16. März
Rating:4

Beschreibung Der uneheliche Bauernsohn Gestur wird nach dem Tod seines Vaters von Ziehvater zu Ziehvater gereicht, bis er sein Schicksal in die eigene Hand nimmt und in die Fremde segelt. Als Gestur wieder in sein isländisches Heimatdorf Segulfjörður zurückkehrt und selbst Vater wird, erwacht in dem mittelalterlich geprägten Land durch die Norweger und die Heringsfischerei die Moderne. Meine Meinung Bisher war mir der isländische Kultautor Hallgrímur Helgason kein Begriff, doch die Lektüre seines neuesten Romans »60 Kilo Sonnenschein« hat diesem Missstand Abhilfe geleistet. In seiner historischen Geschichte über das Island während der Jahrhundertwende zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert, die eher einer humorvoll-skurrilen Saga gleicht, präsentiert Helgason seine Landsleute mit einer erfrischend satirischen Sicht auf die Gesellschaft im Wandel einiger Jahre, und schließlich den Umbruch in die Moderne auf diesem abgelegenen Fleckchen Erde. Auf über 570 Seiten lässt uns Helgason in die malerische Landschaft Islands eintauchen und bringt uns deren Bewohner*innen, Traditionen und Lebensumstände näher. Seine Geschichte lebt dabei vor allen Dingen von urkomischen Begebenheiten und den fein gezeichneten, urigen und teilweise auch ziemlich schrulligen Charakteren. Die Mentalität der Isländer und der beschwerliche Umbruch vom vertrauten und beschaulichen Dasein in ein gänzlich anderes Leben stehen dabei im Fokus. Selbst den düstersten Vorkommnissen wie dem Tod, der in den unwirtlichen Wintermonaten, einer ständigen Drohung gleichkommt, kann Helgason einen belustigenden Anstrich verpassen ohne das es aufgesetzt und unpassend wirkt. Menschen binden sich des Nachts mit einer Leine aneinander, um nach einer Lawine leichter gefunden zu werden oder der Pfarrer hat bei seinen Besuchen in den Grassodenhäusern seiner Gemeinde immer genügend Schafsfruchtblasen dabei, denn diese sind den Bewohner*innen um einiges lieber als moralische Predigten. Helgason präsentiert in »60 Kilo Sonnenschein« eine bestechende Mischung aus märchenhaften Fjorden, der unbarmherzigen wie auch schönen Natur Islands, die durch ihre Isolation vom Rest der Welt geprägten Einwohner, sowie historischen Fakten. Der ruhige Handlungsverlauf wird durch Helgasons Erzähltalent, seinem Gespür für unterhaltsame Anekdoten und Authentizität zu einem besonderen Leseerlebnis. Fazit Durch diesen fiktionalen Roman geht man mit der Geschichte und den Traditionen der Isländer auf Tuchfühlung und lernt die raue Natur kennen, die das Naturell der Insulaner nachhaltig geprägt hat. Besonders hervorzuheben sind die fein gezeichneten Charaktere und die gestochen scharfen gesellschaftlichen Betrachtungen, die mich immer wieder an Klassiker der Weltliteratur von Jane Austen oder George Eliot erinnerten. Ein unterhaltsames Epos mit bestechendem Erzähltalent dargeboten! -------------------------------- © Bellas Wonderworld; Rezension vom 28.02.2021

60 Kilo Sonnenschein
60 Kilo Sonnenscheinby Hallgrímur HelgasonTropen
1. Mai
Rating:4

Beschreibung Der uneheliche Bauernsohn Gestur wird nach dem Tod seines Vaters von Ziehvater zu Ziehvater gereicht, bis er sein Schicksal in die eigene Hand nimmt und in die Fremde segelt. Als Gestur wieder in sein isländisches Heimatdorf Segulfjörður zurückkehrt und selbst Vater wird, erwacht in dem mittelalterlich geprägten Land durch die Norweger und die Heringsfischerei die Moderne. Meine Meinung Bisher war mir der isländische Kultautor Hallgrímur Helgason kein Begriff, doch die Lektüre seines neuesten Romans »60 Kilo Sonnenschein« hat diesem Missstand Abhilfe geleistet. In seiner historischen Geschichte über das Island während der Jahrhundertwende zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert, die eher einer humorvoll-skurrilen Saga gleicht, präsentiert Helgason seine Landsleute mit einer erfrischend satirischen Sicht auf die Gesellschaft im Wandel einiger Jahre, und schließlich den Umbruch in die Moderne auf diesem abgelegenen Fleckchen Erde. Auf über 570 Seiten lässt uns Helgason in die malerische Landschaft Islands eintauchen und bringt uns deren Bewohner*innen, Traditionen und Lebensumstände näher. Seine Geschichte lebt dabei vor allen Dingen von urkomischen Begebenheiten und den fein gezeichneten, urigen und teilweise auch ziemlich schrulligen Charakteren. Die Mentalität der Isländer und der beschwerliche Umbruch vom vertrauten und beschaulichen Dasein in ein gänzlich anderes Leben stehen dabei im Fokus. Selbst den düstersten Vorkommnissen wie dem Tod, der in den unwirtlichen Wintermonaten, einer ständigen Drohung gleichkommt, kann Helgason einen belustigenden Anstrich verpassen ohne das es aufgesetzt und unpassend wirkt. Menschen binden sich des Nachts mit einer Leine aneinander, um nach einer Lawine leichter gefunden zu werden oder der Pfarrer hat bei seinen Besuchen in den Grassodenhäusern seiner Gemeinde immer genügend Schafsfruchtblasen dabei, denn diese sind den Bewohner*innen um einiges lieber als moralische Predigten. Helgason präsentiert in »60 Kilo Sonnenschein« eine bestechende Mischung aus märchenhaften Fjorden, der unbarmherzigen wie auch schönen Natur Islands, die durch ihre Isolation vom Rest der Welt geprägten Einwohner, sowie historischen Fakten. Der ruhige Handlungsverlauf wird durch Helgasons Erzähltalent, seinem Gespür für unterhaltsame Anekdoten und Authentizität zu einem besonderen Leseerlebnis. Fazit Durch diesen fiktionalen Roman geht man mit der Geschichte und den Traditionen der Isländer auf Tuchfühlung und lernt die raue Natur kennen, die das Naturell der Insulaner nachhaltig geprägt hat. Besonders hervorzuheben sind die fein gezeichneten Charaktere und die gestochen scharfen gesellschaftlichen Betrachtungen, die mich immer wieder an Klassiker der Weltliteratur von Jane Austen oder George Eliot erinnerten. Ein unterhaltsames Epos mit bestechendem Erzähltalent dargeboten! -------------------------------- © Bellas Wonderworld; Rezension vom 28.02.2021

60 Kilo Sonnenschein
60 Kilo Sonnenscheinby Hallgrímur HelgasonTropen