Richtig gut. Das ist jetzt das dritte Buch von Nickolas Butler, das mir super gefallen hat. Ich ziehe nur einen Stern ab, weil ich mir das Ende deutlicher gewünscht hätte.
Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen. Es ist toll geschrieben und schafft es, seine Leser direkt von Anfang an in die Geschichte hinein zuziehen. Alle Charaktere der Geschichte sind sehr gut gezeichnet, man bekommt eine genaue Vorstellung von ihnen und es wächst schnell eine emotionale Bindung zwischen Leser und Protagonisten. Es geht in diesem Buch um einen älteren Mann, Lyle. Er ist verheiratet mit Peg, hat eine Erwachsene Tochter, einen Enkelsohn und Freunde. Eines Tages gerät seine Tochter in so etwas wie eine Sekte, und das verändert nicht nur ihr Leben drastisch. Lyle ist gezwungen, sich mit seinem Leben, seiner Vergangenheit und auch seinem eigenen Glauben auseinandersetzen, während er versucht, mit dem neuen Leben seiner Tochter zurechtzukommen. Doch dann passiert etwas schlimmes... Ich fand das Buch sehr berührend und war erschrocken, als ich gelesen habe, wie viele solcher Geschichten wirklich passieren. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen!
Fundamentalistische Glaubensgemeinschaften sind ein Problem und häufig leiden diejenigen am meisten darunter, die keine eigene Entscheidung treffen können - wie in diesem Roman der 5jährige Isaac, dessen Mutter in die Fänge einer solchen Gruppe gerät, was langsam aber sicher einen Keil zwischen sie und ihre Eltern treibt. Das Buch hat mir gut gefallen, die Figuren sind glaubwürdig gestaltet, der Schreibstil des Autors liegt mir und ich mag, wie er die ländliche Atmosphäre einfängt. Allerdings hatte ich an einigen Stellen das Gefühl, dass hier einfach zu viel in ein zu kurzes Buch gepackt wurde, sodass einiges leider ein wenig oberflächlich blieb. Dies ist wieder einmal so ein Fall, wo ich mir ein System mit 10 Sternen (oder Halbschritten) wünschen würde - eigentlich würde ich gerne 3,5 Sterne vergeben. Aber definitiv ein Autor, von dem ich mehr lesen möchte.
Seit seine Adoptivtochter Shiloh nach einer Trennung wieder zu ihm und seiner Frau Peg zurückgezogen ist, verbringt Lyle Hovde am liebsten Zeit mit seinem Enkelsohn Isaac. Gemeinsam besuchen die beiden seinen besten Freund Hoot oder den Apfelhain, in dem Lyle arbeitet. Dann jedoch lernt Shiloh den charismatischen Steve kennen, der Prediger in der Glaubensgemeinschaft des Bundes der Flusstäler ist. Nach und nach zieht dieser Lyles und Pegs Tochter immer mehr in seinen Bann und bringt damit auch den kleinen Isaac in Gefahr: der Junge, so Steve, sei ein Glaubensheiler und müsse diese Fähigkeit in den Dienst der Gemeinde stellen. In "Ein wenig Glaube" widmet sich Nickolas Butler behutsam einem schwierigen, sensiblen Thema. Der Glaube eines Menschen ist etwas sehr Persönliches und die Handlung kreist stets um die Frage, wie weit man als Elternteil gehen darf oder sogar muss, wenn das eigene Kind und Enkelkind in die Fänge einer Sekte geraten. Vieles, was im Roman zu lesen ist, erschüttert zutiefst und macht ebenso wütend - dieser Eindruck verstärkt sich noch, wenn man das Nachwort des Autors liest. Denn tatsächlich hat dieses Werk der Fiktion eines sehr realen, tragischen Hintergrund. Noch immer sterben jährlich in den USA Menschen, weil ihre Angehörigen ihre Hoffnung lieber in den Glauben als in die Medizin setzen. Der Roman lebt sehr von seinen Charakteren, vor allem dem gutmütigen, warmherzigen Lyle. Als guter Ehemann, liebevoller Opa und treuer Freund hat auch er mit Zweifeln zu kämpfen. Der Verlust seines leiblichen Sohnes kurz nach der Geburt hat ihn zu seinem Glauben entfremdet. Er stellt sich oft die Frage nach der Gerechtigkeit und zeigt große Unsicherheit, ob da überhaupt noch jemand ist, der seine Gebete hört. Als dann auch noch Hoot an Krebs erkrankt, verstärkt sich seine Verzweiflung. Diese allzu menschlische Reaktion nach solchen Schicksalsschlägen entfremdet ihn jedoch zusehends von Shiloh, die ihren Vater irgendwann als "Ungläubigen" und noch schlimmeres bezeichnen wird. Passagen aus den schwierigen familiären Verhältnissen wechseln sich ab mit idyllischen Szenen aus dem ländlichen Wisconsin. Stille Momente im Apfelhain oder fröhliches Zusammensein mit dem Enkel werden sprachlich gekonnt umgesetzt, so dass man sich beinahe mittendrin fühlt. Dem Leser bleibt so die Möglichkeit, zwischen der intensiven Auseinandersetzung mit falschem Glauben gemeinsam mit den Figuren auch einmal durchzuatmen. Das Ende des Romanes lässt (zu?) vieles offen, gibt so aber auch die Möglichkeit, die eigene Phantasie spielen zu lassen. Fazit: Ein lesenswerter Roman zu einem schwierigen Thema



