6. Juni
Post image
Rating:5

»Du malst, weil du verstanden werden willst.« „All die Farben, all das Licht“ war für mich ein überraschendes Lesehighlight. Schon der Klappentext hat mich sofort angesprochen, und der Schreibstil mit den kurzen Kapiteln macht es leicht, durch das Buch zu fliegen. Am meisten hat mich Junas Geschichte rund um das Usher-Syndrom berührt. Ich kannte die Erkrankung vorher nur flüchtig und habe jetzt einen neuen Blick darauf bekommen. Vor allem als Kunststudentin fand ich die Vorstellung erschreckend, nach und nach das Augenlicht und damit das Malen zu verlieren. Die Dynamik zwischen den Schwestern, voller Neid, Liebe und Überforderung, hat mich sehr beschäftigt. Trotz des schweren Themas hatte das Buch eine gewisse Leichtigkeit. Auch das Kapitel aus Sicht des Vaters und die Einbindung von Lotte Laserstein haben mir gut gefallen.

All die Farben, all das Licht
All die Farben, all das Lichtby Cora WuchererKlett-Cotta
4. Juni
Rating:5

Juna, Martha und Lotte

“Wer bestimmt, wer sich an Menschen erinnert? Muss man etwas Besonderes leisten, um in Erinnerung zu bleiben? Was ist ein Leben, wenn irgendwann keiner mehr weiß, dass man es gelebt hat?” Die 17jährige Juna lebt mit ihrer 13jährigen Schwester Martha und ihrem Vater Gregor in einer kleinen Zweizimmerwohnung in München-Giesing. Juna liebt das Malen und ist sehr begabt, doch sie leidet am Usher-Syndrom, das ihr über kurz oder lang das Augenlicht nehmen wird. Bei einer Kontrolluntersuchung erfährt sie, dass ihr nicht mehr lange bleibt, ihre Krankheit schreitet zu schnell voran. Martha heckt einen Plan aus um ihrer großen Plan ihren großen Wunsch zu erfüllen. Juna liebt die Werke der Künstlerin Lotte Laserstein und möchte ihre Ausstellung in Malmö sehen. Und so beginnt die 13jährige Martha im Kino zu jobben, dank dem Ausweis ihrer Schwester und der Traum scheint plötzlich ganz nah. “Im Japanischen gibt es ein Wort dafür, habe ich mal gelesen. Komorebi. Wörtlich übersetzt heißt das: Sonne, die durch ein Blätterwerk scheint. Oder: Sonnenblinzeln. Komorebi beschreibt alles, was da zusammentrifft, das Licht, die Blätter, die Perspektive. Es gibt nicht nur hell und dunkel, sondern ganz viel dazwischen. Die Lichtschlieren, das Schweben von Staubpartikeln oder Insekten, das leuchtende Grün der Blätter. Da ist etwas zwischen Schatten und Licht. Vielleicht liegt genau darin die Schönheit.” Coming of age meets Healing fiction. Was erstmal seltsam klingt, da sich Junas Zustand dramatisch verschlimmert, so haben die zwei Schwestern noch andere “Baustellen”, die es zu therapieren gilt. Die zwei, die vorher wenig miteinander redeten, müssen lernen, dass sie nur gemeinsam stark sein können. Cora Wucherer hat ein wunderschönes Buch geschrieben, das ernst ist, aber auch ausgesprochen leicht und über allem steht die Lebensfreude. In einer außergewöhnlich schönen Sprache nimmt uns die Autorin mit nach München, Malmö, Hamburg und lässt uns teilhaben am Leben zweier Schwester, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber sich doch in vielem gleichen. Mein letztes Buch war “Niemands Töchter”, in dem es auch um die Kamera einer Mutter geht, es ist schon manchmal interessant, wie sich der Kreis schließt. (Aktuell im Juni 2026 als Ebook-Vorab für 4,99€ - KAUFEN UND LESEN!!!)

All die Farben, all das Licht
All die Farben, all das Lichtby Cora WuchererKlett-Cotta