Natasha Pulley und ein Buch das sich mit einer mythologischen Figur auseinander setzt? Das kann nur gut werden - dachte ich.
Tatsächlich ist dieses Werk für mich das schwächste bisher.
Ich finde die Welt die sie erschaffen hat wirklich gut - wir scheinen uns in Theben der mykenischen Zeit zu befinden, also so um 1200 v. Chr.
Ihre Version des Dionysos ist wirklich spannend, denn er ist nicht richtig greifbar und dabei so komplex und so subtil.
Phaidros des Hauptcharakter und Erzähler der Geschichte wächst einen ans Herz. Er ist ein tief traumatisierter Krieger, der viel Verlust erlitten hat und dennoch so voller Ehre und Pflichterfüllung ist.
Die Beziehung zwischen den beiden entfaltet sich auch sehr sehr langsam. Gefühlt eigentlich nur in den letzten hundert Seiten und bleibt ganz zart. Die beiden sind so bedeutsam für einander. Ich hätte gerne mehr Zeit mit ihnen gehabt.
Das Buch lässt sich auch eigentlich gut lesen, aber...Aber.
Gleichzeitig ist es auch stellenweise etwas zäh, man tanzt des öfteren dezent im Kreis und die Geschichte hätte man auch wirklich auf weniger Seiten erzählen können. Der Wahnsinn grassiert nicht nur in Theben. Ich hab auch irgendwie was anderes vom Buch erwartet. Wahrscheinlich das die Beziehung zwischen Dionysos und Phaidros mehr im Mittelpunkt steht. Und ein weniger netten Dionysos vielleicht. Für den Gott des Wahnsinns war er doch Recht lieb.
Und ein Aspekt möchte ich kritisieren. Die Beziehung zwischen Helios und Phaidros. Helios ist der Bruder der thebanischen Königin. Er hat Phaidros aufgezogen. Ihn zum Krieger ausgebildet. Und die beiden haben sich geliebt. Aber nicht nur als Vater/Sohn oder großer Bruder/kleiner Bruder. Helios war auch der Ehemann von Phaidros und gute 15 Jahre älter. Zwar beschreibt Phaidros das Helios ihn nicht körperlich nah kam, weil Phaidros zu jung war und es wird auch nicht ganz klar, ob ihr Verhältnis je in diese Richtung ging, aber irgendwie ist der Subtext da?
Also mindestens Grooming ist hier. Und ja, historisch betrachtet gab es Päderastie. Aber dann hätte die Autorin das irgendwie anders behandeln können/ oder anders adressieren?- so ist es zugegeben subtil und nur zwischen den Zeilen geschrieben. Aber irgendwie war die Andeutungen da.
Wieder ein fantastisches Buch von Natasha Pulley. Ein Gott und ein Krieger treffen aufeinander, und es entsteht eine fantastische Geschichte. Wieder ein Buch wie ein Urlaub.
Der Roman hat mich insgesamt gut unterhalten, auch wenn er mich mit einem zwiespältigen Eindruck zurückgelassen hat.
Der Roman hat mich insgesamt gut unterhalten, auch wenn er mich mit einem zwiespältigen Eindruck zurückgelassen hat. Während des Lesens wusste ich nicht immer, worauf die Geschichte hinaus will, und zwischendurch zieht es sich ein bisschen. Trotzdem wollte ich immer wissen, wie es weitergeht.
Ich fand das Setting und das Mal nicht so streng mit der griechischen Mythologie umgegangen worden ist gut. Allerdings ist der sehr moderne Ton, den Phaidros als Erzähler anschlägt, für mich nicht immer stimmig gewesen. Manchmal bin ich darüber gestolpert.
Phaidros selbst mochte ich. Seine innere Zerrissenheit in Bezug auf seine Ehre als Krieger, der sich von seinen Fesseln befreien muss, ist nachvollziehbar.
Dionysos blieb für mich dagegen eher schwer greifbar, was vermutlich eine bewusste Entscheidung der Autorin war. Die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden ist sehr langsam und manchmal auch nicht ganz verständlich, was sie einander anziehend finden. Jedenfalls aus Dionysos Sicht. Die vergangene Beziehung zwischen Phaidros und Helios fand ich moralisch doch sehr fragwürdig, auch wenn Phaidros zu diesem Zeitpunkt erwachsen war.
Auch bei der vielen Kritik hat mich der Roman gut unterhalten. Wer sich auf ein anderes Leseerlebnis einlassen möchte, bekommt hier eine ungewöhnliche und in Ansätzen philosophische Geschichte
"Eichhörnchen. Ich mag Eichhörnchen. Sie haben so putzige Hände und einen lustigen Schwanz."
Das Lied des Dionysos ist eines dieser Bücher, die ich wirklich mögen wollte, es mir aber echt schwer gemacht hat. (Es können Spoiler folgen, duh.)
Zum einen lag es daran, dass der Anfang sich sehr gezogen hat. Ich verstehe, dass es viel Build-Up war, aber wir treffen den relevanten Dionysos erst auf Seite 150 und bis dahin war es zäh. Das wird nicht durch den Fakt begünstigt, dass ich Phaidros die ersten 200 Seiten absolut nicht ausstehen konnte, was darauf beruht, dass er uns sagen will, wie sehr er einen 15 Jährigen hasst, der Plot uns aber nie zeigt, wieso das berechtigt ist (außer am Ende, aber dann wars nicht mal seine Schuld). Erwachsene die Kinder mobben. Stark. Zuzüglich redet er sehr viel, was sich wie Filler anfühlt und auch später naturell durch den Plot erklärbar wäre.
Darüber hinaus war auch der Schreibstil gewöhnungsbedürftig und als dann am Ende reichlich Head-Hopping anstand, musste ich Atemübungen machen, ehe mich der Wahnsinn packte. Es waren einfach einige Formulierungen dabei die ich bei dem Setting nicht erwarte (Looking at you, "Krass".)
Auch der Plot war nicht ganz konsistent. Mir mangelte es an Struktur und einem roten Faden. Gestern war eine Dürre, morgen ist sie vergessen. Gerade eben hatte der Protagonist eine gebrochene Rippe, fünf Minuten später trägt er problemlos ein Kuhwesen durch die Gegend, nur um 3 Seiten später beim Treppensteigen zu motzen, dass ihm die Rippen wehtun. Einmal haben die kaum was zu Mampfen, dann hat er Prota 300 Kilo Fressalien die er verschenkt, nur um dann wieder zu motzen, dass er nichts für die Kauleiste hat.
Einige Plotstränge verlaufen sich m.M.n. auch im Sand (wortwörtlich). Ein riesiger Riss voller uralter Strukturen? Nie wieder erwähnt. Masken, die Leute verwandeln (richtig cooles Konzept)? Nur zweimal relevant.
Das alles resultierte darin, dass es sich anfühlte, als würde kein Problem wirklich gelöst werden, sondern vielmehr einfach in Vergessenheit geraten, damit es bei neuen Plotsträngen nicht stört. Resultat: wir drehen uns manchmal munter im Kreis und ersticken in ewig langen Beschreibungen von Landschaften, die nicht mit der Erzählstimme des Protagonisten (rau, ruppig, kurzangebunden) übereinstimmen. Ich hab erwartet, dass er als Krieger Taktiken im Feld raussucht, von wo man angegriffen werden kann etc. Stattdessen nennt er dreißig Pflanzenarten. Ok, Botaniker.
Zwischendrin gab es ein verwirrendes Riesendrama über den Stammbaum, dessen Set-Up unnötig wirkte und keinen Sinn ergab und dann ermüdend über 3 Seiten in einem "Holt Whiteboard-Tafel raus und fühlt sich" Moment aufgelöst wurde. Nebenbei wurde auch gleich eine wunderbare "Vater-Sohn-Beziehung" zu einem Grooming-Fall fürs Jugendamt. Und nein, "Das ist die Antike, das war so", zählt hier nicht als Argument, denn in diesem Buch gibt es schließlich auch Magie, Götter etc. Darüber hinaus hat der elf Jahre ältere Dude da gar kein Bock drauf. Den Prota zu sehen, wie er unbedingt den umgarnen will, den er kennt seit er ein Baby war, schmeckte sauer auf der Zunge und ich dachte mehrfach "Nein Natasha, du irrst dich, die hatten ein anderes Verhältnis, danke, tschüss."
Allerdings hatte das Buch durchaus auch seine Stärken. Die größte davon war Dionysos, der muss ordentlich Rückenschmerzen haben, so wie er das für mich gecarried hat. Er war ein wunderbarer Charakter und hat mich öfter mal zum Schmunzeln gebracht. Und wie kann man jemanden nicht mögen, der Eichhörnchen mag?
Dann ist da Phaidros. Auch wenn ich ihn zuerst wie bereits erwähnt nicht ausstehen konnte, muss ich zugeben, dass der Mann Sprüche kloppen kann, die mich z.T. laut auflachen lassen haben. Darüber hinaus gefiel mir, dass er als Krieger auch entsprechend gezeichnet war (Taubheit, Narben, Schreckhaftigkeit, ptsd) und dementsprechend auf Stress reagierte. Ich muss zugeben, dass er mir durchaus ans Herz wuchs und ihm eine positive Entwicklung gelang. Und den letzten Plottwist um ihn habe ich nicht ganz kommen sehen, also Chapeau an der Stelle.
Die Beziehung zwischen den beiden war süß herausgearbeitet. Nicht Achill-Patroklos Niveau, aber das war hier nicht nötig. Es bestach auf seine eigene Weise und die Sanftheit zwischen denen war wirklich schön zu lesen. Und ich war ein Fan davon wie Dionysos Phaidros mit seinen pikanten Fragestellungen richtig schön auf den Sack gegangen ist.
Die anderen Charaktere waren da. Manche waren etwas mehr herausgearbeitet als andere, insgesamt will ich hier nichts bemängeln.
Wo der Plot mal konsistent war, war er spannend und konnte mich zum Weiterlesen motivieren. Der Schreibstil selbst war etwas gewöhnungsbedürftig und z.T. anstrengend (looking at you, Schachtelsätze).
Das Ende war akzeptabel und passte zum Plot, allerdings habe ich den Twist kommen sehen und war dementsprechend nicht überrascht. Mitgefiebert wurde auch eher weniger.
Insgesamt eine nette Lektüre, die manchmal etwas langatmig und vor allem eine mangelnde Stringenz aufweist. Ich glaube, da wäre mehr rauszuholen gewesen, hätten wir weniger Punkte aufgemacht und die vorhandenen stattdessen verfolgt. Allerdings herausragend in der Charakterentwicklung, sodass es drei von fünf Eichhörnchen mit Honigkuchen gibt.
Einfach ein wundervolles Buch. Schöner Schreibstil. Spannender Plot. Interessante Charaktere. Phaidros ist mir sehr ans Herz gewachsen und es tat schon lange nicht mehr so weh ein Buch zu beenden, weil das eben auch bedeutet nichts neues über die Charaktere zu erfahren. Ein absolut liebevoll geschriebenes Buch und eine klare Leseempfehlung💙
„Hoffnung ist der Tod der Tapferkeit.“
Der junge Krieger Phaidros rettet einem Baby das Leben, das ihn eigenartig fasziniert. Jahre später, er selbst ist Soldat, sammelt er auf der Schifffahrt nach Theben einen seltsam schönen Jüngling auf. Ihm droht das unweigerliche Schicksal als Skalve verkauft zu werden. Doch plötzlich sprießt längst totgeglaubtes Holz, Blumen erblühen auf dem Schiff - und es geht unter. Doch nicht genug. Über Theben breitet sich eine nie dagewesene Dürre aus. Die Einwohner werden wahnsinnig - und Phaidros begegnet der Mann, der eigentlich ein Gott ist, in mannigfacher Gestalt.
Ein neuer Roman von Natasha Pulley. Natürlich musste ich ihn früher oder später lesen. Und was für ein Roman. Zurück in antike Zeiten entführt uns Pulley diesmal. In eine Zeit, in der sich Götter und Menschen näher waren. Seltsam verwoben und durchtränkt von Legenden und Mythen - in eine solche Realität entlässt mich Pulley.
„Das Lied des Dionysos“ ist wie wir es schon von ihr kennen, sehr charakterbezogen. Im Mittelpunkt treffen sich der Krieger Phaidros und der Gott Dionysos immer wieder und üben aufeinander eine merkwürdige Anziehungskraft aus. Die Handlung an sich, die Intrigen und politischen Spielchen gruppieren sich darum herum, sind leise und treten nur dann in den Vordergrund, wenn sie gebraucht werden. Wie Statisten in einem griechischen Drama.
Die Beziehung selbst zwischen den beiden Protagonisten entsteht nur langsam und zwischen den Zeilen. Phaidros und Dionysos sind unglaublich gut ausgearbeitet. Der Krieger hat seiner Jugend zum Trotz viele Verluste erlitten, die Kriegsmüdigkeit zehrt an ihm und er fühlt sich vor seiner Zeit verbraucht. Der Gott des Weines ist ungestüm und wild, verrückt und überlegend und erscheint Phaidros in vielen Gestalten. Die Nähe der beiden baut sich langsam auf und hat genau das Tempo, das mir gefällt. Das Sehnen fällt insbesondere Phaidros schwer zuzugeben.
Natasha Pulley ist es gelungen, aus der Ich-Perspektive eine Erzählung zu schreiben, die mich mitgenommen hat. Die Fragen aufwirft. Die fragile Erzählkonstrukte erschafft und mit Emotionen und Leben füllt, die mich mitnehmen. Ihre Kunst ist es, die Zeilen schwer greifbar und unwirklich erscheinen zu lassen, mich aber trotzdem mitzunehmen.
Es sind die Gegensätze, die mich angezogen haben. Die ruhigen Gespräche an moosbewachsenen Brunnenrändern. Erinnerungen an geschlagene Schlachten, gefährlich-wilde Tänze rund politische Intrigen - und die Handlung bewegt sich immer zwischen Realität und Magie.
Ich hatte viel Spaß an dem Buch, doch irgendetwas hat mir gefehlt. Im Vergleich mit ihren anderen Büchern landet „Das Lied des Dionysos“ bei mir nur auf den hinteren Rängen unter den Pulley-Büchern.
Rezension: (kann Spoiler enthalten)
Da griechische Mythologie total meins ist, hatte ich das Buch schon im Auge und dann war es passenderweise in der Bib verfügbar.
Ich mochte die Idee total und der Einstieg war auch super interessant, trotzdem ist er mir schwer gefallen. Zum einen, weil die ganze Situation im Buch eher bedrückend ist und man sich daran erstmal gewöhnen muss, aber auch weil ich mit dem Schreibstil zuerst nicht so ganz klar kam. Aber Stück für Stück wurde es besser und dann hat es mir doch echt gut gefallen.
Teilweise wirkt alles etwas wirr und bedrückend, aber es wird eben auch die Frage thematisiert, wieviel alltäglicher "Wahnsinn" ein Mensch braucht und ob es nicht heilsam sein kann, manchmal ein wenig auszuflippen. Das fand ich ganz spannend.
Besonders das Ende fand ich dann schön, es hat Phaidros und Dionysos einen gelungenen und runden Abschluss beschehrt, auch mit ihrer Vergangenheit. Und es kam doch noch zu einem ziemlich interessanten Twist, der zum Ende hin die Story noch echt gut gemacht hat.
4 Sterne
Der junge Krieger Phaidros rettet in Theben ein ausgesetztes Baby, von dem eine ganz eigenartige Faszination ausgeht, vor dem sicheren Tod und bringt es zum Tempel der Artemis, in dem verwaiste Kinder aufgezogen werden. Wer kann schon ahnen, dass mit dem kleinen Jungen unvergleichliches Unheil über ganz Theben, ja über der ganzen Welt aufzieht.
Was hat es mit dem Findlingskind auf sich? Ist es ein Bastard oder vielleicht gar von Zeus gezeugt? Jahre später, Troja ist gefallen und die Soldaten um Phaidros rüsten die Schiffe zur Heimfahrt. Da begegnen sie auf einer Insel einem seltsam schönen Jüngling und nehmen ihn gefangen. Ihm droht nun das Los als, Sklave verkauft zu werden, – was für ein Frevel! Das Kentern des Schiffs ist erst der Beginn einer verheerenden Rache, des gedemütigten Dionysos. Über Theben breitet sich eine nie dagewesene Dürre aus. Aber noch schlimmer: Eine seltsame Macht ergreift Gemüt und Verstand der Menschen, der Wahnsinn geht um. Und doch hängt das Herz von Phaidros an dem Gott, der ihm in vielerlei Gestalt begegnet.
Ich war der Story ab den ersten paar Seiten verfallen, die Autorin erzählt die damalige Zeit so detailliert und nahezu als ob es erst gestern gewesen ist, der Plot ist mehr als überraschend und zu keinem Moment vorhersehbar, die Settings sind perfekt dargestellt, so konnte ich noch besser in die damalige Epoche eintauchen, die Einzelnen Protagonisten waren sehr interessant und es hat wirklich Spaß gemacht sie durch das Buch zu begleiten, ich hatte schon die vorherigen Bücher der Autorin gelesen, aber dieses hat mir von der Story alleine am besten gefallen.
Mythen haben ja so einen ganz speziellen Trick drauf: Sie packen dich, lassen dich taumeln und bevor du dich versiehst, sitzt du mitten in einem Strudel aus Blut, Wahnsinn und göttlicher Eitelkeit. Genau das liefert Natasha Pulley mit ihrem „Lied des Dionysos“. Wer denkt, hier gibt’s nur verstaubte Helden in Sandalen, liegt daneben – das Ganze ist eine wilde Mischung aus antiker Tragödie, Fantasy-Feuerwerk und einem Schuss Humor, der überraschend modern daherkommt.
Phaidros ist so eine Figur, die man gleichzeitig anfeuern und kopfschüttelnd betrachten will. Loyal bis zur Selbstaufgabe, mit einem Herzen, das sich ausgerechnet an Dionysos hängt – diesen launischen, blendend schönen Gott, der zwischen verführerisch und zerstörerisch im Sekundentakt wechselt. Da kracht es ordentlich, und zwar nicht nur auf dem Schlachtfeld. Pulley schafft es, den Wahnsinn des Dionysos so lebendig zu machen, dass man fast selbst anfängt, Stimmen zu hören.
Die Stärke des Buches liegt in der Bildgewalt. Szenen, in denen ganze Städte von Trockenheit und Wahnsinn zerfressen werden, haben echtes Kinoformat. Gleichzeitig gibt es intime Momente, in denen Phaidros’ Humor durchscheint und man sich dabei ertappt, zu grinsen, obwohl gerade alles den Bach runtergeht. Genau diese Kontraste machen die Geschichte spannend.
Aber – und deswegen auch vier Sterne – manchmal verliert Pulley die Zügel. Da ufert der Text aus, Dialoge drehen sich im Kreis, und man hat das Gefühl, Dionysos habe nicht nur die Figuren, sondern auch die Autorin kurzzeitig in den Wahnsinn getrieben. Kürzer wäre hier tatsächlich mehr gewesen. Trotzdem: Wer antike Stoffe in neuem, verrücktem Gewand liebt, kriegt hier ein Festmahl serviert. Wild, schräg, manchmal überfordernd – aber definitiv unvergesslich.
Meine neue Lieblingsgeschichte aus der Welt der Mythen
Ich habe mich sofort in die Charaktere verliebt, besonders in Phaidros und Dionysos. Phaidros ist unglaublich vielschichtig: Als Mündel von Helios aufgenommen, wächst er zu einem liebenswerten Jungen heran. Als er der Schwester von Helios begegnet, ist er abgelenkt und fasziniert von einem Baby mit leuchtend blauen Augen. Eines Nachts schleicht er sich unerlaubt durch die Gänge und wird Zeuge eines Blitzeinschlags. Er nimmt das Baby in seine Obhut und bringt es in einen Tempel, um es zu retten. Später, als ausgebildeter Soldat, begegnet er auf einer Insel erneut einem jungen Mann mit denselben Augen.
An Bord des Schiffes, das den Jungen in die Sklaverei bringen soll, begegnet dieser allem mit Gleichgültigkeit und einem amüsierten Blick. Plötzlich geschehen auf dem Schiff merkwürdige Dinge: Efeu wächst auf dem Bord, totes Holz wird wieder lebendig. Als das Schiff schließlich sinkt, sagt der Junge zu Phaidros, dass er ihn wiederfinden wird – und Phaidros lebt fortan mit dieser Gewissheit.
Pflicht und Loyalität gegenüber der Königin stehen für Phaidros an erster Stelle, doch tief in ihm steckt eine Sehnsucht. Nach Helios’ Verlust funktioniert er nur noch. Alles, was er sich wünscht, ist, dass der Fremde mit den blauen Augen ihn endlich erlöst – doch was für ein Unglück er nach Theben dadurch bringt, damit hätte er niemals gerechnet.
Ich habe das Buch in nicht mal drei Tagen verschlungen. Der Schreibstil ist flüssig und fesselnd, aber das Spannendste ist Phaidros selbst: stark, unbeugsam und brutal, wenn es die Pflicht verlangt, und gleichzeitig einsam, liebevoll und von seiner Sehnsucht nach dem blauäugigen Gott geplagt.
Besonders gut gefallen hat mir, wie Dionysos als Gott dargestellt wird. Er ist nicht dieses unnahbare, unsterbliche Überwesen, sondern sehr menschlich, verletzlich und emotional. Das macht die Beziehung zwischen ihm und Phaidros besonders spannend und berührend.
Action gibt es nicht viel, dafür geht es viel um Politik, Ehrgefühl und Pflicht – gegenüber dem Volk und der eigenen Familie. Immer wieder tauchen philosophische Fragen auf, die Phaidros vor Entscheidungen stellen und seine selbst auferlegte Pflicht hinterfragen.
Insgesamt ein großartiges Buch, das mit Leichtigkeit wie ein Tanz im Rausch daherkommt, aber gleichzeitig tiefgründig ist. Die Charaktere sind komplex, und die zarte Liebesgeschichte entwickelt sich langsam und auf absolut menschliche Weise – auch wenn das Ende göttlich ist.
Für mich gehört es, neben Madeline Millers Circe - zu den besten mythologisch inspirierten Geschichten, die ich bisher gelesen habe.
*unbezahlte Werbung- Rezensionsexemplar
Im antiken Griechenland wächst Phaidros im thebanischen Heer auf. Er ist das Mündel seines Kommandanten Helios.
Im Kindesalter reisen die Beiden nach Theben, dort rettet Phaidros ein ausgesetztes Baby aus einer Notsituation - Nichtwissend, was es mit diesem Kind auf sich hat.
Das Buch wurde in einem schönen Erzählstil geschrieben, die Geschehnisse kommen genau im richtigen Tempo.
Ab und an waren einige Stellen ziemlich verwirrend, als hätte man ein Kapitel übersprungen, aber es fügt sich im weiteren Lesen dann dennoch alles zusammen.
Definitiv kein Roman, den man nebenbei lesen kann - hier muss man sich voll auf die Geschichte konzentrieren.