Wie schaffen es Rechte über einen positiven DDR Bezug, einen Staat, der sich als sozialistisch und antifaschistisch verstand, Wähler*innen in Ostdeutschland für eine ethnonationalistische Politik zu begeistern? Volker Weiß bietet hier eine historische Perspektive auf diese Frage. Auch für einen Nicht-Historiker wie mich, sehr einfach und verständlich zu lesen und höchst informativ, um die autoritären und rechtsextremistischen Kräfte in Ostdeutschland deuten zu können. Insbesondere das Nachwort war für mich eine sehr gewinnbringende Lektüre.
Vorwärts in die Vergangenheit –’ Das deutsche Demokratische Reich Volker Weiß beschreibt in seinem Buch ein gigantisches politisches und kulturelles Umdeutungsprojekt, das von der Neuen Rechten, AfD-nahen Vordenkern, russischen Ideologen und diversen neokonservativen Akteuren betrieben wird.
Volker Weiß zeigt in „Das deutsche Demokratische Reich“ eindrucksvoll, wie AfD, Neue Rechte und russische Ideologen Geschichte systematisch umdeuten, um ein autoritäres Gegenmodell zur demokratischen Bundesrepublik aufzubauen. Begriffe wie „Sozialismus“, „Volk“ oder „Souveränität“ werden bewusst verfälscht, die DDR nostalgisiert, Russland verklärt und die Vergangenheit zur politischen Waffe gemacht. Dieses Projekt zielt nicht auf Demokratie, sondern auf eine ethnisch definierte, illiberale Ordnung. Wer verstehen will, wie diese Strategien funktionieren und warum sie unsere Gegenwart gefährden, sollte Weiß unbedingt lesen.
Da ich mich für Politik interessiere und ich eine einiges schon von Volker Weiß in Erfahrung gebracht habe. Dachte ich mir warum nicht mal endlich ein Buch von Ihm lesen. Es ist sehr plausibel geschrieben, es ist auch nicht schwer rein zu kommen in das Buch und der Lesefluss ist okay. Einiges was er beschreibt, war mir jetzt nicht neu. Finde es doch sehr faszinierend wie er die AFD und andere Rechte Organisationen wirklich ihre Widersprüche und Lügen aufzeigt. Das macht er mit sehr vielen Fakten, die Er auch mit ausreichend vielen Quellen stützt. Diese Quellen kann man sehr gut nachverfolgen. Dennoch nur 4 Sterne, weil es auf mich so wirkt als wäre es hastig geschrieben, es wirkt Stellenweise wie als würde er mit Fremdwörter nur so um sich schmeißen. Dabei hätten auch einfach Worte zum gewünschte Ziel verholfen. Nichts desto trotz, empfehle ich dieses Buch für Politik interessierte oder sogar Einsteiger für Politik bzw Leuten die der Annahme sind, ihre Meinung wäre ein Fakt 😉

Dieses Buch war für mich wirklich ein kleines Projekt, nicht weil es schlecht war, sondern weil es so unglaublich dicht und informationsgeladen ist. Ich musste beim Hören durchgehend voll konzentriert sein, was mit Abi-Stress ehrlich gesagt nicht immer einfach war, aber es hat sich gelohnt. Ich habe so viel Neues gelernt, gerade über rechte Ideologien, Geschichtsbilder und die Ziele der AfD. Besonders interessant fand ich, wie die extreme Rechte versucht, Geschichte umzudeuten und politische Narrative zu beeinflussen. Auch die Verbindungen zu rechten Bewegungen in den USA und Russland wurden aufgezeigt, was mir nochmal eine ganz neue Perspektive gegeben hat. Viele Begriffe und Namen waren mir vorher noch kein Begriff, umso mehr schätze ich es, dass vieles im Buch nochmal erklärt und eingeordnet wurde. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass einige Teile des Buches in etwas einfacherer Sprache verfasst wären, gerade wenn es um die vielen Fachbegriffe geht. Da ich im Geschichts-LK bin, konnte ich die meisten Begriffe verstehen, aber für Menschen ohne viel Vorwissen könnte es stellenweise schon etwas schwierig sein, den komplexen Inhalt zu verfolgen. Eine Version in vereinfachter Sprache wäre hier definitiv hilfreich, um mehr Menschen den Zugang zu solchen wichtigen Themen zu erleichtern. Besonders das Nachwort hat mir geholfen, nochmal alles einzuordnen. Heiko Grauel als Sprecher fand ich super angenehm - er hat den Inhalt ruhig, aber eindringlich vermittelt. Ich hab das Buch in kleinen Etappen gehört, weil ich wirklich nichts verpassen wollte. Es hat mir definitiv geholfen, aktuelle politische Entwicklungen besser zu verstehen, und ehrlich: Wir sollten ALLE mehr über diese Themen wissen.
Wenige Bücher sind momentan so aktuell wie Volker Weiß' "Das Deutsche Demokratische Reich - Wie die extreme Rechte Geschichte und Demokratie zerstört". Volker Weiß analysiert und zeigt den Leser*innen anhand einiger exemplarischer Beispiele auf, wie die extreme Rechte Geschichte umdeutet. Zunächst widmet sich Weiß dem Verhältnis der Rechtsextremisten zu Russland. Einerseits galt Russland lange als der "natürliche Feind" der extremen Rechten, die sich nach wie vor einen Sieg über Russland erhofft. Gleichzeitig bewundert die extreme Rechte das autoritär geführte Russland und sieht in ihm ein letztes Bollwerk und einen Verbündeten gegen den von ihr verhassten liberal-dekadenten und verweichlichten Westen. Die Hinwendung zu Putins Russland wird dank dessen Unterstützung extremistischer Organisationen und Parteien in Europa erleichtert. Entsprechend ambivalent ist auch der Umgang der Rechten in Bezug auf den Ukraine-Krieg. Die einen sehen die Möglichkeit gekommen, endlich Russland zu besiegen, die andere Fraktion wiederum sieht die Ukraine auf dem Weg zu einem westlich-liberalen und somit falschen Weg und unterstützt Russland. Ausführlich widmet sich Weiß auch der Umdeutung des Nationalsozialismus durch die extreme Rechte. Exemplarisch geht Weiß auf die Behauptung ein, die Nationalsozialisten seien eigentlich Linke gewesen. Weiß hat sich die Mühe gemacht und tief gegraben, um die vermeintliche Quelle aufzutun. Er arbeitet sehr anschaulich heraus, warum erstens die Quellenangabe falsch ist und zweitens die Bezeichnung der Nationalsozialisten als angebliche Linke komplett falsch ist. Falls also jemand mal Munition gegen diese steile Behauptung benötigt, lohnt ich schon allein deswegen der Kauf des Buches. Sehr faszinierend ist auch der Abschnitt, in dem Weiß die Haltung der extremen Rechten zur DDR im Besonderen und Ostdeutschlands im Allgemeinen analysiert. Hier wird besonders deutlich, dass sie sich die Geschichte gerne so zurechtbiegt, wie es ihr gerade passt. Einerseits ist die DDR dank der Mauer sozusagen ein Hort reiner Deutscher, Ostdeutschland ein Sehnsuchtsort, weil nicht vom Westen und insbesondere den USA infiltriert, andererseits aber wird - hier ist die extreme Rechte ausgesprochen flexibel - die DDR gerne herabwürdigend genutzt, um zum Beispiel Angela Merkel als SED-Schergin zu diskreditieren. Volker Weiß hat nicht den Anspruch zu erklären, warum die extreme Rechte dermaßen erfolgreich ist; das hätte wahrscheinlich den Rahmen des Buches gesprengt. Ansätze gibt es zwar, aber der Autor bleibt im Wesentlichen bei der Analyse der Geschichtsumschreibungen der extremen Rechten und deren Einordnung. Er zeigt die Widersprüche auf und auch, wie opportunistisch die extreme Rechte vorgeht, um (mehr) Macht zu erlangen. Alles in allem ist "Das Deutsche Demokratische Reich" ein sehr lesenswertes Buch, das fundiert darlegt, warum und wie die extreme Rechte Geschichte umschreibt bzw. umzuschreiben versucht.




