6. Apr.
Rating:5

Sternebewertung fiktiv

Was war das letzte Buch, das euch so begeistert hat, dass ihr sofort alles vom AutorIN lesen wolltet? Bei mir war es ganz aktuell Jonathan Lethem. Manchmal passiert es einfach. Du schlägst ein Buch auf und plötzlich ist da diese Stimme, dieser Ton, der dich sofort mitnimmt. Jonathan Lethem hat genau das bei mir geschafft. Zwar war ich sehr über den Stil überrascht aber die Hürde hat sich gelohnt. Mit seinem Roman hat er mich nicht nur gepackt, sondern auch für all seine anderen Bücher neugierig gemacht. Dies ist keine typische Liebeserklärung an Manhattan. Es ist eine an Brooklyn nur rauer, ehrlicher, schräger. Der Autor, selbst in Brooklyn aufgewachsen , lässt seine persönliche Perspektive durch jede Zeile schimmern. Er nimmt uns mit in die Dean Street, diese ist nicht wie üblich einer kulturellen Gruppe zugeschrieben, hier ist ein Melting Pot aus Schwarz, Weiß und puertorikanisch. Was mich besonders begeistert hat, die vielen kleinen Geschichten, die scheinbar lose nebeneinanderstehen, aber irgendwann ganz heimlich ein großes Ganzes ergeben. Brooklyn wird hier nicht verklärt, sondern lebendig. Laut, chaotisch, voller Kontraste. Es ist ein Buch über Wandel politisch, gesellschaftlich, menschlich. Über die 60er bis in unsere Gegenwart. Über Pizza-Diebe, nervige Optikerkunden und Vierteldollarstücke, die in vier Teile gesägt werden. Und über die unsichtbaren Privilegien, die manche Menschen mit sich tragen, ohne sie zu bemerken. Der Autor hat viele persönliche Erfahrungen zum Leben in den Brown Stones. Ein bisschen muss man sich auf diesen Stil einlassen aber wer das tut, wird ganz groß belohnt.

Der Fall Brooklyn
Der Fall Brooklynby Jonathan LethemTropen