Ginsterburg ist eine fiktive Stadt. Die Handlung erstreckt sich über drei Jahre: 1930, 1940 und 1945. Die Geschichte verfolgt die Entwicklungen verschiedener Protagonisten über diese Zeiträume hinweg. Die Darstellung konzentriert sich eindringlich auf diesen spezifischen Ort, wodurch die Veränderungen der Charaktere besonders hervorstechen.
Überfrachtet mit Wörtern, deren Bedeutung man googeln muss
Die Schicksale aller Personen waren super interessant. Es hat mich teilweise sehr erschrocken, wie die sprache damals war. Wie die nazis gesprochen haben. Mich hat es aber sehr gestört, dass dort sehr viele Worte verwendet wurden, die ich nicht kannte. 🤷🏼♀️
1935-1940-1945 die fiktive Geschichte einer fiktiven Kleinstadt aber recherchiert anhand der Aussagen realer Bürger nach dem Krieg: Haben sie Hitler gesehen? Haben sie davon gewusst? Der Roman findet Figuren die aus Überzeugung, Eigennutz oder Angst folgen, beschäftigt sind mit Aufstieg, Alltag, Liebe und Rassismus. Frank kombiniert unterschiedliche Textformen und schafft auch so ein fiktiv realen Blick in Aufstieg und Untergang des Nationalsozialismus.
OPA WAR (K)EIN NAZI? Im Rahmen der MEMO-Jugendstudie Deutschland 2023 befragte das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung Bielefeld Jugendlich und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 25 Jahren zu verschiedenen Aspekten der Beziehung und Positionierung zwischen den Leben der Probanden und der Geschichte des Nationalsozialismus, um auf Basis der Ergebnisse Anhaltspunkte und Orientierung für die Ausgestaltung einer zukünftigen historisch-politischen Bildungsarbeit zu erhalten. Eines der Ergebnisse der Studie, deren Kürzel für „Multidirektionaler Erinnerungsmonitor“ steht, versucht – ähnlich wie Harald Welzers Studie „Opa war kein Nazi“ von 2002 – ein Blick auf Familiengedächtnisse zu werfen und kommt 21 Jahre nach Welzer zu einem ähnlichen Ergebnis. So wurden die Teilnehmer*innen gefragt, ob sie glauben, ihre Vorfahren hätten in er Zeit des Nationalsozialismus zu den Tätern, den Opfern oder zu jenen, die Opfern geholfen haben, gehört. Lässt man die Diskussion über diese Kategorien außen vor, so zeigte die Studie, dass weniger als jeder zehnte der Teilnehmer*innen glaubt, dass die Vorfahren im Nationalsozialismus zu den Täter*innen gehörten, dafür war aber jeder fünfte der Auffassung, dass die Verwandtschaft auf Seiten der Opfer gestanden habe, etwas weniger (15,6%) waren der Ansicht, dass es in der Familie Personen gab, die Opfern geholfen haben. Schaut man sich die allgemeine MEMO III Studie ohne den Fokus auf Jugendliche an, dann macht die Gruppe der Helfer*innen und Opfer über zwei Drittel der Gesamtgesellschaft aus. Man muss nun kein Historiker sein, um zu erkennen, dass das in keiner Weise der historischen Realität entsprochen haben kann und sozialwissenschaftliche wie psychologische Erklärungsansätze für diese eklatante Schieflage in der Wahrnehmung gibt es einige, Arno Frank legt mit seinem neuen, dritten Roman nun ein literarisches Korrektiv dieser Wahrnehmung vor. Der Romananfang erinnert an Ray Bradburys Horrorgeschichte „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“, in dem ein Jahrmarkt in einer Stadt gastiert, der die Zuschauer*innen mit einem Karussell lockt, das es vermag, das Alter der Fahrgäste je nach Fahrtrichtung zu verändern. Was diese nicht wissen, ist dass sie dies mit ihrer Seele bezahlen. Genau wie bei Bradbury beginnt Franks Roman mit der Ankunft eines Jahrmarkts, spätestens als die die dortige Wahrsagerin Zola dem NSDAP Kreisleiter und Blumen-Großhändler Otto Gürckel auf der Hand liest und dem Wahnsinn verfällt, wird jedoch klar, dass Frank Bradburys Versuchsanordnung auf den Kopf stellt. So unterläuft „Ginsterburg“ das antiziganistische Narrativ, indem es diesmal nicht die Schausteller sind, von denen Gefahr ausgeht, sondern die Bewohner dieser beschaulichen Kleinstadt. In drei Großkapiteln, deren Handlung jeweils im Abstand von fünf Jahren spielt, erzählt der Roman die Geschichte dieser Stadt und seiner Bewohner*innen. Wir lernen Lothar und Gesine kennen, die 1935, als das Land sich in der Naziherrschaft wohlig eingerichtet hat, noch Kinder sind. Gesines Vater Eugen ist Journalist, hatte vor dessen Tod versucht, in die Gunst von Carl von Ossietzky zu gelangen, um in der „Weltbühne“ nazikritische Glossen zu publizieren. Im Laufe der Handlung wird Eugen, Sohn eines Kriegshelden, Schriftleiter der Ginsterburger Lokalzeit, nachdem dessen jüdischer Chefredakteur Selbstmord begangen hat. Zudem wird er eine außereheliche Affäre mit Lothars Mutter Merle anfangen, einer Buchhändlerin mit kommunistischer Vergangenheit. Der Roman breitet aber nicht etwa eine Geschichte aus, die dem Narrativ von der „guten deutschen Zivilgesellschaft“ entspricht, sondern korrigiert die obige Fehlwahrnehmung, indem er vor allem von Mitläufertum, von Täterschaft, von Opportunist*innen, Karrierist*innen und Gleichgültigen berichtet. Selbst Figuren, die zu Beginn mit dem Potential etabliert werden, zur Identifikationsfigur zu werden, wie Merle, Lothar und Eugen, verweigern dieses Versprechen und damit den Freispruch für die deutsche Zivilgesellschaft. Lothar kann seine romantische Leidenschaft für das Fliegen nur ausleben, indem er sich dem Unrechtsstaat andient; Merle ist irgendwie froh, dass der Fokus des Hasses des Staates auf der jüdischen Bevölkerung liegt und ihre Vergangenheit damit nicht weiter ins Gewicht fällt und Eugen fragt auch nicht mehr nach den Umständen des Todes seines verstorbenen Chefs als er erstmal dessen Haus und Büro bezogen hat. Die 430 Seitens dieses Romans sind glänzend recherchiert und schaffen es aufgrund ihrer multiperspektiven und personalen Erzählweise und der ausgefeilten Charakterzeichnung schnell, plastische und mehrdimensionale Figuren zu erschaffen, die laut dem Autor stellvertretend für so viele Menschen in 160 Städten und 600 Gemeinden stehen sollen, die den Bombardements zum Opfer fielen. Hier allerdings findet sich für mich auch ein zentraler Punkt, den es kritisch zu betrachten gilt: Der Roman erzählt von den nationalsozialistischen Gewaltverbrechen anhand einzelner Individuen fernab des Geschehens der Weltpolitik. Die meisten von ihnen haben nicht aktiv zum Vernichtungsprogramm des Nazis beigetragen, waren jedoch – und das zeigt der Roman durchaus – an vielen Stellen Profiteure und manchmal auch Triebfedern dieses Programms. Und so erzählt der Roman eben auch von der Shoa, allerdings verschiebt sie den Fokus weg von deren Opfern auf die Täter, für deren Verlust Frank im SWR und auch mit diesem Roman ein stärkeres Gedenken einfordert. Versteht mich nicht falsch: Natürlich kann man die Tode und den Verlust betrauern, den der Bombenkrieg auch in Deutschland brachte, wenn ich allerdings einen Roman über deutsche Schuld schreibe – und so würde ich Ginsterburg lesen – dass öffnet diese Forderung rechten, revisionistischen Narrativen Tür und Tor. Eine zweiter Kritikpunkt meinerseits findet sich in der Frage danach, ob es diesen Roman wirklich gebraucht hätte. Ich betone nochmal: Ich habe „Ginsterburg“ gerne gelesen. Derlei Provinz-Sittengemälde der Zeit des Nationalsozialismus catchen mich sehr, aber genau hier liegt das Problem, denn wo der Tagesanzeiger Frank aufgrund des Romans bereits zu einem der wenigen großen Erzähler der Gegenwart ausruft, hatte ich fortwährend das Gefühl, das Gelesene bereits an anderer Stelle schon häufiger und teilweise sogar besser gelesen zu haben. So fühlte sich „Ginsterburg“ manchmal an, wie das Amalgam solcher großartigen Romane wie „Dunkelblum“ von Eva Menasse, „Requiem“ von Karl Alfred Loeser oder meinetwegen auch dem Jugendbuch „Dunkelblum“ von Kirsten Boie an. Ein letztes Fragezeichen zeichnete sich für mich in der Konzeption des letzten Kapitels ab, in dem der Untergang der Stadt „Ginsterburg“ besiegelt wird, denn hier verlässt Frank ein wenig die strengen Pfade des populärrealistischen Erzählens und lässt seine Protagonist*innen in kruden SM-Szenen oder symbolträchtige Tiere als Vorboten des Herannahenden Endes auftreten. Das verleiht dem Finale des Romans in seiner seltsamen Tarantino-Wagnerartigkeit schon fast etwas Heroisches und überträgt das Narrativ vom „Inferno“, das sonst häufig für den Holocaust herangezogen wird, auf das Schicksal der deutschen Zivilgesellschaft, was bei mir auch eher einen unschönen Beigeschmack hinterließ. Was sich hier nun wie ein Verriss liest, soll aber keiner sein. Vielmehr haben wir es bei „Ginsterburg“ mit einem Roman zu tun, der sich in meinen Augen wunderbar dafür eignet, die von mir aufgezeigten Diskussionspunkte aufzumachen, über Schuld und Verantwortung, über Engagement und das Wegschauen zu reflektieren, auch wenn ich einige der Lesarten, die mir der Roman anbot, harsch zurückweisen würde. Danke an den @klettcottaverlag für das Rezensionsexemplar.
Harter Stoff!
Ginsterburg. Nazis. Mitläufer. Normales Leben. Und Wahnsinn des Krieges. Toll erzählt, grossartig verwoben. Klarer Tipp!
Arno Franks Roman "Ginsterburg" ist ein vielstimmiger Versuch, das Innenleben einer deutschen Kleinstadt über die Zäsuren der Jahre 1935, 1940 und 1945 hinweg literarisch zu fassen. Mit einem klaren Gespür für Konstellationen, Alltagsbeobachtungen und gesellschaftliche Dynamiken entwirft Frank ein Mosaik aus Einzelschicksalen, das in seiner Figurenbreite überzeugt, in seiner Tiefe jedoch stellenweise zurückbleibt. Stilistisch wählt der Autor eine auffallende Varianz: Einige Figuren sprechen in kurzen, fast abgehackten Sätzen, was wohl eine bewusste Spiegelung ihrer Denkweise oder sozialen Stellung sein soll. Doch gerade dieser knappe Stil wirkt mitunter unangenehm distanziert. Leser:innen, die eine psychologische Durchdringung der Charaktere schätzen, könnten sich hier unterfordert fühlen. Die Vielfalt der Perspektiven – vom Stadtrat über das Dienstmädchen bis zum jungen Opportunisten – verleiht dem Roman Reiz, doch bleibt die Auswahl national eng gefasst. Bis auf die Figur Alfie, über den man nur bruchstückhaft etwas erfährt, kommt die Sicht der alliierten Kriegsgegner kaum vor. Gerade im letzten Teil des Romans, der sich 1945 widmet, wird vor allem das Leid der deutschen Bevölkerung während der Luftangriffe betont. Die Tatsache, dass dieses Leid nicht isoliert steht, sondern Resultat einer aggressiven, verbrecherischen Kriegspolitik ist, gerät dabei zu sehr in den Hintergrund. Auch die französische Perspektive fehlt – im Abschnitt 1940 marschieren die Deutschen beinahe feierlich durch Frankreich, ohne dass das dortige Leid thematisiert würde. So entsteht streckenweise ein Ungleichgewicht, das dem historischen Gesamtbild nicht gerecht wird. Trotz dieser Kritik bleibt Ginsterburg ein lesenswerter Roman. Er ist ambitioniert konstruiert, stilistisch variabel und wirft wichtige Fragen zur gesellschaftlichen Selbstwahrnehmung im Dritten Reich auf. Wer ein Faible für multiperspektivisches Erzählen hat und sich an sprachlicher Vielfalt nicht stört, findet hier reichlich Material zur Auseinandersetzung. Wer jedoch nach tiefer psychologischer Einsicht sucht und ein kritisch balanciertes Geschichtsbild erwartet, könnte am Ende etwas unbefriedigt zurückbleiben.
Erzähl- und Herangehensweise an das Thema Schuld und Verantwortung der Zivilgesellschaft im Dritten Reich machen Ginsterburg zu DEM Romanhighlight des Frühjahrs 2025 für mich.
Ein wahnsinnig bewegender Roman über ein fiktives Dorf, nicht viel mehr als ne Kleinstadt im Dritten Reich wie es sie zuhauf gibt. Dabei zeigt der Autor Arno Frank den Umgang ganz normaler Zivilisten im dörflichen Umfeld mit ihrem Schicksal zwischen Euphorie, Angst und Untergang - und zwischen Mitläufertum, Profit und Täterschaft. Spannend vorallem da das Buch in drei Teile gesplittet ist die 1935, 1940 und 1945 spielen, der Leser wird also mit auf eine zeitliche Reise, eine Entwicklung der Charaktere und eine Zuspitzung der Ereignisse genommen. Die Charaktere (eine Buchhändlerin und ihr flugfaszinierter Sohn, ein Blumenhändler der Karriere in der Kreisgruppe der NSDAP machen möchte, ein Industrieller, ein Pfarrer, der Dorfpolizist) sind alle so normal wie auch nachvollziehbar gezeichnet, aber sehr individuell charakterisiert. Während ein jeder versucht seinen Alltag im Griff zu haben ahnt niemand, was für ein Unglück auf sie zurollt, wie sehr jeder Teil der Maschinerie ist, ganz gleich ob man weg gucken, mitmachen oder es einfach geschehen lassen will - Ginsterburg im Jahre 1935. Ginsterburg im Jahre 1940. Und Ginsterburg im Jahre 1945; am Ende des Krieges wird jeder seinen Preis gezahlt haben. Arno Franks Ginsterburg ist aufgrund seiner sich langsam aufbauenden Dramatik über 10 Jahre Handlung, der gleichzeitig vorherrschenden gefühlvollen Beschreibungen sowie seiner Erzähl- und Herangehensweise an das Thema Schuld und Verantwortung der Zivilgesellschaft im Dritten Reich DAS Romanhighlight des Frühjahrs 2025 für mich.
Der Roman erzählt die Geschichte der Bewohner von Ginsterburg in den Jahren des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs. Unter den Büchern, die diese Zeit beleuchten, sticht es durch seine Machart heraus. Zum einen erhalten wir keine kontinuierliche Geschichte, sondern springen nur in drei ausgewählte Jahre, nämlich 1935, 1940 und 1945, was Geschehnisse offenlässt oder dazu führt, dass Figuren wegfallen oder hinzukommen. Zum anderen ist der irgendwo in Deutschland gelegene Handlungsort erfunden, was ich als Möglichkeit des Autors, kreativ wirken zu können, verstehe. Diese Art und Weise hat es mir etwas schwergemacht, der Handlung zu folgen. Unter der Vielzahl an Figuren haben nur einige eine starke Präsenz ausgestrahlt. Durch die Fiktionalisierung des Ortes habe ich mich immer wieder gefragt, ob Ereignisse der Epoche tatsächlich so passiert oder ebenfalls der Fantasie des Autors entsprungen sind. Grundsätzlich geht es darum, wie Menschen in den besagten Phasen denken und reagieren - auf Propaganda, auf Jugendorganisationen, auf die Entwicklung des Kriegs. „‚Ich habe mir eingeredet, dass sie da nur Leibesübungen machen. Beim Jungvolk. Gesunde Sachen an der frischen Luft.‘“ In erster Linie habe ich dies hier als Gutgläubigkeit oder Realitätsverleugnung wahrgenommen, während Widerstand gegen das System fehlte. Auch wenn ich von der Handlung nicht vollends überzeugt wurde, habe ich doch Arno Franks Erzählweise genossen, weil er es sich aus der Sicht des auktorialen Erzählers eben leisten kann, die Zustände pointiert aufs Korn zu nehmen. „Streng knattert die Hakenkreuzfahne in der steifen Brise.“
Ginsterburg eine Kleinstadt, in der versucht wird Menschlichkeit zu zeigen und zu erhalten. Nach der Machtergreifung leiden einige Bewohner, andere können sich profilieren. Liebe, Schuld, Alltag, Mitleid und Verantwortung sich selbst und anderen gegenüber - all das wird in diesem Roman behandelt und beleuchtet. 1935 bis 1945 ein Leben im Faschismus, der Versuch nicht falsch zu leben. Parallelen zu unserer heutigen Zeit, was sind wir bereit zu ertragen / zu zahlen für unsere Freiheit, für unsere Demokratie.

Unglaublicher Schreibstil
Ginsterburg, eine Kleinstadt in Deutschland. Eine Kleinstadt zwischen 1935 und 1945. Eigentlich geht hier alles überschaulich zu und doch liegt so einiges im Argen. Wir, die Leser, wissen, was kommen wird, aber die Menschen, die damals in dieser Stadt gelebt haben, konnten nicht ahnen, was auf sie zukam. Im Nachhinein, wissen wir es alle besser und doch kann es immer wieder passieren! In dem neuen Roman von Arno Frank, Ginsterburg, geht es um eine fiktive Stadt. Irgendwo in Deutschland, als die Nationalsozialisten die Regierung übernahmen, die Kinder waren begeistert, als sie bei der Hitlerjugend mitmachen durften und leise schlichen sich die Ideologien ein. Lothar jedenfalls fand es toll, als seine Mutter Merle ihm es erlaubte bei der Fliegerjugend teilzunehmen. Dabei war Merle fast eine überzeugte Kommunistin, nur erwähnte sie es niemandem gegenüber, das könnte zu schlechten Situationen führen. Lothar war bisher immer ein stiller, naturverbundener Junge gewesen, das Fliegen begeisterte ihn so sehr, dass er zu einem der besten Piloten wurde. Während der Junge eine Laufbahn einschlug, die seiner Mutter nicht besonders gefiel, ging das Leben in der Kleinstadt weiter. Da verschwand eine ganze Familie, und woanders tauchte die verrückte Uta aus Berlin auf, die Schwägerin des Bürgermeisters, die einem Schloss und -Garten wieder zu voller Pracht verhelfen wollte. Die Zwillinge, so alt wie Lothar, schlugen eine andere Karriere ein und es nahm kein gutes Ende. Der Leser weiß im Grunde schon, was kommen wird. Dann ist da noch die Nachbarin, die einen Sohn hat, der besser in eine Heilanstalt gehört. Welch Jubel, als das Kind endlich übernommen wurde ... Wie gesagt, der Leser weiß was kommen wird. Jeder ahnt, was mit dem Jungen in der Heilanstalt passiert, welche Gräuel die "Jungen" nach der HJ erleben werden, wohin die Menschen verschwanden, wie es ausgehen wird. Der Hass und die Wut wird nur langsam und tröpfchenweise verabreicht. Aber überall und stetig, damit am Ende ein unglaublicher Fluss, die Menschen verdirbt. Ich habe das Gefühl, Teil von etwas..." sie suchte nach dem richtigen Wort, "von etwas großem zu sein, von etwas wichtigem. größer und wichtiger als ein Mensch alleine ..." Seite 162 Arno Frank hat einen unglaublichen Schreibstil. Er schreibt viel, sagt viel, aber eben nicht geradeheraus. Der Leser erliest sich die Geschichten in einem puzzelhaften Stil. Ich mag es, wenn Romane nicht immer geradeaus geschrieben sind. Vielleicht sogar einen prosaischen Stil haben. Poetische Texte, die bildgewaltig und sanft daher kommen. Arno Frank verbindet das Grausame mit dem Blick für das Schöne. Und verbindet alle seine Figuren miteinander zu einem dichten Geflecht. Der Autor zwang mich mit seinen Worten zu vielen Pausen und stellte mein geschichtliches Wissen auf die Probe. Ich mag die meisten Figuren, auch wenn da einige dabei sind, die nicht zu meiner politischen Einstellung passen. Das Buch war zu keinem Augenblick langweilig und hat mich immer in Atem gehalten. Ich glaube aber auch, dass Ginsterburg wieder ein Buch ist, das man mit klarem Verstand und Zeit lesen muss. Nebenbei geht das nicht. Zwischendrin liest man Briefe, Zeitungsausschnitte und die Geschichte von einem Mann, der sich aus einem Kampfflugzeug retten muss. Ein für mich gelungener Roman, der den Blick auf unsere Zeit schärft.
Ein grandioses Werk! Ich habe schon den "Seemann vom Siebener" geliebt, und das ist nochmal was ganz anderes. In diesem beeindruckenden Roman beobachten wir, wie 1935 der Nationalsozialismus Einzug in den Alltag einer deutschen Kleinstadt hält, wie 1940 alle an den nahen Sieg glauben und 1945 nur noch auf Frieden hoffen. Wir schauen auf ganz normale Menschen, niemand ist hier Held oder wirklich abscheulich (außer vielleicht einer). Sie alle erleben Liebe und Enttäuschung, glauben und zweifeln, hoffen und verzweifeln. Es ist ein Buch, das lange in mir nachhallte, und das wichtig ist in Zeiten zunehmender Fremdenfeindlichkeit und wieder aufkeimendem NS-Gedankenguts. Hochachtung vor Arno Frank für einen, aus meiner Sicht großen Roman! Ich bleibe Riesen-Fan🥰

Ein vielschichtiges Buch über Krieg, Ideologie und Menschlichkeit.
╰ 𝗠𝗘𝗜𝗡 𝗟𝗘𝗦𝗘𝗘𝗜𝗡𝗗𝗥𝗨𝗖𝗞 Das Buch ist ein intensiver, vielschichtiger Roman. Es erzählt die Geschichten mehrerer Figuren, deren Schicksale sich zwischen 1935 und 1945 verweben und aufzeigt, wie Menschen sich in der NS-Ideologie verstricken. Sei es aus Überzeugung, Opportunismus oder stiller Verzweiflung. Arno Frank nutzt ergänzend historische Gesetze und Dokumente um das gesellschaftliche Klima jener Zeit zu verdeutlichen. Mit einem sprachlich facettenreichen Stil, der von schnörkellos bis poetisch, manchmal sogar einer komplexen Erzählweise gleicht, schafft der Autor eine eindringliche Atmosphäre. Die wechselnden Perspektiven fordern Konzentration, machen das Buch letztendlich dadurch umso eindrucksvoller. Der Krieg fordert Opfer, das moralische Ringen der Figuren wird spürbar. Das Buch fordert Aufmerksamkeit und hallt nach, weil Arno Frank es schafft sich mit den den moralischen Konflikten der Figuren auseinanderzusetzen. Nicht zuletzt, weil es zeigt, wie tief ein System in das Leben der Menschen eingreift und sie formt, ob sie wollen oder nicht. Das Ende? Düster und ohne eine einfache Antwort auf das Geschehene. ╰ 𝗠𝗘𝗜𝗡 𝗙𝗔𝗭𝗜𝗧 Ein vielschichtiges Buch über Krieg, Ideologie und Menschlichkeit. ╰ 𝗠𝗘𝗜𝗡𝗘 𝗕𝗘𝗪𝗘𝗥𝗧𝗨𝗡𝗚 4 / 5 ⭐️ Liebste Grüße 📚📖, Jeanette.
Das Abscheuliche und die leisen Sohlen. Das Damals und das Heute. Arno Frank hat einen wichtigen Roman geschrieben, in einer Zeit, erneut am Draht. Facettenreich und atmosphärisch dicht, mit kleinen längen inklusive. Klare Leseempfehlung. 8/10

Interessanter Roman über den zweiten Weltkrieg und wie die Bewohner einer kleinen Stadt diesen erleben…
ZUSAMMENFASSUNG DES INHALTS Als die NSDAP in Deutschland die Macht übernimmt verändert sich für die Deutschen und ihre Kinder einiges. Jungen müssen zur Hitlerjugend und Mädchen zum Bund deutscher Mädel. Krieg bricht in Deutschland aus und alle müssen sich anpassen. Aus einer Papierfabrik wird eine Handgranatenfabrik, das Gemeindehaus wird zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert und auf dem Hügel mit den Denkmahlen wird ein Hochbunker errichtet… MEINE MEINUNG ZUM BUCH Das Cover des Buches passt sehr gut zum Inhalt des Buches. Auf den ersten Blick wirkt alles (der Krieg) harmlos und auf den zweiten Blick erkennt man die drohende Gefahr des dunklen Rauches (der Bomben). Der Schreibstil des Autors ist teilweise etwas langwierig und mit einigen sehr langen Schachtelsätzen ziemlich konzentrationsfordernd. In den einzelnen Kapiteln aus den Jahren 1935, 1940 und 1945 wird jeweils aus der Sicht mehrerer Stadtbewohner erzählt, wie diese die Umstände erleben. Die Unterkapitel der einzelnen Jahre wurden am Ende immer mit einem anderen kurzen Schriftstück (Briefe, Regieanweisungen, kurze Geschichten,…) abgeschlossen, wodurch das Buch abwechslungsreicher wurde. Der Einstieg in das Buch ist mir zunächst etwas schwer gefallen, da ich mich erst in der Stadt zurechtfinden musste und mich mit den vielen Bewohnern vertraut machen musste. Im Laufe des Buches wurde die Geschichte immer spannender und auch die Charaktere konnte ich besser einordnen. Die Atmosphäre dieser schlimmen Zeit wurde meiner Meinung sehr gut eingefangen und durch die vielen Schicksäle der Stadtbewohner konnte man sich über jeden Bereich etwas informieren. Der Schluss hat mir nicht ganz gefallen. Da ich im Laufe der Geschichte viele Personen aus Ginsterburg kennengelernt hatte, wollte ich natürlich auch wissen, wie es mit ihnen nach dem Krieg weitergeht und wurde enttäuscht... Nach dem Lesen habe ich nun immer noch ein paar Fragen im Kopf, die ich gerne beantwortet hätte. FAZIT Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Ich konnte mich gut in die Ginsterburger hineinversetzten und habe erkannt, mit welchen Mitteln die NSDAP die Menschen und vor allem die Jugend manipuliert hat. Teilweise war mir der Schreibstil aber etwas zu anstrengend und das Ende hat mich mit einigen Fragen zurückgelassen... Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen! Danke an Lovelybooks und den Klett-Cotta Verlag für das spannende Rezensionsexemplar!
Eine fiktive deutsche Kleinstadt vor, während und zum Ende hin des 2. Weltkrieges. Über 400 Seiten verfolgt man Mitläufer und Karrieristen im Nationalsozialismus und baut eine Beziehung zu Franks erneut ziemlich gut konzipiertem Figurenkabinett auf. Der Roman hatte seine Längen, manche Fäden wurden nicht ausreichend zu Ende gesponnen aber insgesamt habe ich Ginsterburg sehr gerne gelesen.
Gesellschaftsportrait im Mikrokosmos
Ginsterburg ist eine fiktive Stadt irgendwo mitten in Deutschland. Arno Frank führt uns zu drei verschiedenen Zeitpunkten dorthin: 1935, zwei Jahre nach der Machtergreifung, 1940, noch relativ am Anfang des zweiten Weltkriegs, und schließlich 1945, als das Ende bereits naht. Dabei begleiten wir immer die gleichen Personen und verfolgen ihre Entwicklung. Da ist Merle, eine Buchhändlerin, die nicht besonders viel für das Regime übrig hat. Ihr zu Beginn dreizehnjähriger Sohn Lothar wird durch die Hitlerjugend vereinnahmt und möchte Pilot werden. Merle verbindet eine Leidenschaft mit Eugen, Journalist bei der Lokalzeitung und Mann ihrer besten Freundin, zunächst nur für Bücher, später auch körperlich. Merles Nachbarin ist leidenschaftliche Nationalsozialistin, auch wenn diese ihren geistig behinderten Sohn als „Ballastexistenz“ bezeichnen. Otto Gürckel nutzt die Gunst der Stunde, steigt zum Kreisleiter auf und verwendet seine Beziehungen, um das Familienunternehmen voranzubringen. Anhand dieser und weiterer Personen zeigt Arno Frank exemplarisch und in einem Mikrokosmos die verschiedenen Persönlichkeiten, die ein solches System hervorbringt: Mitläufer, glühende Anhänger, Profiteure. Dabei drehen sich nicht wenige die Welt so, wie sie es gerade brauchen, um zusätzlichen Gewinn herauszuziehen. Gerade gegen Kriegsende, als vielen die ausweglose Lage bereits bewusst ist, wird dies noch einmal besonders deutlich. Das tatsächliche Kriegsgeschehen und auch die Politik in Berlin scheinen von Ginsterburg weit weg zu sein. Doch auch dieser Ort wird von ihnen eingeholt. Im Vordergrund stehen dabei aber die zwischenmenschlichen Beziehungen. Sprachlich ist Ginsterburg äußerst gelungen. Jede Figur hat ihren eigenen Ton. Auch die Beschreibungen der Stadt zwischendurch passen perfekt, sie lassen sie lebendig werden. Lediglich römische Zahlen sollte sich der Autor noch einmal genauer anschauen. MDXCVII ist nämlich nicht 1497, sondern 1597, aber das nur nebenbei. Ich war zunächst sehr begeistert von Ginsterburg. Besonders die ersten beiden Teil lesen sich sehr gut. Im dritten Teil nimmt nicht nur der Kriegsverlauf eine Wendung, auch die Handlung schlägt häufig eine andere Richtung ein. Nicht alles davon fand ich erzählerisch gleich gut gelungen. Der Schluss ist relativ offen, aber dennoch passend. Was ich mir jedoch sehr gewünscht hätte, wäre ein Bezug zum zu Beginn des Romans erwähnten Wanderzirkuses gewesen. Dieser findet lediglich im 1940 spielenden Teil noch kurz Erwähnung, ist sonst aber komplett von der Bildfläche verschwunden. Wie bewerte ich nun den Roman? Das fällt mir ehrlich gesagt etwas schwer. Ich mochte, es, dass nicht wie in anderen Romanen Gestapo, SS etc im Fokus stehen, sondern hier fast keine Rolle spielen. Gleichzeitig kamen gerade im letzten Teil einige Elemente hinzu, die alles ein wenig unglaubwürdig wirken ließen (die Marlene Dietrich-artige Rückkehr von Gürckels Frau, ein vierjähriges Mädchen, das Stimmen und Geräusche als Instrumente sieht und insgesamt wie ein deutlich älteres Kind spricht…). Mir ist nicht ganz klar, was der Autor hiermit bezwecken möchte.
Gesellschaftsportrait im Mikrokosmos
Ginsterburg ist eine fiktive Stadt irgendwo mitten in Deutschland. Arno Frank führt uns zu drei verschiedenen Zeitpunkten dorthin: 1935, zwei Jahre nach der Machtergreifung, 1940, noch relativ am Anfang des zweiten Weltkriegs, und schließlich 1945, als das Ende bereits naht. Dabei begleiten wir immer die gleichen Personen und verfolgen ihre Entwicklung. Da ist Merle, eine Buchhändlerin, die nicht besonders viel für das Regime übrig hat. Ihr zu Beginn dreizehnjähriger Sohn Lothar wird durch die Hitlerjugend vereinnahmt und möchte Pilot werden. Merle verbindet eine Leidenschaft mit Eugen, Journalist bei der Lokalzeitung und Mann ihrer besten Freundin, zunächst nur für Bücher, später auch körperlich. Merles Nachbarin ist leidenschaftliche Nationalsozialistin, auch wenn diese ihren geistig behinderten Sohn als „Ballastexistenz“ bezeichnen. Otto Gürckel nutzt die Gunst der Stunde, steigt zum Kreisleiter auf und verwendet seine Beziehungen, um das Familienunternehmen voranzubringen. Anhand dieser und weiterer Personen zeigt Arno Frank exemplarisch und in einem Mikrokosmos die verschiedenen Persönlichkeiten, die ein solches System hervorbringt: Mitläufer, glühende Anhänger, Profiteure. Dabei drehen sich nicht wenige die Welt so, wie sie es gerade brauchen, um zusätzlichen Gewinn herauszuziehen. Gerade gegen Kriegsende, als vielen die ausweglose Lage bereits bewusst ist, wird dies noch einmal besonders deutlich. Das tatsächliche Kriegsgeschehen und auch die Politik in Berlin scheinen von Ginsterburg weit weg zu sein. Doch auch dieser Ort wird von ihnen eingeholt. Im Vordergrund stehen dabei aber die zwischenmenschlichen Beziehungen. Sprachlich ist Ginsterburg äußerst gelungen. Jede Figur hat ihren eigenen Ton. Auch die Beschreibungen der Stadt zwischendurch passen perfekt, sie lassen sie lebendig werden. Lediglich römische Zahlen sollte sich der Autor noch einmal genauer anschauen. MDXCVII ist nämlich nicht 1497, sondern 1597, aber das nur nebenbei. Ich war zunächst sehr begeistert von Ginsterburg. Besonders die ersten beiden Teil lesen sich sehr gut. Im dritten Teil nimmt nicht nur der Kriegsverlauf eine Wendung, auch die Handlung schlägt häufig eine andere Richtung ein. Nicht alles davon fand ich erzählerisch gleich gut gelungen. Der Schluss ist relativ offen, aber dennoch passend. Was ich mir jedoch sehr gewünscht hätte, wäre ein Bezug zum zu Beginn des Romans erwähnten Wanderzirkuses gewesen. Dieser findet lediglich im 1940 spielenden Teil noch kurz Erwähnung, ist sonst aber komplett von der Bildfläche verschwunden. Wie bewerte ich nun den Roman? Das fällt mir ehrlich gesagt etwas schwer. Ich mochte, es, dass nicht wie in anderen Romanen Gestapo, SS etc im Fokus stehen, sondern hier fast keine Rolle spielen. Gleichzeitig kamen gerade im letzten Teil einige Elemente hinzu, die alles ein wenig unglaubwürdig wirken ließen (die Marlene Dietrich-artige Rückkehr von Gürckels Frau, ein vierjähriges Mädchen, das Stimmen und Geräusche als Instrumente sieht und insgesamt wie ein deutlich älteres Kind spricht…). Mir ist nicht ganz klar, was der Autor hiermit bezwecken möchte.
Sternebewertung fiktiv
„Gingsterburg“ ist mein erster Roman von Arno Frank, und obwohl „Seemann vom Siebener“ noch ungelesen im Regal steht, hat mich dieser Titel sofort angesprochen. Schon das Cover und der Klappentext wecken Interesse. Eine Geschichte, die sich mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzt, einem Thema, das mich immer wieder fasziniert. Solche Bücher ähneln sich oft in ihrer Thematik, doch sie haben eine wichtige Funktion: Sie erinnern, rütteln auf und hinterlassen oft dieses unbegreifliche Gefühl von Unverständnis. In „Gingsterburg“ begleiten wir Lothar und seine Mutter Merle, eine Buchhändlerin. Lothar träumt davon, Flieger zu werden, gerät aber immer mehr unter den Einfluss der NS-Ideologie, während Merle mit Verachtung auf das Regime blickt. Daneben gibt es Figuren wie den Blumenhändler, der mit der neuen Macht aufsteigt und sich opportunistisch anpasst. Der Roman zeigt eindringlich, wie sich die Dorfgemeinschaft verändert. Die Nazis sind präsent, die Hitlerjugend rekrutiert, Denunziation wird gesellschaftsfähig, und plötzlich ist jeder gezwungen, eine politische Haltung einzunehmen, ob gewollt oder nicht. Freundschaften zerbrechen, Familien stehen vor Zerreißproben, während sich eine unaufhaltsame Gruppendynamik entwickelt. Die Geschichte ist in drei Abschnitte unterteilt 1935, 1940 und 1945. Besonders der erste Teil hat mich überzeugt. Arno Frank schreibt detailreich, nimmt sich Zeit für seine Figuren und erschafft ein lebendiges Bild des Dorfes. Der langsame, fast schon ausschweifende Erzählstil lässt uns tief in die Handlung eintauchen. Die Veränderungen in der Gesellschaft sind spürbar, und der Roman zeigt, wie der Nationalsozialismus nicht mit einem Knall, sondern schleichend in den Alltag der Menschen eindringt. Allerdings hatte ich mit dem letzten Drittel meine Schwierigkeiten. Während die ersten beiden Teile noch ausführlich und atmosphärisch dicht geschrieben sind, wirkt der Schluss gehetzt und fragmentarisch. Es fühlt sich an, als wollte der Autor möglichst schnell zu einem Ende kommen, was mich letztlich etwas unbefriedigt zurückließ. Die starken Charaktere und das gut durchdachte Setting hätten ein etwas runderes Finale verdient. Trotzdem hat mich der Roman insgesamt gut unterhalten. Es ist ein eindringlicher Roman über eine Zeit, die nicht vergessen werden darf, auch wenn ich mir ein gleichmäßig durchdachtes Ende gewünscht hätte. Eine uneingeschränkte Empfehlung kann ich daher nicht geben, aber ich bin überzeugt, dass es viele Leser noch intensiver begeistern konnte. Und nun wird es Zeit, „Seemann vom Siebener“ aus dem Regal zu holen. Ich bin gespannt, wie Arno Frank mich dort überraschen wird.
Ein fesselnder Roman in düsterer Zeit Noch Tage nachdem ich den Roman beendet habe, hallt dieser in mir nach. Eine fiktive Kleinstadt, die für viele in Deutschland steht. Wir begleiten die Bewohner in den Jahren 1935 bis 1945 im Nationalsozialismus. Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt, in die Jahre 1935, 1940 und 1945. Es werden einige der Bewohner vorgestellt und man begleitet sie in ihrem Umfeld, ihren Gedanken und Handeln. Sie haben unterschiedliche Charaktere und einen unterschiedlichen Background. Ganz deutlich wird, wie sich die Menschen in den bestimmten Lebenssituationen verhalten und wie sie auch geprägt werden. Durch die drei Teile wird eindringlich erzählt, was der Nationalsozialismus aus diesen Menschen gemacht hat. Ein Buch, was mich stark berührt hat. Ich habe mit einigen Protagonisten fast körperlich mitgelitten, die Sprache ist so atmosphärisch dicht. Mal wählte der Autor stakkatoartige Sätze, die mich atemlos der Geschichte folgen ließen, dann waren es solche, mit ähnlicher Satzkonstruktion/Wörtern, die eindringlich eine Situation beschrieben und dann ging es wieder „normal“ weiter. Grandios. Der Autor versteht es einen durch seine Sprache wie mit einem Sog in diese Geschichte zu ziehen. Ich habe lange nichts vergleichbares gelesen. Ich kann das Buch daher nur weiterempfehlen, es sollte gelesen werden.

„Nie wieder ist jetzt!“ war nur einer der Auslöser weshalb Arno Frank dieses Buch geschrieben hat. Frank hat ein Buch über Menschlichkeit in unmenschlichen Tagen geschrieben und hat mir damit nicht nur einmal das Herz zugeschnürt. Unsere Geschichte spielt in der fiktiven deutschen Kleinstadt Ginsterburg. Ginsterburg, so Frank, stehe für die 160 Städte und ca. 650 Gemeinden, die im 2. WK für alle Zeiten ihr Gesicht verloren haben. Es geht um die Einwohner in dieser Kleinstadt, die, ob bewusst gewollt oder auch nicht, ihrer Untätigkeit unterliegen. In drei Zeitabschnitten 1935, 1940 und 1945 führt uns die Geschichte ins Innere eines vielfältigen Figurenensembles. Es geht um Liebe und Hass, es geht um Freundschaft und Familie und noch so viel mehr. Ich habe das Buch geliebt. Arno Frank hat eine wunderschöne Art zu schreiben. Er schafft es dieses harte Thema, ihre Figuren und diese kleine Stadt so zum Leben zu erwecken als würde man Teil des Ganzen werden. Beim Lesen hatte ich so oft das Gefühl die Figuren schütteln zu wollen. Sie anzuschreien. Es war zugleich komisch und ernst, emotional und abgeklärt. Es hat mich mitgerissen von der ersten Seite an und zum Schluss gab‘s die Backpfeife. Ich glaube, dass dieses Buch unglaublich wichtig ist. Es war wichtig, dass Arno Frank es geschrieben hat, es ist wichtig, dass wir es alle lesen. Ich habe, trotz eines guten Geschichtsverständnisses, noch immer so viel gelernt. Vor allem habe ich gelernt, wie nah unsere aktuelle Gesellschaft der damaligen doch steht und wie viele Parallelen heute einfach unter den Teppich gekehrt werden. Also ja „Nie wieder ist jetzt!“. Jetzt und in alle Zeiten! 5/5 ⭐️ [unbezahlte Werbung / Rezensionsexemplar] Danke an @vorablesen und @klettcottaverlag für das Rezensionsexemplar. Und danke an @arno_frank71 für dieses feinfühlige und so unglaublich wichtige Buch. PS: Am 23.02. sind Bundestagswahlen und wir haben in der Hand, ob wir unsere Geschichte wiederholen. Seid immer aufmerksam und informiert euch unabhängig von Social Media über Aussagen, die gewisse Politiker*innen tätigen. Wir können es besser. Ich glaub dran.
Berührend
Nach der Leseprobe , war ich gespannt wie es weitergeht. Erzählt wird aus der fiktiven Stadt Ginsterburg. Der 11 jährige Lothar, liebevoll von seiner Mutter Merle "Lolo". genannt , träumt vom Fliegen. Dafür muss er in die Hitlerjugend eintreten . Merle ist wenig begeistert davon. Es werden weitere Charaktere beschrieben die die Kriegszeit nutzen um Ratsherr oder höhere Posten zu bekommen. Alles in allem verwirrten mich die vielen Charktere. Insgesamt war das Buch aber flüssig geschrieben , hatte es mir nach der Leseprobe anders vorgestellt daher ein Stern Abzug



















