Quasi das Buch zur fünfteiligen Arte-Dokuserie " Capital B- Wem gehört Berlin?" Seit vielen Jahren liebe ich diese Stadt, ohne hinziehen zu wollen. Es ist das Flair, die Geschichte, die Menschen, die mich anziehen und faszinieren. Auch die dreckigen Ecken gehören dazu, auch die überdimensioniert Malls mit ihren immer gleichen Geschäften. "Capital B" von Florian Opitz lässt Leute wie Alexander Osang, Klaus Wowereit, Kool Savas, Marion Brasch oder Sookee zu Wort kommen und erzählt durch sie die wilden Jahre Berlins in den 90ern, die rigide Sparpolitik, die heute mitverantwortlich ist für die hohen Mieten und die Wohnungsnot, in den nuller Jahren bis heute, wo die Koalition aus CDU und SPD nichts gebacken kriegt. Clubs, Drogen, Techno und der Easyjetset kommen ebenso vor wie Initiativen zur Rettung des Spreeufers oder des unbebauten Tempelhofer Felds. Wie immer macht einen die Willkür und der Machtmissbrauch einzelner Leute wie Roland Ernst oder Klaus Rüdiger Lewandowsky einfach nur wütend. Wegen solcher Typen ist der Potsdamer Platz so hässlich. Oder das Mediaspree- Ding, Betongold für windige Investoren am Ufer der Spree. Ich fand das Buch sehr informativ, es ist durchaus unterhaltsam geschrieben und öffnet die Augen.
1989 fällt die Berliner Mauer und schafft jetzt Raum für bisher nie geahnte Möbel, aber auch Probleme. Zum Beispiel: Wie soll man eine in zwei Hälften geteilte Stadt vereinen? Wie legt man die Polizei zusammen, wie finden Menschen zueinander, was passiert mit Leerständen? Klar ist, dass die Meisten von Ost nach West flüchten. Politisch gab es da einige Herausforderungen. Und dieses Buch gibt Einblick in Sachen die man so gar nixht mitbekommen hat, weil man vielleicht auch zu jung war. Verschiedene Personen nehmen einen hier mit auf eine Zeit- und Entwicklungsreise. Ein paar davon waren mir durchaus ein Begriff, darunter Renate Künast, Klaus Wowereit, Peter Fox oder Kool Savas. Man bekommt aber auch Einblicke aus den Blickwinkeln der Punkbewegung, aber auch Musik und natürlich Politik zu der Zeit. Aus Berlin sollte nach der Wiedervereinigung etwas Großes werden, dabei wurde sich aber auch hier und da ordentlich verkalkuliert. So mancher litt an purer Selbstüberschätzung. So wurde sich zum Beispiel kurz nach dem Mauerfall für Belin als Austragungsort für die Olympischen Spiele beworben. Dabei gab es vorrangig erst einmal andere Themen zu bewältigen. Es gibt wirklich gute Einblicke mit Zeitzeugen, welche zum Beispiel an den Hausbesetzungen teilgenommen haben, wie das Ganze eskaliert ist oder wie Berlin zur Technoszene und somit auch Loveparade kam. Was hat der Bankenskandal in Berlin angerichtet und wer hat davon profitiert? Was hat die immer wieder verzögerte Eröffnung des BER mit Wowereit gemacht? Fazit Dieses Buch ist definitiv interessant für diejenigen, die sich für Berlin und seine Entwicklung seit dem Mauerfall interessieren. Das Ganze mit der Darstellung aus verschiedenen Sichten. Politiker, Bewohner, Presse, normale Bewohner und auch Musiker. Ich fand es spannend ein zumindest teilweise kleinen Einblick hinter die Kulissen bekommen. Das betrifft den BER, Thilo Sarrazin oder Neukölln an sich. Ich für meinen Teil fand es wahnsinnig gut gemacht und hab auch durchaus etwas gelernt. 4 Sterne von mir

