"Der lächelnde Gott" (It Devours!) ist der zweite Roman aus dem Welcome To Night Vale Universum. Ursprünglich (und immer noch) ein Podcast über das Städtchen Night Vale, in dem jede Verschwörungstheorie Alltag ist und als solcher hingenommen wird. Nun droht diese Stadt (eventuell) verspeist zu werden und nur die Wissenschaft kann die Situation retten! Oder nur die Religion! Oder nur beide zusammen! Oder gar keiner? Das Buch an sich ist einfach geschrieben und springt nicht so sehr in Zeit und Raum umher wie es der erste Teil getan hat, was ihn einfacher zu verfolgen macht. Vom Stil her würde ich ihn am ehesten mit den Romanen von Robert Rankin vergleichen. Ein wenig absurd und surreal, ein wenig albern, aber immer unterhaltsam. Obwohl der Roman auch für Leute zugänglich sein soll, die vorher nichts über Night Vale gehört haben, würde ich doch sagen, dass Vorkenntnisse von Vorteil sind, da man sich sonst an manchen Stellen am Kopf kratzen würde. Weniger, warum die Sonne immer so laut aufgeht, sondern warum z.B. oft auf den Ehemann des Chefwissenschaftlers eingangen wird, obwohl er im Buch nur eine relativ blasse, uncharakterisierte Person bleibt. Als Kenner des Podcast weiß man natürlich, dass es sich normalerweilse um den Dreh und Angelpunkt Night Vales handelt. Allerdings ist dieser nur auf Englisch zu haben und falls jemand der Sprache nicht mächtig ist, sehe ich hier doch zumindest ein geringes Problem. Deshalb auch nicht die volle Punktzahl., aber Freunden des skurrilen Humors würde ich den Roman dennoch empfehlen!
Das Städtchen Night Vale ist das völlig spleenige und süchtig machende Universum von Joseph Fink und Jeffrey Cranor. Bereits im ersten Band Willkommen in Night Vale (zu meiner Rezension geht’s hier entlang) bemerkt man, dass hier die Bewohner auf eine besonders absurd-abgedrehte Art und Weise leben und auch im zweiten Roman lernt man diese besondere Welt erneut noch ein Stück besser kennen. Nur ist die Rückkehr in das Wüstenstädtchen nicht mehr ganz so verwirrend, wie es am Anfang noch war, obwohl ich zugeben muss, dass mir der Einstieg eh nicht sonderlich schwer gefallen ist. Vier Jahre lebt Nilanjana nun schon in Night Vale, doch noch immer sie sich nicht ganz an die Besonderheiten der Stadt und dessen Bewohner gewöhnt. Als Wissenschaftlerin arbeitet sie an einem natürlichen Pestizid, das den Bauern bei der Bewirtschaftung ihrer Felder helfen soll, Kollegin Luisa hingegen untersucht das Verhalten von Kartoffeln und wie sie reagieren, wenn man sie mit Enttäuschung straft. Beides sehr angesehene Projekte, dessen Idylle aber von einer Katastrophe erschüttert wird, als ein Haus mit samt seinen Bewohnern am Rande der Stadt von einem großen Loch verschluckt wird. Und es bleibt nicht bei diesem einen Vorfall, denn schon bald muss auch das beliebte Schnellrestaurant Big Rico’s Pizza daran glauben – eine richtige Tragödie, hab es hier doch die beste Pizza, die ganz ohne den in Schlagen verwandelnden Weizen auskam. Als Nilanjana es sich kurz darauf zur Aufgabe macht, den Ursachen für diese gefährlichen Löcher auf die Spur zu gehen, gerät die Kirche Die Freudige Vereinigung des Lächelnden Gottes in ihren Fokus, denn ihr Gott stellt sich als alles verschlingender Tausendfüßler heraus. Wie bitte? Wer sich jetzt diese Frage stellt, hat vermutlich vorher noch nie etwas von Night Vale gehört und falls ihr zu diesen armen Menschen gehört, solltet ihr das dringend ändern, denn ganz ehrlich: Ich ziehe erneut meinen Hut vor dem Einfallsreichtum dieser beiden Autoren. So läuft hier die Zeit mal vorwärts, mal rückwärts und vor allem lässt die Zeit auch Zeit aus, oder erfordert es beispielsweise für den Geschlechtsakt eine Genehmigung, die einen Bürokratie-Marathon nach sich zieht. “Ja”, sagte sie. “Das Haus kenne ich. Es existiert nicht. Es sieht aus, als würde des existieren. Wenn man hinschaut, kann man es sehen, und es steht zwischen zwei weiteren, identischen Häusern, da wäre es also naheliegend, dass es existiert, eher, als das es nicht existiert, aber…” (Seite 25) In Der lächelnde Gott geht es vordergründig um den Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion und was Selbstüberschätzung, Abhängigkeit und Verblendung anrichten können. Dabei lassen Joseph Fink und Jeffrey Cranor ihrer skurrilen Kreativität wieder freien Lauf und ich war abermals mit Lachtränen und zustimmenden Nicken auf dem Sofa gefesselt. Egal wie durchgeknallt es zugeht, die Wüstenstadt wirkt auf den zweiten Blick mit ihren eigenen Regeln immer herrlich normal. Ich fühlte mich ein Stück weit zu Hause und angekommen, was auch daran liegt, dass ich viele alte Bekannte aus dem Vorgängerband wiedergetroffen habe -jedoch könnt ihr das aktuelle Buch auch komplett unabhängig lesen, wobei euch hier meiner Meinung nach einiges entgehen würde. Ihr seht, ich bin wieder absolut begeistert von der Stadt in der es um alles und nichts geht. Um große und kleine Dinge. Um bleiben oder gehen. Hier ist die Ursache der Auslöser – ein in sich geschlossener Kreis.

