Biografien berühmter Turnerinnen: Dominique Moceanu, Elena Mukhina, Nadia Comaneci, Gabby Douglas und Simone Biles um nur einige zu nennen – und jede hat ihre besonderen Erfahrungen gemacht. Immer wieder taucht Ein Name auf: Bela Karolyi, der Ungar, der die rumänische Mädchen trainierte und nach Amerika immigrierte, um dort auf einer Farm eines der größten Leistungzentren der Welt aufzubauen. Der größte Missbrauchsskandal der Sportgeschichte fand ebenfalls dort statt! Man könnte meinen das in diesem Roman die Grenze zum Sachbuch oft verschwimmt, wenn da nicht die literarische Sprache wäre. Son Lewandowski hat es geschafft, die Sachbezüge trennscharf zu halten und sie trotzdem stilistisch ins literarische zu tragen. Die Anekdoten, Dramen und Unfälle der realen Personen spiegeln sich in den fiktiven Protagonistinnen. Ich war wie gefesselt von der Kraft dieses Textes. Lange nicht mehr bin ich in ein so ausgiebiges Rabbithole gefallen. Ein paar Abende mit Videos der einzelnen Sportlerinnen haben in mir Erinnerungen geweckt an eine Zeit, in der das Alter der Turnerinnen immer jünger wurde und ich das regelmäßig geschaut habe. Jetzt erst ist mir klar geworden, welche Bedeutung die ernsten Gesichter, die zum Gruß erhobene Hand und die Verletzungen für die einzelnen Mädchen hatte. Die Entwicklung dieses Sports in den letzten 40 Jahren ist ebenfalls gut nach zu fühlen. Textlich ist die Lektüre sicher kein Pageturner. Ihre ganze Kraft entwickeln einzelne Passagen aber erst, wenn man sie sich laut vorliest. Mir wurde dabei ein ums andere Mal bewusst, wie lyrisch Lewandowski diesen Roman arrangiert hat. Es ist gut, dass in diesem Sport vieles verboten wurde, die Punktzahl für einzelne Elemente herabgesetzt wurde, so dass ich die Ausführung kaum noch lohnt, und nicht nur die MeeTo Kampagne offenlegt wie unmenschlich zu Höchstleistungen angetrieben wird. Eine große Leseempfehlung spreche ich für dieses interessante, literarische und außergewöhnliche Buch aus, das mich die Welt hat vergessen lassen. Wenn ihr in einen besonderen Text mit einem nicht alltäglichen Thema fallen möchtet, dann versucht es mal mit diesem Buch.
Es hat etwas gedauert, bis ich durch den ungewöhnlichen Erzählstil in das Buch eintauchen konnte. Dann aber hat es mich gepackt. Mit der Turnerin Amik blicken wir hinter die unbarmherzige Fassade des Leistungssports. Ein erschreckendes System aus Druck, Missbrauch und Abhängigkeit, was sich kaum sprengen lässt.

Ein Sinnbild für eine leistungsorientierte Welt - ein Meisterwerk
Die Routinen gibt Einblick in die Schattenseiten des Leistungsturnen mit einer solchen Wucht, dass man auch als Laie unbedingt weiter lesen möchte und herausfinden möchte. Was verbirgt sich da noch alles. Es trifft einen wie einen heftigen Schlag. Das Thema lässt sich in alle möglichen Richtungen übersetzen und wie Lewandowski sagt spiegelt diese Welt ein „Sinnbild für unsere spätkapitalistischen Leiden“ dar. Mit diesem Buch setzt man sich mit leistungsorientierten Gefühlen auseinander. Leistungsdruck, Ehrgeiz, Neid, Eifersucht, Vergleich, Stolz. Für mich ist es auch ein Augenöffner, da mir auch klar wird, dass man sich nichts Gutes tut mit dem ständigen Leistungsdruck, da sogar diese extrem professionellen Leistungsturnerinnen immernoch denken „hätte ich doch noch mehr trainiert“. Das muss man erstmal sacken lassen. Abschließend muss ich nochmal den Schreibstil von Lewandowski ausdrücklich loben. Das ist wirklich ein literarisches Meisterwerk.
„Druck erzeugt Diamanten“ Eine diffizile Auseinandersetzung mit dem Leistungssport Kunstturnen. In dem Debütroman von Son Lewandowski folgen wir Amik, deren Turnkarriere sich dem Ende neigt und der jungen Nachwuchssportlerin Izzy, die sich bei den Europameisterschaften schwer verletzt. Hinzu kommen Einblicke auf sporthistorische Ereignisse berühmter Kunstturnerinnen, die einen ebenso erschütternden Beigeschmack zur Fiktion liefern. Mädchen und Frauen, die geformt, gedrillt und gegeneinander und gegen ihren Körper und ihre mentale Gesundheit ausgespielt werden. Trainer*innen, Ärzt*innen, Sportverbände und Medien üben emotionalen, psychischen und physischen Druck aus und das geht oft bis hin zu Missbrauch. Aufgedrückte Stereotype und Schönheitsideale, Rassismus, Essstörungen, Konkurrenz und ein Buhlen um ein wenig Zuwendung und Aufmerksamkeit sind die Folgen. „Nur die Stärksten schaffen das harte Hungern, die Kontrolle in den Kopf gesetzt, in den Körper gestreut, die Scham längst zum Stolz mutiert.“ „Über die Uniformen, über die Körper, über das Haar und über die Gesundheit entscheiden Sportverbände, ein Verband, der nicht schmiegt, ein Verband, der nicht heilt, ein Verband, der sich festschnürt, schnurrbärtig und weiß legt er sich über die Athletin.“ Eine Kritik an ein morbides und brutales System, die mich aufgewühlt und bewegt hat. Im Schreibstil spürt man förmlich den Rhythmus und die Härte des Leistungssports, ein literarisch anspruchsvoller Text, der wie im Training volle Konzentration erfordert. Jedes Wort scheint gewichtig und wohl positioniert, so dass ich einige Sätze immer wieder oder laut lesen musste. Eine herausfordernde Symbolik, die einlädt zu reflektieren und bei einzelnen Sätzen zu verweilen . Wahrlich kein einfaches Buch, aber eine Stimme zu einer Thematik, die gehört werden sollte.
„Wegschauen, denn die aktivsten Muskeln liegen in den Augen. In den Rücken fallen, denn der größte Muskel sitzt im Nacken. Schweigen, denn der stärkste Muskel hält das Sprechen.“ Ich wollte es so sehr lieben 💔… Inhaltlich wahnsinnig berührend und herzzerreißend. Keine Ahnung, wie oft ich beim Lesen mit dem Kopf schütteln musste 🤯. Der Schreibstil, den Son Lewandowski gewählt hat, hat mich allerdings oft an meine Grenzen gebracht. Dieser wirkte teilweise sperrig, was mich vor allem bei der Schwere des Themas sehr gestört hat. Das letzte Drittel hat mich dann aber richtig gepackt 💪🏼!
„Routine ist eine Erinnerung ohne Gefühl.“ Über diesen Satz aus „Die Routinen“ habe ich lange nachgedacht, bis ich glaubte ihn verstanden zu haben. Es geht in diesem Buch auch darum, sich gewisse Gefühle abzutrainieren- Schmerz zum Beispiel. Aber von vorne: Son Lewandowski schreibt in zwei Erzählsträngen: In dem einen geht es um die Turnerin Amik, die mit Anfang 30 nicht im Kader ist, das Team jedoch zu einem großen Wettkampf nach Antalya begleitet. Dort wird sie Zeugin des schweren Unfalls ihrer Mitbewohnerin Izzy, die daraufhin ins Krankenhaus kommt und im künstlichen Koma liegt. Im zweiten Erzählstrang richtet sich der Blick auf das System des Leistungsturnens und auf exemplarische Biografien berühmter Turnerinnen. Er zeigt die dunklen Seiten der Branche sehr deutlich auf: Physischer, psychischer, sexueller und emotionaler Missbrauch durch Trainer und Ärzte, Druck, Rassismus und unpassende von den Medien aufgedrückte Rollenbilder. Ich habe diesen Sport nie selbst ausgeübt oder verfolgt. Dass Leistungssport hart ist, dass man diszipliniert sein muss, war mir klar und doch zeigt mir dieses Buch, dass ich keine Ahnung hatte. Turnen. Ein Sport, in dem die Athletinnen klein bleiben sollen, dünn, leicht, kindlich, weich, mit einer möglichst naiven Ausstrahlung, makellosen Haltung und einer privaten politischen Meinung. Gleichzeitig ohne Bedürfnisse, ohne Schmerzempfinden und „hart im nehmen“. „Einen Raum einnehmen, indem man sich den eigenen Raum nimmt.“ Und das sagt schon fast alles. Es geht um Trainer, die ihre Schützlinge brutal missbrauchen- was auch bekannt ist. Und doch werden diese Methoden immer wieder durch Erfolge und Medaillen legitimiert. Thematisch war Die Routinen für mich eine Offenbarung. An den Schreibstil musste ich mich erst gewöhnen und habe fast 100 Seiten lang gekämpft. Die Metaphern waren für mich stellenweise nur schwer zu greifen. Dieses Buch ist voller bedeutungsoffener Poesie, zu der ich vor allem am Anfang keinen Zugang fand. Das war für mich schwierig. Ich habe mich gefragt, warum es so ist und ob jemand, der diese Dinge so oder so ähnlich erlebt hat, diese Art der Sprache besser versteht. Die Routinen ist sicher keine leichte Lektüre für zwischendurch und der Schreibstil ist speziell und doch empfehle ich es von Herzen, da es mich sehr bewegt hat, thematisch wichtig und relevant ist und wir über diese Themen lesen und sprechen müssen ❤️
Über die Schattenseiten vom Leistungssport...
Aus Ich-Perspektive wird in Fragmenten von einer Turnerin geschrieben, die im Leistungsport aufwächst - mit allen Schattenseiten, Übergriffen und Grenzüberschreitungen. Durch den Schreibstil entsteht ein intensives Gefühl von Betroffenheit. Neben der Erzählung werden historische Fakten über die Erlebnisse von Turnerinnen eingewoben.
Inhaltlich hoch relevant und wichtig, sprachlich leider sehr schwammig.

Wahnsinn!
Die krassen Hintergründe einer Turnerinnen-Kindheit in diesem Buch ist wirklich Wahnsinn!
Dieses Buch hat mich extrem aufgewühlt, zutiefst berührt und wahnsinnig aufgeregt. "Die Routinen" erzählt von den Turnerinnen Amik und der jüngeren Izzy, von ihrem Werdegang vom unbeschwerten Kind, das mühelos ein Rad schlagen kann zur jungen Frau, die alles tut, um einen kindlichen, grlenkigen Körper zu behalten: hungern, trainieren bis zum Exzess, Schmerzen verdrängen, sich selbst verletzend. Dazu kommt die psychische Abhängigkeit vom Trainer, der Ehrgeiz, es bis zu Olympia zu schaffen, die Selbstausbeutung, das verzweifelte Ringen um Anerkennung. Wie eine literarische Collage schneidet Son Lewandowski reale Aussagen und Geschichten von Turnerinnen wie Simone Biles oder Kerri Strug in die Geschichte von Amik, macht diese so noch viel tiefer und entsetzlicher. Auch in Deutschland gab es schon diverse Skandale um Trainer und deren übergriffiges Verhalten gegenüber jungen Athletinnen. Das Buch ist teilweise nur schwer auszuhalten, nimmt einem den Atem und lässt den Leser fassungslos zurück. Leistungssport, wie er absolut nicht sein sollte. Dagegen getan wird bis heute nicht wirklich viel. Umso mehr ist "Die Routinen" ein überaus wichtiges Buch, die Geschichte einer Emanzipation.
Auf allen Ebenen überzeugend
«Routinen» ist eine Mischung aus Roman und Essay. Wir begleiten darin Amik in die Welt des Leistungssports, aber neben Amik gibt es auch noch das Kollektiv aus vielen anderen, teils weltweit bekannten, Turnerinnen, die letztlich alle dieselben Erfahrungen teilen (müssen): Denn je weiter die Geschichte voranschreitet, desto tiefgehender wird unser Blick in ein System, das junge Frauen seit Jahrzehnten radikal ausbeutet - physisch wie psychisch, monetär, sexuell. Die Geschichte ist wirklich nicht einfach, aber wenn ihr euch das Thema zutraut, dann lohnt es sich auf jeden Fall, reinzulesen. Auch, weil das sprachliche Spielen und Sezieren, auf das die Autorin sich meiner Meinung nach wirklich sehr gut versteht, literarisch ganz toll ist und viel Spaß macht.
Besondere Sprache aber für mich etwas Handlungsarm. Schmerzhaft schonungslose Offenlegung der Misstände im Turnleistungssport.
Dass man sich mal nicht vom harmlos aussehenden Cover dieses Buches täuschen lässt: In „Die Routinen“ legt Sol Lewandowsky schonungslos offen, was im Turnleistungssport alles schief läuft. Und das ist nicht wenig! Einmal zeigt Lewandowsky das anhand ihrer Erzählerin Amik, die von klein auf erfolgreich turnt, vom Beginn an unter dem auf ihr lastenden Druck leidet und doch nicht davon lassen kann. Zusätzlich spickt Lewandowsky ihre Geschichte mit Zitaten aus Büchern, Interviews und Auszügen aus Gerichtsprotokollen realer Sterne am Turnerinnenhimmel. Und man merkt schnell: Es ist einfach erschreckend, wie viel Leid über Jahrzehnte hinter den Karrieren so vieler Frauen steckt. Lewandowsky schreibt auf eine spezielle, etwas sperrige, sprunghafte aber gleichzeitig sehr poetische Art. Das macht den Lesefluss nicht unbedingt leicht, aber man findet auf jeder zweiten Seite Sätze, die man sich direkt anstreichen will. Auch musste ich erstmal googeln, ob die Autorin selbst Turnerin war oder ist. Sie schreibt so intensiv und authentisch aus der ich-Perspektive, dass man meint sie MUSS eine Karriere als Turnerin hinter sich haben. Hat sie aber nicht. Hut ab! "In den Wettkämpfen war ich die Spannung, die man kaum aushalten konnte, man konnte mich spannen, weil ich es aushalten konnte." Seite 42 Leider konnte die spärliche Handlung mich nicht ganz durch den Roman tragen. Amiks Leben scheint nur aus Turnen und Leid zu bestehen. Es gibt nichts außerhalb und das war auf Dauer etwas unsapannend zu lesen. Alles wirkt kalt und abweisend, die Sprache Lewandowskys unterstützt das. Nur die gegen Ende langsam aufkeimende Freundschaft zwischen Amik und Izzy sorgt für etwas Wärme und Abwechslung. Dieser Roman macht Lust, sich die Biografien von Nadia Comăneci, Simone Biles oder Olga Korbut anzuschauen. Es ist ein wichtiges Buch, das von Scham, Schmerzen, Übergriffen, Einsamkeit, Essstörung und Schweigen erzählt. Über Jahre. Mit System. Das zu lesen ist schmerzhaft und macht oft wütend. Ich glaube fast, als Sachbuch hätte mir das Ganze besser gefallen, als Roman konnte es mich leider nicht durchgängig fesseln. Wer Geschichten mit besonderer Sprache und literarischem Anspruch mag, sollte hier aber auf jeden Fall zuschlagen! "Sie sagen Mädels zu uns, wir sind Maschinen. Sie sagen Mädels zu uns, was sollen wir dagegen sagen? Wir sind Kinder, werden Kinder bleiben, und wenn wir uns wehren, holen sie ein neues Kind, das so lange Kind bleiben muss, wie es kann. Was sollen wir tun, außer zu turnen?" Seite 79
Sternebewertung fiktiv
Son Lewandowski dieses Buch haben wir gebraucht. Für die Verarbeitung durch reden, für das aufrütteln der Gesellschaft, Eltern und dem Turnerbund selber. Diese Sportart muss neu sortiert und überdacht werden. Lange habe ich überlegt, wie ich über dieses Buch denke. Nicht, weil mir die Worte fehlen, sondern weil sie wehtun. Die Routinen hat mir eine Welt gezeigt, die ich jahrelang bewundert habe. Heute sehe ich sie anders. Härter. Ehrlicher. Und trauriger. Ich habe dieses Buch mit Wut gelesen. Mit Trauer. Mit einem Kloß im Hals. Leistungsturnen, früher für mich Disziplin, Eleganz, Erfolg. Jetzt sehe ich Drill, Schmerz, Demütigung. Son Lewandowski reißt die Fassade herunter und zeigt, was hinter den perfekten Choreografien steckt. Hunger, psychische Gewalt, kaputte Körper, kaputte Kinderseelen. Besonders getroffen hat mich der Gedanke an meine Nichte. Jahrelang Leistungsturnerin heute eine erfolgreiche, erwachsene Frau und Mutter. Das kleine Mädchen mit den Zöpfen, das lächelnd im Anzug auf dem Podest steht. Ich wollte, dass sie mir sagt: „Tante, das ist übertrieben.“ Hat sie nicht. Sie sagte: Die Erwartungen, die Schmerzen, der Drill all das ist dieser Sport, denn ohne diese Schmerzen, Demütigungen und Drill wäre es nicht möglich solche Elemente zu turnen und diese Leistung überhaupt zu bringen. Dieser Sport ist nicht menschlich.“ Dieses Buch erzählt von Erfolg, der auf Zerstörung gebaut ist. Von Mädchen, deren Körper irgendwann „nicht mehr passen“. Zu viel Hüfte. Zu viel Brust. Zu erwachsen. Dann bist du raus. Entsorgt. Unsichtbar. Wozu all das Hungern? Wozu die Schmerzen, nicht nur körperlich, auch seelisch? Son Lewandowski hat meine Erinnerung verändert. Alles, was ich früher als bewundernswert empfand, ist jetzt mit Trauer überzogen. Auf dem Podest stehen strahlende Siegerinnen, doch niemand sieht die Tränen Minuten zuvor. Niemand hört die Schreie. Niemand zählt die Narben. Und dann liest man nicht mal zwei Wochen vorher wieder Schlagzeilen „Turnskandal in Stuttgart“ Dieses Buch kommt nicht zufällig. Es ist notwendig. Die Routinen ist ein Schlag in die Magengrube. Diese Sportart braucht keinen neuen Glanz, sie braucht Menschlichkeit. Und sie braucht Veränderung. Ein wichtiges, mutiges, schmerzhaft ehrliches Buch. Man liest es nicht einfach. Man verarbeitet es. Unbedingt lesen. Und nicht wegsehen.

Literatur, die schonungslos fragt, was Können wert ist.
Keine leichte Kost, weder literarisch noch inhaltlich, und doch ein Roman, auf den ich mich schnell einlassen konnte. Zwischen den Zeilen schwingt viel mit, sprachlich und literarisch ist viel geboten. Das Unsagbare wird immer klarer, ohne je so brutal zu werden wie das Geschehen selbst. Szenen der Verzweiflung, des Menschlichseins, die in den Routinen keinen Platz finden durften, bleiben besonders hängen. Die Protagonistin ist nicht immer nahbar, was vielleicht auch beabsichtigt ist. Perspektiven wechseln, verschiedene Stimmen mischen sich. Freude und Leid liegen dicht beieinander, doch nach außen zeigt sich nur die Leichtigkeit des Sports. Die Geschichte hinterlässt Schwere, aber auch Erleichterung und Hoffnung. Endlich wird ausgesprochen, was lange verborgen blieb. Ich empfehle dieses Buch allen, die bereit sind, hinter glitzernde Fassaden zu schauen und ehrliche, unbequeme Literatur zu erleben, die fasziniert.
Kein Applaus für dieses System
„Die Routinen“ liest sich wie ein langer, kontrollierter Atemzug vor einer Übung, bei der man weiß: Leicht wird das nicht. Gnadenlos seziert der Roman den Leistungssport Turnen und legt offen, was hinter den perfekten Choreografien steckt. Es geht um ein System, das auf Gehorsam und Wiederholung basiert, um Missstände, die nicht Ausnahmen, sondern die Regel sind. Um Trainer- Turnerinnen-Beziehungen, in denen Macht missbräuchlich ausgeübt wird, Grenzen verschwimmen und Übergriffe stillschweigend normalisiert werden. Und um den immensen Druck, immer funktionieren zu müssen – unabhängig von Schmerz, Erschöpfung oder dem eigenen Körper, der mehr und mehr zum Gegner wird. Essstörungen erscheinen hier nicht als individuelles Drama, sondern als logische Konsequenz eines Umfelds, das Kontrolle über alles stellt. Der Schreibstil ist dabei bewusst fordernd und distanziert, fast kühl. Kein emotionales An-die-Hand-Nehmen, kein klassischer Spannungsbogen. Stattdessen Fragment um Fragment: Trainings, Wettkämpfe, Gedanken, Körperzustände. Diese Distanz schafft Raum, aber sie macht die Protagonistin auch schwer greifbar – wie eine Turnerin, die man nur aus der Ferne beobachtet, während sie perfekt ihre Routinen abspult. Verstärkt wird die Wirkung durch die eingeflochtenen Zitate realer Turnerinnen, die dem Text eine schmerzhafte Authentizität verleihen und klar machen: Das hier ist keine reine Fiktion. „Die Routinen“ ist kein Roman mit großer Handlung, sondern das Aufdecken einer Karriere in Einzelteilen – nüchtern, eindringlich und lange nachhallend. Ein Buch, das keinen Applaus sucht, sondern Fragen stellt: über Leistung, Körper und den Preis von Perfektion.

Son Lewandowskis Debütroman „Die Routinen“ ist ein ebenso schonungsloses wie sprachlich eigenwilliges Buch. Er erzählt von der Leistungsturnerin Amik und legt dabei die dunkle Kehrseite eines Sports offen, der nach außen Glanz, Disziplin und Perfektion verspricht – und nach innen von Kontrolle, Grenzüberschreitungen und systematischem Schweigen geprägt ist. Im Zentrum steht Amik, deren Leben von klein auf durchgetaktet ist: Training, Wettkampf, Waage, Wiederholung. Ihr Körper wird zum Instrument, ihr Wert in Gramm, Platzierungen und Routinen gemessen. Lewandowski beschreibt eindringlich, wie aus einem Wir der Turnerinnen allmählich ein isoliertes Ich entsteht – eine Sportlerin, die sich mit jedem Erfolg weiter von Freundschaften, Solidarität und letztlich von sich selbst entfernt. Der Preis für das Siegerinnenpodest ist hoch: Essstörungen, Verletzungen, Machtmissbrauch und die ständige Angst, ersetzbar zu sein. Besonders stark ist der Roman dort, wo er Amiks fiktive Geschichte mit realen Stimmen verwebt. Zitate aus Interviews, Biografien und Gerichtsprotokollen berühmter Turnerinnen, wie Nadia Comăneci, Olga Korbut, Dominique Moceanu und Simone Biles, sowie Verweise auf den größten Missbrauchsskandal der Sportgeschichte machen deutlich, dass das Erzählte kein Einzelfall ist. Das Leid hat System. Lewandowski entlarvt die Mechanismen eines Sports, der Kinder zu Sensationen stilisiert und ihre Körper wie Rohstoffe ausbeutet – solange sie funktionieren. Sprachlich ist „Die Routinen“ anspruchsvoll, manchmal sperrig, oft poetisch. Die fragmentarische, wiederholende und rhythmische Sprache spiegelt die Monotonie und Härte des Trainings ebenso wie die innere Zerrissenheit der Erzählerin. Es ist kein Roman zum schnellen Weglesen, sondern einer, der Aufmerksamkeit fordert. Dafür belohnt er mit Sätzen, die nachhallen: präzise, schmerzhaft, von großer literarischer Kraft. Nicht immer gelingt es, emotionale Nähe zu Amik aufzubauen; ihre Persönlichkeit bleibt streckenweise schwer greifbar, was jedoch auch Ausdruck eines Lebens ist, das vollständig auf Funktion reduziert wurde. Gerade darin liegt die Konsequenz dieses Romans: Er zeigt, was passiert, wenn Menschen über Jahre lernen, zu gehorchen statt zu fühlen. „Die Routinen“ ist eine wütende, traurige und wichtige Abrechnung mit dem Leistungsturnen – und darüber hinaus mit allen Systemen, die Erfolg über Menschlichkeit stellen. Ein Roman, der wehtut, aber notwendig ist. Wer sich auf seine besondere Sprache einlässt, wird mit einer intensiven Leseerfahrung belohnt, die lange nachwirkt.

Amik ist Leistungsturnerin, sie lebt von Wettkampf zu Wettkampf, von Olympischen Spielen zu Olympischen Spielen - bis sich ihr Becken verändert, sie kein Kind mehr ist, eine Frau wird. Mit 32 Jahren gehört sie nicht mehr zum Kader, der bei den Olympischen Spielen in Istanbul antreten darf, dafür aber ihre halb so alte Mitbewohnerin Izzy, die sie bittet, als mentale Stütze trotzdem mitzufahren. Ein schwerer Unfall Izzys lässt Amiks Gedanken streifen, tief in ihre Vergangenheit und in die weltbekannter Leistungsturnerinnen. Täglicher Drill, Training bis zum Erbrechen, völlige mentale Erschöpfung, immer auf Diät sein - diesen Alltag schildert die Protagonistin Amik in Son Lewandowskis Debütroman "Die Routinen". Dass der Alltag als Leistungsturnerin nicht einfach ist, kann man sich als Zuschauer*in der Olympischen Spiele oder Turnweltmeisterschaften denken, wie viel Leid aber tatsächlich hinter dem vielen Glitzer, dem aufgezwungenen Lächeln und den kindlichen Körpern steckt, fängt die Autorin in ihrem Buch auf eindrucksvolle Weise ein. Dabei erzählt sie einerseits Amiks Geschichte, andererseits lässt sie aber auch immer wieder Einschübe realer Spitzen-Leistungsturnerinnen in ihren Roman einfließen. Dadurch macht sie auch körperliche und sexualisierte Gewalt an den Mädchen und jungen Frauen sichtbar. "Die Routinen" hat mich thematisch sehr abgeholt, da ich zuvor noch nie einen Roman über Leistungsturnerinnen gelesen habe. Sprachlich habe ich dagegen weniger Zugang zu dem Text gefunden, ich hätte mir oft mehr Präzision und Klarheit gewünscht. Nichts desto trotz legt Son Lewandowski für mich ein hochinteressantes Debüt vor, das mich nachhaltig beschäftigt und den Blick auf reale Missstände im Hochleistungsturnen lenkt.






















