Ein deutsches Mädchen von Heidi Benneckenstein
Heidrun, kurz Heidi, wächst in den 90er Jahren einer NeoNazi Familie auf. Zwischen Drill, Disziplin und Zeltlagern wird sie von Kindesbeinen an mit der Ideologie der braunen Szene vertraut gemacht. Sie hinterfragt nicht, hetzt gegen Ausländer, nimmt an Demos teil. Bis sie mit Anfang 20 beginnt, alles zu hinterfragen und schließlich wagt sie den Ausstieg. Ich finde dieses Buch unheimlich wichtig. Wichtig, weil sie aus der Perpektive einer Frau erzählt wird, die schon früh indoktriniert wurde und die sich später selbst hinterfragt und reflektiert hat. Es gibt viele gute Aussteigerbücher, aber die meisten sind von Männern verfasst worden. Dabei sind es gerade auch Frauen, die ebenso in dieses System geraten und aussteigen wollen oder ausgestiegen sind. Daher habe ich die Geschichte von Heidi besonders aufmerksam gelesen. Es ist erschütternd, wie schleichend sich dieses Gedankengut ausbreiten kann, wie Menschen dort hineingeraten. Ob nun durch die eigene Familie, oder weil man sich selbst radikalisiert. Das Buch zeigt auf, dass es keine abgeschottete Szene ist, sondern dass die Menschen, die dieses Gedankegut mit sich tragen und verbreiten, unter uns sind und ganz normale Menschen sind. Wie Heidi sich selbstreflektiert und ihren Werdegang schildert und wie sie zu ihrer Familie steht, hat mich am meisten berührt. Es zeigt, dass nicht alles verloren ist, aber auch, dass man etwas tun muss, damit sich das, was in den 1930er Jahren ihren Anfang genommen hat, nicht noch einmal wiederholt. Klare Empfehlung von mir.














