Spielt oben mit. Was ein guter Thriller
Das man ein Buch nicht nach seinem Einband bewerten sollte, zeigt „In Zeiten des Todes“ mir deutlich. Das Cover ist bodenlos und sieht eher wie ein Flughafenroman von der Stange aus. Zudem war es wirklich ein blinder Griff ins Regal, der mich am Ende um ein sehr gutes Buch mehr bereichert hat. Der Thriller hier lebt eher von Atmosphäre, Milieustudie und Korruption. Keine kurzen Kapitel und das Tempo ist eher so dahin. Trotzdem und ganz klar, das hier hat ne gewisse Härte vorzuweisen! Brutalität wird hier durch Emotionen vermittelt. Der Commissario Krupp z. B. schaut sich immer erst den Körper an, dann das Gesicht. Der Körper sagt etwas über den Täter, das Gesicht über das Opfer aus. Um euch mitzunehmen, das wird dann „durchgezogen“ und das emotionalisiert extrem, weil man es versteht und einem auch betroffen macht, weil man eben durch die Schreibweise so nah dran ist. Wer schon einige Thriller gelesen hat und mit dem gängigen Schema vertraut ist, wird hier immer wieder Momente erleben, in denen er sich über die gelungene Umsetzung dieses Schemas freut. Es gibt Schlüsselmomente, die stets einen qualitativen Schritt weitergehen. Als Konsument von Unterhaltung, die mir vom Autor bereitgestellt wird, habe ich mich in diesen Momenten respektiert gefühlt, es wird hier nicht runter gerattert um ne schnelle Nummer zu liefern. Er nimmt sich die Zeit, einen Bogen zu spannen und eine Geschichte zu erzählen, die absolut Substanz hat. Ein großer Teil der Wirkung kommt eben von der Schreibweise selbst. Der Stil ist lakonisch, fast schon protokollartig, als würde man einen Bericht lesen und genau dadurch entsteht diese Wucht. Es wird nichts ausgeschmückt, nichts dramatisiert, und trotzdem fühlt sich alles unglaublich nah an. Zwischen diesen nüchternen Passagen blitzen immer wieder kurze, intime Gedanken, Blicke, kleine Sätze auf, die mehr sagen als ganze Erklärungen. Diese Mischung aus Distanz und plötzlicher Nähe sorgt dafür, dass man nicht nur zuschaut, sondern sich mitten im Geschehen wiederfindet. Man wird hier in eine „Bubble“ reingeworfen zwischen Polizei und Medienkultur, die ihre eigenen Regeln hat und wo sich die Welt anders dreht. Wer die Personen sind, warum sie tun müssen was sie tun. Im Grunde laufen hier Personen rum, die man schnell verurteilen könnte aber dann doch greifbar werden, nicht um zu rechtfertigen sondern weil auch sie Menschen sind. Korruption wird hier veranschaulicht dargestellt. Am Ende ist es genau diese Mischung, die das Buch so stark macht. Ein nüchterner, fast distanzierter Stil, der auf einmal in intime, menschliche Momente kippt, Figuren, die sich echt anfühlen, weil sie widersprüchlich und nicht „gemacht“ wirken, und eine Geschichte, die weniger von Handlung lebt als von Atmosphäre, Haltung und der Frage, was Wahrheit überhaupt ist. Mehr als ein „who done it“. Klasse!








