Die Magie des Geschichten Erzählens trifft auf die brutale Realität der Jesidenverfolgung
Der Journalist Ibrahim reist aus Istanbul in sein Heimatdorf Mardin an der syrischen Grenze, um den Mord seines Kindheitsfreundes Hüseyin näher zu beleuchten. Dabei begibt er sich auf eine Spurensuche, die ihn zurück zu seinen Wurzeln und tief in religiöse Konflikte, Identitätsfragen und auf die Suche nach Richtig und Falsch führt. Zülfü Livaneli beschreibt so atmosphärisch und gleichzeitig schonungslos über Traditionen, Religion und die Geschichte unserer Welt. Themen wie die Jesidenverfolgung, Rassismus und die Gräueltaten des IS werden greifbar und so flüssig in die Geschichte eingebettet, sie zieht einen komplett in ihren Bann. Und trotz der großen Konflikte und all dem Leid, dass beschrieben wird, ergibt sich Livaneli nicht in Opferbeschreibungen. Der Ich-Erzähler ist zeitgleich verzweifelt auf der Suche nach seiner Identität und Zugehörigkeit, sodass die Geschichte nahbar wird und der Schrecken der Menschen einen nicht vollkommen ohnmächtig zurücklässt. Ich bin dankbar für dieses Buch und diesen kleinen Einblick in eine Gesellschaft, die meistens nur über Nachrichten an uns herangetragen wird. „Während so viele Menschen litten, konnte ich mir nicht mehr anhören, wie in Istanbul darüber diskutiert wurde, wo man das beste Sushi bekam.“




